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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Sucht: Verantwortliche Gehirnreaktionen identifiziert

Chicago. Ein Team amerikanischer und kanadischer Wissenschaftler hat die Gehirnregionen identifiziert, die für ein bestimmtes Suchtverhalten und Essstörungen verantwortlich sind. Mittels Positronenemissionstomografie (PET) wurde die Gehirnaktivität von Teilnehmern während des Essens von Schokolade gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass das individuelle Vergnügen beim Schokoladeverzehr in direktem Zusammenhang mit einer verstärkten Durchblutung bestimmter Gehirnregionen wie dem frontalen Kortex und dem Mittelhirn steht ("Brain").

Dana Small von der Northwestern University fand zusätzlich heraus, dass die durch den Schokoladegenuss aktivierten Gehirnregionen sich je nach Gefühl deutlich voneinander unterschieden: Wurde die Schokolade als Belohnung empfunden, fand eine Aktivierung in anderen Bereichen statt, als wenn bereits eine Übersättigung vorlag. Die Studie ist die erste, die die Gehirnaktivität als Reaktion auf wechselnde Gefühle bei der Einnahme eines so genannten primären Verstärkers untersucht. Ein primärer Verstärker wie Schokolade gilt als Reiz, der vom Menschen von Geburt an genossen und nicht erlernt wird. Suchtstoffe gelten allgemein als primäre Verstärker.

Fett und Zucker zählen ebenfalls zu den primären Verstärkern. Mit ihrem hohen Anteil an beiden Substanzen verfügt Schokolade über ein besonders großes Reizpotenzial. Einige Ernährungswissenschaftler vertreten sogar die Auffassung, dass Schokolade süchtig macht. 
Das Team gab den 15 Teilnehmern der Studie, die sich selbst als "Chocoholics" bezeichneten, zwischen 40 und 110 Gramm Schokolade, die sie langsam im Mund zergehen lassen sollten. Die Forscher maßen die Gehirnaktivität bei Erreichen der Sättigung und beim Weiteressen über diesen Punkt hinaus. Laut Small verwandelte sich die Schokolade dabei von einer Belohnung zu einer Bestrafung.

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