zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. August 2005

WHO-Quecksilber-Grenzwerte zu hoch

Geringere Quecksilberkonzentrationen als bisher angenommen können die Funktion des Mutterkuchens beeinträchtigen. Das haben Mediziner der Universitäts-Frauenklinik Jena bei Laborversuchen mit lebendem Plazentagewebe festgestellt, dessen Lebensfunktionen nach der Geburt über mehrere Stunden künstlich aufrecht erhalten wurden.

Bereits eine Quecksilberkonzentration von 30 Mikrogramm pro Liter Blut beeinträchtigte die Hormonproduktion und den Stoffwechsel des Mutterkuchens erheblich. In den Versuchen überwand das Schwermetall auch die Plazentaschranke, so dass es in den Kreislauf des Fötus hätte gelangen können. Üblicherweise finden sich in entwickelten Industrieländern Quecksilberkonzentrationen von drei bis zehn Mikrogramm im Blut werdender Mütter. In stark umweltbelasteten Regionen oder bei berufsspezifischer Belastung können diese Werte jedoch deutlich höher liegen. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte liegen indes bei 50 Mikrogramm.

"Wir haben aufgrund unserer In-vitro-Versuche nun ernstzunehmende Hinweise darauf, dass Konzentrationen unter diesen Grenzwerten nicht unbedenklich sind", erklärt Ekkehard Schleußner von der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Quecksilber wirkt vor allem schädlich auf das sich entwickelnde Nervensystem, nach schweren Chemieunfällen kann es auch zu Fehlgeburten oder Missbildungen der Neugeborenen kommen. Schleußner "Auch internationale epidemiologische Studien lassen die derzeitigen Richtlinien über die Exposition von Schwermetallen und giftigen Substanzen als zu hoch erscheinen."

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben