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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Ärzte beziehen offensiv Stellung gegen Atomlobby

Tschernobyl und Temelin sind Themen, die viele Ärzte beschäftigen. Die "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" und OMEGA (Österreichische MedizinerInnen gegen Gewalt und Atomgefahren) veranstalteten daher anlässlich des 15. Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl gemeinsam mit dem Ökologie-Institut eine Pressekonferenz.

OA Dr. Georg Mann, St. Anna Kinderspital: "Der Reaktorunfall hatte sogar in Griechenland Auswirkungen: Aus einer Region mit erhöhter Strahlenbelastung wurde über eine Zunahme von Leukämien bei Säuglingen berichtet. Bei dieser Altersgruppe ist die Prognose besonders ungünstig. Ich halte es auch für möglich, dass das ,dicke Ende? noch kommt und viele Krebserkrankungen erst 20 bis 30 Jahre nach dem Unfall auftreten."

Dr. Ferdinand Weinschenk, Arzt für Allgemeinmedizin im Weinviertel und Vorstandsmitglied bei den ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, kritisierte die "betulichen Scheinaktivitäten" der Zivilschutzverbände. "Damit nützt man nur der Atomlobby, weil suggeriert wird, dass gegen eine Atomkatastrophe etwas unternommen werden kann. Meinen Patienten muss ich aber ganz klar sagen, dass wir Ärzte außer den läppischen Kaliumjodidtabletten im Ernstfall nichts anzubieten haben."

Unter Experten herrsche weitgehend Einigkeit, so Ing. Antonia Wenisch vom Österreichischen Ökologie-Institut, dass Klimaschutzziele am besten durch erhöhte Energieeffizienz und verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und nicht durch Atomkraft erreicht werden. Sogar die frühere tschechische Regierung habe dies ähnlich gesehen. "Zivile und militärische Nutzung der Atomkraft sind historisch und technologisch eng miteinander verzahnt", erklärte Dr. Klaus Renoldner, Österreichische MedizinerInnen gegen Gewalt und Atomgefahren.

Er erinnerte an die ethische Verpflichtung von Ärzten, sich für ein Nuklearwaffenverbot einzusetzen sowie an die Tatsache, dass nach wie vor in zahlreichen europäischen Staaten Atomwaffen stationiert sind.
Einen originellen Vorschlag machten abschließend die Ärztinnen für ein gesunde Umwelt: Die österreichische Regierung möge Temelin einfach kaufen, dies sei finanziell durchaus machbar.

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