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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Bürgerlärm gegen Fluglärm

Lärm - vor allem Verkehrslärm - stellt heute ein gravierendes Umwelt- und Gesundheitsproblem dar. In der EU sind mehr als ein Viertel der Bevölkerung gesundheitsgefährdenden Lärmpegeln über 65 Dezibel ausgesetzt. Auf diese Entwicklung sollte der internationale "Tag gegen Lärm" am 25. April aufmerksam machen, der zum sechsten Mal stattfand.

Lärmbelastung erhöht das Herzinfarktrisiko

Dank des Engagements der Bürgerinitiative "Bürgerlärm gegen Fluglärm" (mit Sitz in Zwölfaxing bei Schwechat) wurde der "Tag gegen Lärm" heuer erstmals auch in Österreich ausgerufen. Die Initiative veranstaltete eine Pressekonferenz in Wien und eine Informationsveranstaltung im Zentrum von Schwechat. Um 14.15 Uhr sollte dabei für 15 Sekunden Ruhe herrschen. Die Aktivitäten der Bürgerinitiative wurden unter anderem von der Österreichischen Arge Arbeitsmedizin unterstützt. "Chronische Lärmbelastung überfordert die Adaption des Menschen und erhöht das Herzinfarktrisiko", sagte Prof. Mag. DDr. Engelbert Hartter, Biochemiker und Arbeitsmediziner, im Rahmen der Pressekonferenz. "Es wäre daher Aufgabe der Politik, am Arbeitsplatz und im Umweltbereich menschengerechte Verhältnisse zu schaffen."

Hartter hat aber den Eindruck, "dass den Menschen zugemutet wird, alles auszuhalten". Prävention gelte als unwichtig, während der Aufwand für die Reparaturmedizin immer größer werde. "Leider sind die Kliniker auch nicht immer ehrlich: Sie tun so, als ob ein Patient mit dem fünften Bypass wieder gesund ist. Das trifft aber nicht zu", kritisiert der Arbeitsmediziner. Über die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm hat die ÄRZTE WOCHE bereits mehrmals berichtet. "Alarmierend finde ich zum Beispiel, dass Kinder, die in der Nähe des Münchner Flughafens wohnen, bei Lese- und Gedächtnistests schlechter abschneiden", so der Soziologe Mag. Dr. Wolfgang Dür, Aktivist bei "Bürgerlärm gegen Fluglärm".

Nicht nur in der direkten Umgebung des Flughafens Schwechat, auch in Wien leiden immer mehr Menschen unter dem zunehmenden Flugverkehr. Die Chancen für eine Verbesserung der Situation stehen schlecht, da der Flughafen weiter expandieren möchte und den Bau einer dritten Piste plant. Während man im letzten Jahr knapp 190.000 Flugbewegungen zählte, erlauben drei Pisten laut TU Wien bis zu 460.000 Flugbewegungen pro Jahr. Immerhin beteiligt sich der Flughafen an einem Mediationsverfahren, um im Konflikt mit den Anrainern zu einer Lösung zu kommen.

Reduzierung von Nachtflügen

"Wichtig wäre zweifellos ein Verbot beziehungsweise eine Reduzierung von Nachtflügen", so Hon.Prof. DI Dr. Judith Lang vom Österreichischen Arbeitsring für Lärmbekämpfung. Darüber hinaus sollten in den Abend- und Nachtstunden nur besonders leise Flugzeuge, beispielsweise Airbusse, zum Einsatz kommen. Dies könnte durch Verkehrsverbote für laute Flugzeuge oder entsprechende Anreize wie niedrigere Landegebühren für leisere Maschinen erreicht werden.

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