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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Quarzstaub und irritierte Friseure

"Quarz alt - Quarz neu" lautete eines der Hauptthemen beim 21. Workshop Lunge-Umwelt-Arbeitsmedizin Anfang März in Linz. Die Formulierung bezog sich darauf, dass Quarzstaub seit kurzem nicht nur als fibrogener, sondern auch als kanzerogener Schadstoff gilt. Die neue, nicht unumstrittene Einstufung erfolgte 1999 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und beruht auf tierexperimentellen und epidemiologischen Studien sowie auf Überlegungen zum Pathomechanismus.

Vorher hieß es in den Lehrbüchern, dass Quarzstaub das Krebsrisiko nicht erhöht, sich aber im Narbengewebe der Quarzstaublunge ein Karzinom entwickeln kann. Für den Bochumer Pathologen Prof. Dr. K.-M. Müller ist das ein "Unsinn". "Innerhalb einer silikotischen Schwiele kann kein Narbenkrebs entstehen, weil es dort keine epithelialen Strukturen mehr gibt", so Müller beim Workshop. Quarzstaub wirkt nicht direkt gentoxisch. Vielmehr zerstört er die Makrophagen und führt zu einer chronischen Reizung des Epithels. Diese Vorgänge dürften bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle spielen.

Sehr interessant waren in Linz auch wieder die freien Vorträge. So berichtete Dr. G. Becher, Forschungsgesellschaft für Lungen- und Thoraxerkrankungen, Biomedizinischer Forschungscampus Berlin, über die "Diagnostik aus dem Atemkondensat". Wie Becher sagte, könne man im Atemkondensat mehr als 300 Verbindungen nachweisen, z.B. Leukotrien B4 (LTB4), das als Entzündungsparameter gelte. Der Experte: "In einer eigenen Studie konnten wir zeigen, dass bei Friseuren und Friseurinnen die LTB4-Spiegel signifikant höher als bei im Büro tätigen Personen waren. Dies ist auf die - geringen - irritativen Belastungen der Atemwege durch die im Frisiersalon verwendeten Chemikalien zurückzuführen." Auch bei Transplantierten finden sich hohe LTB4-Werte. Becher: "Derzeit gibt es noch Probleme mit der Standardisierung der Untersuchung, möglicherweise wird das Atemkondensat aber in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Unter anderem könnte ich mir vorstellen, dass es für die Früherkennung von Tumoren eingesetzt wird."

In einem anderen Referat beschäftigte sich Prof. Dr. Manfred Neuberger, Institut für Umwelthygiene der Universität Wien, mit der Partikelproblematik, einem Thema, das beim Linzer Workshop traditionellerweise eine bedeutende Rolle spielt. Der Umwelthygieniker berichtete über erste Teilergebnisse des AUPHEP (Austrian Project on Health Effects of Particulates). "In Zusammenarbeit mit der Wiener Kinderklinik konnten wir nachweisen, dass bei Kindergartenkindern ein Anstieg der feinen Staubpartikel (PM 1) zu einer Zunahme der Obstruktion führt", so Neuberger.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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