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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Internet - die neue Droge

Österreich hat rund drei Millionen Internetbenützer. Davon weisen rund 30.000 einen problematischen Umgang mit diesem Medium auf.
Prim. Dr. Hans Zimmerl, Autor der ersten deutschsprachigen Studie über Internetsucht und Leiter der Ambulanz des Anton-Proksch-Instituts, definiert den Begriff Internetsucht folgendermaßen: "Internetsucht gilt als Synonym für exzessiven Gebrauch des Mediums. Die Symptome sind eine zwanghafte Fixierung auf das Internet sowie Kontrollverluste - zum Beispiel länger online zu sein, als man sich vornimmt. Dies führt zu einer Verarmung der Sozialkontakte, die bis zur Selbstisolierung führen kann." Die Arbeitsleistung wird eingeschränkt, vitale Bedürfnisse werden vernachlässigt: Die Internetsüchtigen schlafen und essen zu wenig.

Auch Abwehrmechanismen wie Verharmlosung des Umgangs mit dem Internet treten auf sowie Entzugssymptome wie Reizbarkeit oder Nervosität bei längerer Abwesenheit vom Internet. Ein weiteres Kriterium ist das Fortführen dieses Verhaltens trotz ersichtlicher Selbstschädigung beziehungsweise das Fehlschlagen von Einschränkungsversuchen.

Gefährdete Personen

Gefährdet sind vor allem Alleinstehende und Arbeitslose sowie Personen mit einer unsicher-unreif-gehemmten Persönlichkeitsstruktur und andererseits selbstverliebte Individuen mit sadistischen Impulsen: Erstere täuschen sich im virtuellen Raum über ihre Kontaktscheu hinweg. Zweitere sind vor allem am scheinbaren Machtgewinn interessiert.
Knapp zwei Drittel aller Internetabhängigen bewegen sich im Kommunikationsbereich, zum Beispiel in Chatrooms, viele sind Online-Spieler. Nur rund sieben Prozent surfen im World Wide Web. Zimmerl fordert Präventionsmaßnahmen: "Anbieter von Chatrooms und Online- Spielen sollten verpflichtet werden, auf ihren Startseiten deutliche Informationshinweise über die mögliche Suchtgefahr zu platzieren."
Die Internetsucht ist noch nirgends als Krankheit anerkannt. "Die Behandlung wird sich am Einzelfall zu orientieren haben und Sozialtherapie, Psychotherapie und auch Selbsthilfearbeit umfassen müssen", so Zimmerl.

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