zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. August 2005

Ein Reizgas gerät in Vergessenheit

Viele Jahre lang hieß es, dass dank der Einführung des Katalysators Stickstoffdioxid in Zukunft kein Problem mehr darstellen werde. Durch den zunehmenden Kfz-Verkehr sowie die zahlreichen Dieselfahrzeuge auf unseren Straßen haben sich diese Hoffnungen jedoch zum Großteil zerschlagen. Nach wie vor erreichen die Stickstoffdioxid-Konzentrationen in innerstädtischen Bereichen und an viel befahrenen Straßen gesundheitsgefährdende Höhen.
Auch in Fahrzeuginnenräumen können hohe Belastungen auftreten. In Wohnungen spielen im Hinblick auf die Stickstoffdioxid-Konzentration Gasherde ohne Abzug eine bedeutende Rolle. Auch Tabakrauch, Kerosin-Heizgeräte oder Kerzen stellen wichtige Stickstoffdioxid-Innenraumquellen dar.

Hauptwirkung in der Lungenperipherie

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein hochreaktives Molekül, das seine Hauptwirkung in der Lungenperipherie entfaltet. Es wirkt einerseits als Oxidationsmittel, andererseits - bei Kontakt mit Wasser - auch als Säure. Asthmatiker reagieren auf NO2 besonders empfindlich. Darüber hinaus führt das Reizgas zu einer Erhöhung der bronchialen Reagibilität gegenüber Bronchokonstriktoren oder Kaltluft.
"Bei Kindern bewirkt Stickstoffdioxid eine Zunahme von Atemwegserkrankungen", so das "Handbuch für Umweltmedizin". Ob NO2 auch Asthma verursachen kann, ist umstritten. Weiters gibt es Hinweise darauf, dass NO2 die respiratorische und kardiovaskuläre Mortalität der Bevölkerung beeinflusst.

Irreversible Veränderungen bei Tieren

Tierexperimentelle Untersuchungen haben ergeben, dass eine länger andauernde Exposition gegenüber deutlich erhöhten NO2-Konzentrationen zu zum Teil irreversiblen Veränderungen des Lungengewebes führen kann. Die in diesen Studien eingesetzten Konzentrationen lagen allerdings rund zehnmal höher als die in Wohnungen gemessenen Belastungen. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht direkt auf den Menschen übertragen. Generell sind im Hinblick auf die Wirkungen von Stickstoffdioxid noch viele Fragen offen. "Das Hauptproblem bei epidemiologischen Studien besteht dabei darin, dass es schwierig ist, gesundheitliche Effekte der Außenluftverunreinigung eindeutig NO2 zuzuordnen", heißt es dazu im "Handbuch der Umweltmedizin". Auf jeden Fall gilt NO2 aber als guter Indikator für Kfz-bedingte Schadstoff-Cocktails. Im österreichischen Immissionsschutzgesetz-Luft findet sich lediglich ein Kurzzeit-Grenzwert für Stickstoffdioxid. Er beträgt 0,2 Milligramm pro Kubikmeter (Halbstundenmittelwert) und wird nur selten überschritten. Hingegen liegen etwa Tages- oder Jahresmittelwerte nicht selten über den aus gesundheitlicher Sicht anzustrebenden Konzentrationen.

Gefahr für Asthmatiker und Kinder

Als besonders gefährdet gelten vor allem Asthmatiker und Kinder. Sie sollten sich keinen hohen NO2-Belastungen aussetzen. Deutliche Verringerungen der NO2-Konzentrationen in Österreich (und damit auch der sommerlichen Ozonbelastung) wären nur durch Strategien, die zu einer Verringerung des Autoverkehrs führen, möglich. Solche Maßnahmen sind aber nicht in Sicht.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben