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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Workaholismus - eine heimliche Gefahr

1990 hat das japanische Arbeitsministerium bestätigt, dass Arbeitssucht zum Tod führen kann. Die Japaner bezeichnen diese Krankheit als "Karoshi" - Tod durch Überarbeitung, hauptsächlich an kardiovaskulären Erkrankungen. Das Krankheitsbild wird durch die kritische Situation am Arbeitsmarkt immer häufiger; die sozialen Berufe sind nicht ausgenommen - auch unter Medizinern gibt es viele, die Workaholiker sind. Ein "gesunder" Mensch sieht in der Arbeit eine Bereicherung des Lebens und eine Möglichkeit des Geldverdienstes, er hat Hobbys, unterhält soziale Kontakte und zwischenmenschliche Beziehungen und verfügt über weit gestreute Interessen.

Arbeit als Lebensinhalt

Workaholiker dagegen haben nur einen wahren Lebensinhalt: ihre Arbeit; sie bringen kein Interesse für andere Dinge und Menschen auf; häufig zeichnen sie sich durch überdurchschnittlichen Willen und Einsatzfähigkeit aus und entsprechen dem Idealbild der Führungskraft. Oft sind sie Vorbilder für ihre Kollegen. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Die Entwicklung der Arbeitssucht kann in mehrere Phasen eingeteilt werden:

  • In der Einleitungsphase kreisen alle Gedanken des Arbeitssuchtgefährdeten mehr und mehr um seine Arbeit; er beginnt heimlich zu arbeiten. Die Familie und andere soziale Beziehungen werden zunehmend vernachlässigt.
     
  • In der kritischen Phase entscheidet sich, ob Arbeit nur übertrieben wird oder ob schon eine Sucht entsteht. Der Süchtige sucht nach Ausreden für sein Zuviel-Arbeiten und wird unduldsam und aggressiv. Seine privaten Beziehungen sind gefährdet.
     
  • In der chronischen Phase zählt nur noch die Arbeit, sie gibt dem Arbeitssüchtigen die nötige Energie. Der Süchtige reißt durch falsch verstandenen Perfektionismus immer mehr Aufgaben an sich.
     
  • Die Endphase ist - bedingt durch krankhafte Folgeerscheinungen - durch einen massiven Knick der Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Workaholiker scheiden meist früh aus dem Betrieb aus oder sterben vorzeitig.

Arbeitssucht ist einer der Hauptgründe für partnerschaftliche und familiäre Zerrüttungen - sie lässt die betroffenen Menschen allmählich ihre persönliche Verantwortung verlieren und damit die Fähigkeit für menschliche Nähe sowie das Erkennen der Bedürfnisse der Mitmenschen.

Bis zur totalen Erschöpfung

Typische Zeichen sind auch ständiger Leistungsdruck, gefühlsmäßige Verkümmerung, Selbstbezogenheit usw. Körperliche Symptome äußern sich als periodische Anfälle von Müdigkeit bis zur totalen Entkräftung Diese Erschöpfung kann aber auch durch Hyperaktivität überdeckt werden. Meist brechen Workaholiker am Wochenende völlig zusammen und tun buchstäblich nichts. Auch sexuelle Störungen sind typisch.

Lösungsansätze liegen - nach "Krankheitseinsicht" des Betroffenen - vor allem in psychologischer/psychotherapeutischer Betreuung; Selbsthilfegruppen bieten Gespräch- und Kontaktmöglichkeiten.

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