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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Dieselboom belastet die Umwelt

Seit vielen Jahren weisen Umweltmediziner auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Dieselabgasen hin. Gebracht hat es wenig: Moderne Dieselfahrzeuge rußen zwar nicht mehr, stoßen aber weiterhin große Mengen an feinen Partikeln aus. Hinzu kommt, dass in Österreich bereits zwei Drittel der Neuwagen mit Dieselmotoren betrieben werden.

"Die Situation kann durchaus als katastrophal bezeichnet werden", so Dr. Gerd Oberfeld, Umweltmedizin-Referent der Ärztekammer. 
Speziell im innerstädtischen Bereich stellen Dieselautos ein großes Problem dar. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass die Grenzwerte für Feinstaub (PM10) nicht eingehalten werden können und die Gesundheit der Bevölkerung bedroht ist (erhöhtes Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Auch die Autofahrer selbst sind gefährdet. Studien belegen etwa, dass Berufskraftfahrer ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Da immer mehr Dieselautos auf den Straßen unterwegs sind, müssen Kfz-Lenker viel häufiger als früher Dieselabgase (des Vordermannes) inhalieren. "Daran wird praktisch nicht gedacht", so Oberfeld. 

Bisher wurde nicht reagiert

"Umwelt- und Gesundheitspolitik müssen endlich reagieren", fordert der Experte. Bisher sei trotz der zahlreich vorhandenen Daten über die durch Dieselabgase hervorgerufenen Gesundheitsschäden nichts geschehen. 
Sehr bedenklich findet Oberfeld auch, "wie stark sich die österreichische Bevölkerung durch die Werbung, die Dieselautos extrem positiv darstellt, manipulieren lässt". In keinem Land der EU ist der Prozentsatz an Diesel-Pkw so hoch wie in Österreich. 
DI Dr. Hans-Peter Hutter von den ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt: "Mich wundert, dass auch viele Ärzte mit Dieselautos in der Stadt unterwegs sind. Dies erscheint mir etwa im Hinblick auf die Vorbildwirkung von Medizinern sehr problematisch."

Diesel muss teurer werden 

Für Dipl.-Ing. Wolfgang Rauh vom VCÖ ist es "angesichts der Tatsachen unverständlich, dass Österreich Dieselautos steuerlich begünstigt." Rauh: "Dieseltreibstoff sollte - so wie in der Schweiz - mehr kosten als Benzin. In der Schweiz wurde dadurch der Anteil von Diesel-Pkw niedrig gehalten." 
Sogar der ÖAMTC, der sonst immer die Gesundheitsrisiken des Kfz-Verkehrs verharmlost, appellierte kürzlich an die Autohersteller, "moderne Abgasreinigungs-Technologien wie zum Beispiel Partikelfilter so rasch wie möglich serienmäßig in alle Dieselfahrzeuge einzubauen und nicht erst auf strengere Abgasnormen der EU mit zum Teil jahrelangen Vorlaufzeiten zu warten".

Auch das deutsche Umweltbundesamt erklärte, dass der Partikelfilter für Diesel-Pkw die Bewährungsprobe bestanden habe, wie die Ergebnisse eines Langzeittests (mit dem Peugeot 607 HDI) zeigten. Sehr wichtig sei auch, so das Umweltbundesamt weiter, dass Lkw und andere Nutzfahrzeuge mit Dieselmotor ebenfalls schnellstmöglich mit einem Filter oder einer vergleichbaren Technik ausgestattet werden. 

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