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Allgemeinmedizin 5. August 2005

Junge Trinker hören oft auf ihren Arzt

Waren es früher die Burschen, die dem Kampftrinken frönten, so haben die Mädchen mittlerweile gleichgezogen. Wenn jemand jung stirbt, ist oft Alkohol im Spiel. Ärztliche Interventionen haben Chancen auf Erfolg.

„Klar, Alkohol kann schädlich sein und süchtig machen, na und?“ Die 15-jährige Laura aus der Nähe von München findet nichts Schlimmes dabei, häufig auf Partys über den Durst zu trinken. Auch Lehrer merken, dass Schüler nach einer durchzechten Nacht völlig benebelt in den Unterricht kommen. Trinken bis zum Umfallen, das kommt unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend in Mode. Nach dem jüngsten deutschen Drogenbericht stieg zwischen den Jahren 2000 und 2002 die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt wurden, um 26 Prozent. Und waren es früher überwiegend Burschen, die dem Kampftrinken fröhnten, so haben die Mädchen mittlerweile gleichgezogen. Wenn jemand jung stirbt, ist meist Alkohol im Spiel. Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss sind die Haupttodesursache für Jugendliche und junge Erwachsene. Doch mahnende Worte der Eltern nützen offenbar wenig.

Ärztliches Gespräch gefragt

Vor kurzem wurde in der Zeitschrift „Annals of Family Medicine“ (2/5, 2004, 474) eine ermutigende Studie veröffentlicht. Nehmen sich Ärzte junge Trinker zur Brust, können sie über ein kurzes Gespräch tatsächlich Leben retten: Ein Teil der jungen Leute trinkt langfristig tatsächlich weniger – und verursacht seltener Verkehrs-unfälle. An der Studie nahmen 226 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren teil. Mitmachen durften Männer mit mehr als 14 Drinks (je 14 g Alkohol) pro Woche und Frauen mit mehr als elf Drinks pro Woche. Die Hälfte der Teilnehmer wurde von ihrem Arzt auf ihren Alkoholkonsum angesprochen, die andere nicht. Das Gespräch verlief etwa so: „Als Ihr Arzt bin ich sehr besorgt darüber, wie viel Sie trinken und wie Sie damit Ihrer Gesundheit schaden. Hier ist eine Liste mit Situationen, in denen Leute oft zu viel Alkohol trinken. Welche Situation trifft auf Sie zu? Und wie, denken Sie, können Sie solche Situationen vermeiden?“ Die Patienten erhielten zudem Tipps, wie sie ihren Durst in Schranken halten können.

Erreichbare Ziele stecken

„Können Sie sich vorstellen, pro Woche auf drei Drinks zu verzichten? Wie könnte für Sie ein realistisches Ziel aussehen?“ Die Gespräche dauerten etwa zehn bis 15 Minuten. Die jungen Leute wurden nun vier Jahre lang regelmäßig zu Trinkgewohnheiten, Unfällen und Straftaten befragt. Das Ergebnis: Teilnehmer, die mit ihrem Arzt über ihre Trinkgewohnheiten gesprochen hatten, reduzierten den Alkoholkonsum im Schnitt um 44 Prozent. Teilnehmer ohne ein solches Arztgespräch tranken nur 25 Prozent weniger. Vor Beginn der Studie betranken sich die Teilnehmer im Schnitt an sechs Abenden pro Monat. Junge Erwachsene mit Konsultation reduzierten dies auf dreieinhalb Abende pro Monat, die ohne Konsultation auf knapp fünf Abende pro Monat. Das Interessante dabei: Wer nach dem Arztgespräch sein Trinkverhalten änderte, tat dies meist sofort und blieb in den folgenden vier Jahren bei einem moderateren Konsum.

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