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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Klimaveränderungen in Österreich

Zur Bewertung der Klimaveränderung in Österreich verfügt die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMAG) über einen multiple homogenisierten Klimadatensatz, der die gesamte Klimavariabilität in unserem Land seit 1767 beschreibt. Darunter fallen Lufttemperatur oder Niederschlag, Klimaelemente - Sonnenscheindauer, Luftfeuchtigkeit mit ihren jahreszeitlichen Variationen - auch im Hinblick auf regional sowie vertikal unterschiedliche Klimaentwicklungen.
Vor einem Jahr, im Oktober 2001, wurden erstaunliche Rekord-Wärmegrade auffällig: bis zu 27,8 Grad in St. Pölten. Parallelen dazu gibt es lediglich aus den Jahren 1795 vom Stift Kremsmünster und 1885 aus Innsbruck. Allerdings bestanden damals weder in Eisenstadt, noch in Bregenz eigene Wetterstationen, so dass von dort Aufzeichnungen aus dieser Zeit fehlen. Trotz dieser damaligen Ausnahmewerte lassen sich Klimaveränderungen auch für unser Land eindeutig nachweisen.

Frühe Warnungen

Hier können erste Wahrnehmungen, wie etwa die des schwedischen Naturforschers Svante Arrhenius, mit einbezogen werden, der bereits um 1900 die Erwartung aussprach, "dass der O2-Gehalt der Atmosphäre ein wichtiger Faktor der Regulierung des globalen Klimas ist, sowie die industrielle Entwicklung über den massiven Gebrauch fossiler Energiequellen (zunächst Kohle, später auch Erdöl und Erdgas) den natürlichen Anteil dieses Spurengases in der Atmosphäre ansteigen lässt und eine globale Erwärmung auslösen könnte."

Zu seiner Zeit reagierten Experten auf die Ausführungen von Arrhenius eher abwartend, dann aber kam die (nachträgliche) Erkenntnis: Seit zwei Jahrzehnten haben sich die meteorologisch-klimatischen Bedingungen dramatisch geändert! Fast überall auf der Erde ist ein deutliches Ansteigen der Temperaturen zu registrieren. Für den Laien ergibt sich ein zunächst verwirrendes Bild. Selbst Klimatologen sehen sich einer beträchtlichen Zahl von bewussten und unbewussten Desinformationen gegenüber.

Bunte Palette

Im Gespräch mit dem Leiter der Klimaabteilung der Hohen Warte, Dr. Ernest Rudel, ergibt sich das bunte Bild klimatischer Einflüsse in den einzelnen Bundesländern unseres Landes. "Gegenwärtig im Herbst dominiert nasskaltes Wetter in den hochalpinen Gebieten, während im Süd-Alpenbereich um diese Zeit des Herbstes nur feucht-kaltes Wetter herrscht. In Teilen der inneralpinen Gebiete haben wir es trocken-kalt. Dafür registrieren wir dort weniger Niederschläge. Im Osten unseres Landes haben wir ein eher trocken-kontinentales Klima! Das heißt, die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten Sommer und Winter sind hoch. Dagegen herrscht in den voralpinen Gebieten West-Österreichs, die tiefer liegen, ein ozeanisch beeinflusstes, daher ein eher trocken-kontinentales Klima. Wir haben im Osten unseres Landes Jahresmitteltemperaturen von etwa 11 Grad, im hochalpinen Bereich dagegen solche von mindestens 6 Grad. Wie groß die Temperaturskala der Jahresmitteltemperaturen auseinanderklafft, zeigt sich klar: Sie reicht von 12 Grad plus bis minus 10 Grad. Schließlich sind die Höhenunterschiede bei uns gravierend: von 115 m Tiefe im Seewinkel bis zur Höhe von 3.798 m am Großglockner."

Mediterranes Klima

Während die Schweiz ähnliche Klimaverhältnisse aufweist, jedoch näher am Atlantik liegt, herrschen dort im Durchschnitt kältere Temperaturen. Ausnahmen wie das Tessin entstehen durch die Nähe zur Po-Ebene. "Bei uns muss man mit dem Ausdruck ,mediterran? vorsichtig sein", betont Dr. Rudel, "weil etwa in Teilen Kärntens und der SO-Steiermark Wintertemperaturen sehr tief sein können. In Kärnten haben wir hohe Sommertemperaturen, sie sinken aber im Winter sehr tief."

Im Burgenland herrschen hohe Sommertemperaturen, bei großer Trockenheit. "Um mediterran zu sein, sind die Wintertemperaturen hier zu tief", so Dr. Rudel. Um zu resümieren: "Das wärmste Klima unseres Landes finden wir eindeutig innerhalb der Stadtgrenzen Wiens. Und dies dank der vielen Heizungen und der Bebauung. Das trifft für andere Städte wie etwa Graz in diesem Maße nicht zu!"

Günstig für Klimatherapien

Im Überblick auf unser österreichisches Klima stellt Dr. Rudel fest: "Wir haben günstige Voraussetzungen für Klimatherapien. In sehr vielen Gebieten herrschen Bedingungen, die die Regeneration vorantreiben. Auch bei großer Hitze kommt es hier nachts zur Abkühlung - ein Plus für Kranke und ältere Menschen."

Chris Stadtländer, Ärzte Woche 37/2002

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