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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Frühchen nehmen hohe Dosen Weichmacher auf

In den letzten Monaten wurde vermehrt über das Thema "PVC im medizinischen Bereich" diskutiert. Anlass dafür war eine deutsche Studie, die sich mit dem Herauslösen von Weichmachern aus PVC- Infusionsschläuchen bei der künstlichen Ernährung Neugeborener beschäftigte. Studienautor Dr. Stefan Loff, Kinderchirurgische Universitätsklinik Mannheim: "Unter den Bedingungen, wie sie auf Neugeborenen-Intensivstationen herrschen, geben die Infusionssysteme große Mengen an DEHP (Diethylhexylphthalat) an Infusionslösungen, Medikamente und Blutprodukte ab. Dieses Problem wurde anscheinend unterschätzt." Bisher wurde angenommen, dass sich die höchsten Belastungen mit DEHP bei Dialysepatienten finden. Die Systeme geben ungefähr 100 Milligramm DEHP während einer Sitzung ab, dies sind umgerechnet 1,5 mg/kg KG am Dialysetag. Bei der künstlichen Ernährung Frühgeborener beträgt die Dosis an DEHP jeden Tag mindestens 10 Milligramm, kann aber leicht auf das Doppelte ansteigen. Auf zwei Kilogramm Körpergewicht umgerechnet ergeben sich zumindest 5 mg/kg KG. Loff: "Die aus dem PVC gelösten Weichmacher treffen Früh- und Neugeborene besonders stark. Ihre Organe sind noch in Ausreifung begriffen und deshalb besonders anfällig gegenüber Noxen jeglicher Art. Insbesondere die Leber kann ihre Entgiftungsfunktion noch nicht ausreichend wahrnehmen."

Generell gibt es laut Loff viele tierexperimentelle und klinische Hinweise auf eine Wirksamkeit von DEHP im Organismus. Diskutiert werden etwa Leberfehlfunktionen, Schädigung der Gonaden, toxische Wirkungen auf den Herzmuskel und Nierenschädigung. Loff hält es für durchaus möglich, dass dermaßen hohe Dosen an DEHP, wie sie künstlich ernährte Neugeborene aufnehmen, Effekte haben. Er meint, dass die Weichmacher mit der hepatobiliären Dysfunktion bei Frühgeborenen, die lange Zeit parenteral ernährt werden, zu tun haben. Ob dies tatsächlich zutrifft, soll in weiteren Studien geklärt werden.

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