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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Wasser - Österreichs kostbarstes Gut

Qualitativ hochwertiges Trinkwasser - rein und wohlschmeckend - wird auf unserem Planeten immer rarer. Einige Beispiele: Wer in Deutschland Wasser aus der Leitung trinkt, hat Chlorgeschmack auf der Zunge. Engländer bevorzugen, wenn sie es sich leisten können, Mineralwasser für die Zubereitung von Tees. Eine Zeitlang ließ die Queen sogar Trinkwasser aus Österreich einfliegen.

Wasserverbrauch pro Person pro Tag

"In Österreich müssen wir pro Person und Tag mit einem Wasserverbrauch von 150 Litern rechnen", sagt Prof. Dr. Rolf Schulte-Hermann, Leiter des Institutes für Tumorbiologie und Krebsforschung in Wien. Darin enthalten sind zwei bis drei Liter Trinkwasser sowie Nutzwasser für Haushalt und Sonstiges. Sorgfältig beobachten die Experten nach wie vor den Nitratgehalt im Wasser, denn dieses häufig als Düngemittel verwendete Salz der Salpetersäure birgt gesundheitliche Risiken. Seit 1992 hat es hier jedoch eine deutliche Verbesserung der Wasserreinheit gegeben.

Absenkung der Nitratwerte

"Nach Untersuchungen wurden die Nitratwerte auf 30 bis 25 mg pro Liter gesenkt", so Schulte-Hermann. "Ein weiterer Rückgang ist kaum vollziehbar, weil die Düngung in der Landwirtschaft unerlässlich ist. Wo noch alte Hausbrunnen vorhanden sind, wird die Höhe der Nitratwerte um ein Vielfaches überschritten."
Auch der Leiter des Instituts für Umwelt-Toxikologie, Prof. Dr. Siegfried Knasmüller, betont, dass "es hier um eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Nitrat geht". "Früher gab es in der Landwirtschaft eine so genannte Fruchtfolge, heute muss der Boden permanent bestellt werden", erklärt Prof. Dr. Christian Vutuc, Leiter der Abteilung für Epidemiologie desselben Instituts.

Beispiel Mitterndorfer Senke

Über die langwierigen, exakten Untersuchungen der Wasserqualität in einem Risikogebiet wie der Mitterndorfer Senke kann Knasmüller nach über 1.200 Untersuchungen in einem Zeitraum von drei Jahren Positives berichten: "Hunderte chemischer Einzelanalysen haben zwar geringfügige Belastungen zutage gefördert, zum Beispiel mit Bakterien. Ungewöhnlich hohe Nitratwerte waren aber nicht festzustellen, so dass sich insgesamt keine gesundheitlichen Bedenken ergeben."

Zufriedenstellende Ergebnisse brachten auch Vergleiche des Arsengehalts im Wasser verschiedener Regionen. "Sogar im Bereich unserer Zentralalpen ist der Arsengehalt im internationalen Vergleich gering", so Knasmüller. In Taiwan beispielsweise habe es damit Probleme gegeben. Dort konnte eine höhere Rate von Tumorerkrankungen, vor allem Basaliome, in Verbindung mit der Wasserqualität festgestellt werden. In China traten vermehrt ösophagiale Karzinome infolge zu hoher Nitratbelastung auf. In unseren Breiten wird mittlerweile die Krebshäufigkeit durch höhere Gaben von Vitamin C oder auch E gemindert. "Selbst in Belas- tungsgebieten erbrachten Studien diese Ergebnisse", so die Experten übereinstimmend.

Problem Hausbrunnen

Sorgen bereitet den Umweltmedizinern jenes Wasser, das noch aus Hausbrunnen genommen wird. Deshalb sei zu begrüßen, wenn ländliche Bereiche zunehmend an die Kanalisation angeschlossen und die Anwendung von Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln erheblich gedrosselt werde. Frühere Praktiken, zum Beispiel das Pflanzenwachstum an Bahndämmen mit chemischen Mitteln zu bekämpfen, seien "zum Glück heute obsolet".

Das Resümee der Experten fällt grundsätzlich positiv aus: "Unser Wasser aus den Hochquellleitungen hat eine besonders hohe Qualität." Das war nicht immer so: Noch Ende des 19. Jahrhunderts verteilten die "Wasserer" - das waren Männer mit einem roten Halstuch - das kostbare Nass in den Straßen Wiens literweise für ein so genanntes "Aufgeld". Auftretende Seuchen bewiesen allerdings dessen schlechte Qualität. Heute sind Experten am Werk, die nach wissenschaftlich fundierten Messungen der Grundwasserbeschaffenheit feststellen können: "In Österreich wird Wasser, vor allem auch Oberflächenwasser, hinsichtlich genschädigender und krebsauslösender Substanzen kontinuierlich geprüft. Dabei sind wir nur geringfügig fündig geworden." Dennoch sollte in Zukunft das Bewusstsein für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Wasser öfter eingefordert werden.

Chris Stadtländer, Ärzte Woche 27/2000

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