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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Sarkome und Lymphome durch Müllofen?

Das Scheitern der Müllvermeidung und neue gesetzliche Regelungen lassen erwarten, dass in Österreich die Zahl der Müllverbrennungs-Anlagen stark zunehmen wird. Solche Anlagen sind nach Ansicht mancher Umweltmediziner aber nicht unproblematisch. Hinweise darauf, dass speziell Dioxinemissionen von älteren Müllöfen das Krebsrisiko erhöhen könnten, lieferte nun eine französische Studie, über die in der ÄRZTE WOCHE bereits berichtet wurde.

Wie die Forscher im "American Journal of Epidemiology" (152, 2000, 13-19) schreiben, stellten sie mit Hilfe des Krebsregisters fest, dass in der Umgebung einer seit 1971 in Betrieb befindlichen Müllverbrennungs-Anlage gehäuft Weichteilsarkome und Non-Hodgkin- Lymphome auftraten. So wie viele Altanlagen in Frankreich war auch dieser Müllofen in Besancon eine "Dioxinschleuder". Die Emissionen betrugen 16,3 ng/m3 und lagen damit erheblich über dem in der EU im Allgemeinen gültigen Grenzwert von 0,1 ng/m3. "Weichteilsarkome und Non-Hodgkin-Lymphome sind Tumorarten, die in der Literatur häufig mit einer Dioxinbelas- tung in Zusammenhang gebracht werden", so die Forscher.

Das Risiko für Weichteilsarkome war um 44% erhöht (45 beobachtete gegenüber 31 erwarteten Fällen im Zeitraum von 1980 bis 1995), das für Non-Hodgkin- Lymphome um 27% (286 beobachtete gegenüber 225 erwarteten Fällen). Bei der Analyse des Krebsregisters dienten Hodgkin- Lymphome als "Kontroll-Krebs", da hier eine Verbindung mit Dioxinen weniger wahrscheinlich ist. "Tatsächlich stellten wir in der Umgebung der Anlage keine Häufung fest", berichteten die Forscher, die dennoch zu einer vorsichtigen Interpretation ihrer Untersuchung rieten. Sie schlugen vor, zur Bestätigung der Ergebnisse eine Fall-Kontroll-Studie mit genauer Bestimmung der Dioxinbelastung durchzuführen.

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