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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Hormonersatz im Klimakterium virile

Wenn der Mann „ins Alter“ kommt, ist nicht unbedingt nur das Absinken des Testosteronspiegels für allfällige Symptomatik verantwortlich zu machen.

Weibliche Sexualhormone zur Behandlung postmenopausaler Beschwerden haben in den letzten Jahren viele Hoffnungen enttäuscht. Und auch für Männer scheinen Hormone nicht das Wundermittel zu sein, das sich manche versprechen. Wenn die Manneskraft nachlässt, muss das nicht automatisch an einen Hormonmangel denken lassen. Entsprechend zurückhaltend sollte man mit der Verordnung von Testosteron sein, so die Ansicht von Experten. Müdigkeit und Erschöpfung, Nachlassen der Spannkraft und der sexuellen Lust, Erektions- und Orgasmusstörungen – für diese Symptome des alternden Mannes gibt es eine Reihe von Namen: „Aging-Male-Syndrom“, „Wechseljahre des Mannes“ oder „Altershypogonadismus“. Aber sind all diese Symptome tatsächlich auf Hormonmangel zurückzuführen? Und wenn ein Mangel vorliegt, muss immer substituiert werden?
„Nein“, sagt Prof. Wolfgang Weidner von der Urologischen Klinik der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Von allen Symptomen, die man unter dem Begriff Aging-Male-Syndrom zusammenfasst, lassen sich nur die allgemeine Verminderung der Spannkraft und insbesondere die Störung der sexuellen Lust auf sinkende Hormonspiegel zurückführen.“ Neuere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die anderen Symptome dem Alter und nicht pauschal einem Testosteronmangel zuzuschreiben sind. Auch die Störung der Erektionsfähigkeit sei „primär nicht testosteronbedingt zu erklären“.

Nur bei eindeutiger Symptomatik substituieren

Die Grenzwerte für einen Testosteronmangel sind altersspezifisch gestaffelt und differieren in Abhängigkeit vom verwendeten Test. Die Deutsche Urologische Gesellschaft definiert den Serumspiegel von 11–12 nmol/l als Untergrenze der Normalwerte. Da dieser Wert sich vom jungen Patienten mit Hypogonadismus ableitet, ist er nach Meinung Weidners durchaus kritisch zu sehen und wahrscheinlich altersspezifisch zu verändern: „Denn nach dieser Definition gehören ein Fünftel aller Männer im Alter zu den hypogonaden Patienten.“ Substituiert werden müsse erst, wenn neben dem manifesten Mangel weitere eindeutige Beschwerden vorliegen, zum Beispiel Osteoporose oder Depression.„Unter strenger Berücksichtigung der Kontraindikationen wie dem manifesten Prostatakarzinom, der symptomatischen BPH (beninge Prostatahypertrophie) oder der Schlafapnoe“, so Weidner, „ist bei einem Hormonmangel mit entsprechender Symptomatik insbesondere eine dermale Testosteron-Applikation indiziert.“ Gele seien aus pharmakologischer Sicht optimal, weil hierdurch Testosteronspiegel im physiologischen Bereich erreicht und Unter- oder Überdosierungen vermieden werden. „Liegen trotz nachweislichen Hormondefizits keine körperlichen oder psychischen Beschwerden vor, besteht auch keine Veranlassung, männliche Sexual-Hormone zu verabreichen“, wendet Weidner sich vehement gegen die leichtfertige Gabe von Testosteron als „Lifestyle-Droge“.

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