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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Ozon ist immer noch ein Problem

In den letzten Jahren war Ozon praktisch kein Thema mehr. Manche Ärztezeitungen behaupteten sogar, dass eigentlich nur Umweltschutzgruppierungen vor dem Reizgas gewarnt hätten. Ärzte hätten dazu geschwiegen, es wäre aber ihre Aufgabe gewesen, sich zu Wort zu melden und auf die Harmlosigkeit(?) von Ozon hinzuweisen.

Extreme Reaktionsbereitschaft

Ozon ist eines der stärksten Oxidationsmittel, seine biologische Wirkung wird durch eine extreme Reaktionsbereitschaft geprägt. Generell erscheinen nach wie vor jedes Jahr zahlreiche Studien, die sich mit den gesundheitlichen Effekten von Ozon beschäftigen. Beispielsweise wurde vor kurzem im "American Journal of Epidemiology" (2001, 153, 444-452) eine Arbeit veröffentlicht, die auf den Zusammenhang zwischen der Ozonbelastung in Toronto und Atemwegsproblemen von Kindern im Alter unter zwei Jahren aufmerksam machte.

Weiters belegen viel beachtete Studien österreichischer Wissenschafter, dass Sommer-Ozon das Lungenwachstum von Kindern negativ beinflusst. Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft wird Ozon sogar als krebsverdächtig angesehen. Viele Medien beschäftigen sich nur dann mit der Ozon-Problematik, wenn an sonnigen Sommertagen (oder auch schon im Frühjahr) die Konzentrationen so hoch werden, dass die Vorwarnstufe erreicht wird.

DI Dr. Hans-Peter Hutter, Institut für Umwelthygiene der Universität Wien: "Dabei geht die Tatsache unter, dass an vielen Tagen des Jahres die Konzentrationen zwar unter der Vorwarnstufe, aber über dem Zielwert für den dauerhaften Gesundheitsschutz der Bevölkerung liegen." Dieser beträgt 0,11 Milligramm/m3 (8-Stunden-Mittelwert). Anscheinend habe der Schutz der Bevölkerung aber keine sonderlich große Bedeutung, da die häufige Überschreitung dieses Wertes praktisch ohne Konsequenzen bleibt, so der Experte.

Hutter: "Man sollte auch nicht vergessen, dass Ozon bereits in relativ niedrigen Konzentrationen bei Kulturpflanzen große Schäden anrichtet. Insbesondere bei Weizen ist bei lang anhaltender Ozonbelastung mit hohen Ertragsverlusten zu rechnen. Darüber hinaus schädigt Ozon auch den für viele Siedlungen so wichtigen Schutzwald." Wie etwa dem Standard-Nachschlagewerk "Handbuch der Umweltmedizin" zu entnehmen ist, sind es vor allem Emissionen aus dem Kfz-Verkehr (Stickoxide und flüchtige Kohlenwasserstoffe), die den entscheidenden Beitrag zum Sommersmog liefern.

Keine Entspannung der Situation in Sicht

Nur durch eine deutliche Reduktion dieser Abgase könnte es gelingen, die negativen Auswirkungen von Ozon zu reduzieren. Da die Politik aber weiterhin den Kfz-Verkehr fördert, ist mit keiner Entspannung der Situation zu rechnen.
Die Vorwarnstufe wird (grob gesagt) dann ausgerufen, wenn der 3-Stunden-Mittelwert 0,2 Milligramm/m3 überschritten wird. Oft wird sie nur ganz knapp verfehlt. Behördenvertreter werden deshalb immer wieder verdächtigt, mit verschiedenen Tricks zu arbeiten, um die Vorwarnstufe nicht auslösen zu müssen. Bei Ozon-Konzentrationen in dieser Höhe sollten gefährdete Personen (Empfindliche, Kranke) ungewohnte und starke Anstrengungen im Freien, insbesondere in den Mittags- und Nachmittagsstunden, vermeiden.

Mit 0,3 Milligramm/m3 liegt die Warnstufe I in einer Höhe, die nicht erreicht wird. Laut Ozongesetz sind bei Warnstufe I die Emissionen der Ozon-Vorläufersubstanzen (aus Verkehr, Industrie etc.) zu reduzieren. "Das wäre sicher keine einfache Sache; zum Beispiel müsste der Landeshauptmann Großemittenten zunächst einmal einen Bescheid zustellen", erläutert Hutter.

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