zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. August 2005

Fragen Sie, ob Ihre Patienten gut schlafen!

München. Zu jeder Routineanamnese sollte unabhängig vom Anlass des Arztbesuches immer auch die Frage nach der Schlafqualität gehören. Denn von sich aus sprechen - vor allem jüngere - Patienten interventionsbedürftige Schlafprobleme zu selten an. Diese Forderung hat Professor Göran Hajak aus Regensburg bei der Vorstellung der bislang größten Schlafstörungsstudie NISAS (Nationwide Insomnia Screening and Awareness 2000 in München geäußert.

Einfache Schlafstörungen

Werden Schlafmittel verordnet, so sind das zumeist Phytotherapeutika, wie die Studie unter anderem ergeben hat. Zu den meisten Präparaten aus dieser Gruppe fehle jedoch ein sicherer Wirksamkeitsnachweis aus klinischen Untersuchungen, kritisierte der Schlafmediziner. Tipps zur verbesserten Schlafhygiene und einfach zu vermittelnde Einschlafhilfen wie Muskelentspannungsübungen, Phantasiereisen oder Atemzüge Zählen sind seiner Ansicht nach bei einfachen Schlafstörungen mindestens ebenso hilfreich wie fragwürdig wirksame Medikamente. Tipps zum besseren Schlaf fänden sich auch in guten Informationsbroschüren für Patienten. Zur Therapie von Patienten mit schwereren Insomnien empfiehlt Hajak bevorzugt die befristete Verordnung von Nicht-Benzodiazepin-Hypnotika, da sie ein geringeres Abhängigkeitspotenzial im Vergleich zu Benzodiazepinen hätten.

Angesichts der in der Studie festgestellten hohen Prävalenz von Schlafstörungen und vorhandener Defizite bei der Diagnostik und Therapie in der hausärztlichen Praxis forderte Hajak die Kollegen auf, stärker als bisher Fortbildungsangebote zum Thema Schlafstörungen wahrzunehmen. Zwar gaben die über 500 an der NISAS-Studie beteiligten Hausärzte in einer Vorbefragung an, in den letzten zwei Jahren durchschnittlich eine entsprechende Weiterbildung besucht zu haben. Aber die Ärzte beurteilten ihre Kompetenz zur Diagnostik und Therapie bei Schlafstörungen dennoch durchaus selbstkritisch.

Alarmsignal des Körpers

Grundsätzlich müssten wiederholt auftretende oder chronische Schlafstörungen auch als Alarmsignal für andere körperliche oder psychische Erkrankungen ernst genommen werden, ergänzte Studienleiter Professor Hans-Ulrich Wittchen aus Dresden. Zudem würden durch Schlafstörungen Wohlbefinden sowie berufliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Falls daher die Therapie eines Patienten mit Schlafstörung erfolglos bleibe, sollte ein Hausarzt sich nicht scheuen, den Patienten zur weiteren Diagnose und Therapie an Spezialeinrichtungen wie Schlafambulanzen zu überweisen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben