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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Wie man sich bettet ...

Schön wäre es, könnten wir alle den Internationalen Tag des Schlafes zur Gänze im Bett verbringen. Doch die Arbeitswelt ruft uns zur Ordnung - so wie schon in der antiken Welt alles seine fixe Ordnung hatte.
Ganze Heerscharen von Göttern und Göttinnen unterstützten Göttervater Zeus, den mediterranen Alltag halbwegs unter Kontrolle zu halten.
Für den Schlaf war Hypnos, Sohn der Nacht (Nyx), zuständig, der zusammen mit seinem Bruder Thanatos, dem personifizierten Tod, in der Unterwelt lebte. Ausgestattet mit göttlichen Gaben, ermöglichte er Endymion, mit offenen Augen zu schlafen, so dass er seine geliebte Selene, die Mondgöttin, bewundern konnte.
Auch der göttlichen Hera erwies Hypnos einen Gefallen: Er ließ Zeus in den Schlaf fallen, so dass der Göttervater nicht merkte, wie indes Hera Poseidon, den Gott des Meeres, um Hilfe bat.
Diese Intervention war ausschlaggebend für den Sieg der Griechen über die Trojaner. Hypnos gilt als Freund Apolls und der Musen, dargestellt wird er als kräftiger Jüngling mit Flügeln auf der Stirn, einem Mohnzweig und einem Schlummerhorn, aus dem er den Schlaf auf die Ruhenden niederträufelt. Seine Söhne Morpheus, Icelus und Phantastus schicken den Schlafenden Träume.

Hypnos und Somnus - die Schlafgottheiten

Hermes, weitläufig als Götterbote und Herold bekannt, war der zweite für Schlaf und Träume zuständige Gott. Mit seinem Stab konnte er als Vermittler zwischen Olymp und Unterwelt jeden einschläfern.
Das römische Äquivalent zu Hypnos, von dem sich die Hypnose ableitet, ist Somnus. Dieser Gott findet sich in der wissenschaftlichen Bezeichnung von Mohn (Papaver soniferum L. = Schlafmohn) wieder. Und damit wäre der Kreis zu Hypnos, der mit einem Mohnzweig dargestellt wird, wieder geschlossen.
Seit alters her sind Mohn, Opium und Morphium, das sich wiederum von Morpheus ableitet, mit Schlaf verbunden. Die Ägypter wussten schon 1.500 vor Christus um deren Wirkung Bescheid, die Assyrer schätzten Mohn, Griechen und Römer sowieso und Paracelsus führte Opium als Laudanum in die Medizin ein.
Wie verbreitet Mohn zur Ruhigstellung von Kindern auch bei uns war, ist einem "Circulare der k.k. Landesregierung im Erzherzogthume Österreich unter der Enns"vom 6. November 1813 "Betreffend den Gebrauch der Mohnköpfe"zu entnehmen. Hier liest man unter anderem:
"Es ist zwar schon unterm 1. Julius 1802 verbothen worden, daß Mütter, Wärterinnen, Ammen und Pflegeältern, den Absud der Mohnköpfe bey kranken Kindern als Heilmittel anwenden, denselben auch bey gesunden Kindern gebrauchen, um sie zur Ruhe zu bringen, und still zu erhalten."Doch scheinbar war dieses erste Verbot ohne Wirkung.

Wie man sich bettet ...

Dass in der antiken Götterwelt jede Menge Gottheiten für den Schlaf zuständig waren, unterstreicht dessen Bedeutung im Leben der Menschen - immerhin wendet man rund ein Drittel der gesamten Lebenszeit für den Schlaf auf.

So hat der Spruch "Wie man sich bettet, so liegt man"nicht nur metaphorische Bedeutung, sondern auch einen realen Hintergrund. Nicht umsonst wird in letzter Zeit viel von gesundem Schlaf, von Gesundheitsbetten usw. gesprochen. Das Schlagwort "Bio"hat längst auch bei Schlafstätten seine Bedeutung erlangt. Unübersehbar scheint heute das Angebot an Matratzen. Mit ein paar Tipps und Grundregeln findet dennoch jeder seine optimale Unterlage für die Nacht. Wichtige Voraussetzung ist die Formstabilität: Nach jeder Beanspruchung kehrt eine gute Matratze wieder in ihre ursprüngliche Form zurück.
Zweiter Punkt ist die Klimafunktion der Matratze. Sie hat im Wechselspiel zwischen Wärmehaltung und Feuchtigkeitsausgleich zu bestehen. Bei der Polsterung haben hier nur Naturmaterialien wie Baumwolle und Schafschurwolle gute Chancen.
Egal ob Federkern, Latex oder Schaumstoff - beim Kauf empfiehlt sich unbedingt Probeliegen. Matratzen testet man am besten am Morgen. Ein ausgeruhter Körper ist wählerischer und sensibler als ein müder. Aus hygienischen und bakteriologischen Gründen empfiehlt es sich, alle fünf bis acht Jahre neue Matratzen zu kaufen. Je neuer die Matratze, desto gesünder der Schlaf!

Vom richtigen Maß - das Bett

Ohne jetzt auf Bio- oder sonstige Betten einzugehen, ohne Wasseradern, Erdstrahlen zu erwähnen, weiß jeder, dass selbst im Schlaf ein gewisser Freiraum notwendig ist. Schließ- lich will man sich doch ausstrecken und entspannen, ohne gleich oben oder unten, links oder rechts anzustoßen. Wenn man davon ausgeht, dass während des Schlafes zum Beispiel die Lage 20 bis 60 Mal verändert wird, sollte eine Breite von 90 cm vorhanden sein. Der Kopf sollte stets freien Kontakt zum Schlafzimmer haben und nicht unter der Decke stecken. Das optimale Raumklima liegt zwischen 14 und 18 Grad, die relative Luftfeuchtigkeit während des Schlafens idealer Weise zwischen 50 und 60 Prozent. Zudem spielen die Himmelsrichtungen eine Rolle. Studien des Max Planck Instituts für Biochemie ergaben, das Leute mit dem Kopf nach Norden längere und erholsamere Tiefschlafphasen haben.

Mittags- und Büroschlaf

Oft belächelt und als Zeichen der Schwäche gewertet, wird der Mittagsschlaf in unseren Breiten nur Alten, Kranken und Kindern zugebilligt. Anders hingegen im mediterranen Raum, wo die Siesta fixer Bestandteil des Tagesablaufs ist.
Dabei sind Mittagsschläfer durchaus in prominenter Gesellschaft. Die amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, London B. Johnson, der britische Premierminister Winston Churchill, der griechische Reeder Onassis, der spanische Maler Salvador Dali - sie alle hielten täglich ein kurzes, aber intensives Mittagsschläfchen.
Arbeitsschutzexperten des Deutschen Gewerkschaftsbundes gingen vor Jahren sogar soweit, für jeden Arbeitnehmer täglich einen kurzen Mittagsschlaf zu fordern. Betriebe sollten angeregt werden, entsprechende Schlafmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung, dadurch die Produktivität der Arbeitnehmer zu steigern.

Thomas Hofmann, Ärzte Woche 11/2001

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