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Allgemeinmedizin 2. März 2015

Hilfe bei gestörtem Schlaf

Mit Nährstoffen physische und psychische Turbulenzen ausgleichen

20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in westlichen Industrienationen leiden epidemiologischen Studien zufolge an Schlafstörungen. Diese führen zu einer beeinträchtigten Lebensqualität und stellen einen Risikofaktor für körperliche Beschwerden dar. Die Bedeutung guten Schlafs für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden steht beim internationalen Tag des Schlafs am 13. März im Mittelpunkt.

Physische und psychische Belastungen sind auch Ursachen für gestörten Schlaf. Studien zeigen, dass durch die Zufuhr bestimmter Nährstoffe das psychische und physische Gleichgewicht reguliert und der Schlaf dadurch verbessert werden kann. Verschiedene Nährstoffe bzw. Lebensmittel können also schlaffördernd wirken. Im Fouks steht vor allem die Rolle der B-Vitamine und des Tryptophans im Melatoninstoffwechsel.

Eine Befragung anhand einer repräsentativen Stichprobe von Personen über 14 Jahren in Österreich ergab 2010, dass 31 Prozent gelegentlich vom Problem des nicht erholsamen Schlafs betroffen sind. Beinahe ein Fünftel (18%) gaben an, an Schlafstörungen wie beispielsweise Schlafunterbrechungen oder einer verlängerten Einschlafzeit zu leiden. Bei einem Großteil davon (72 %) bestanden die Schlafprobleme seit mehr als sechs Monaten. Ursache dafür waren bei den meisten private und berufliche Probleme bzw. Lebensereignisse. Bei mehr als 60 Prozent der Personen mit Schlafstörungen führten diese zur Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, zu Einschränkungen im Privatleben, bei der Arbeit und beim Autofahren. Gegenüber den Ergebnissen einer ähnlichen Untersuchung im Jahr 1993 ergaben sich dabei keine wesentlichen Veränderungen im Schlafverhalten.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts zu Schlafproblemen in der deutschen Bevölkerung mit etwa einem Drittel der Teilnehmer, die während der vorangegangenen vier Wochen potenziell klinisch relevante, d. h. dreimal wöchentlich oder häufiger auftretende Ein- und Durchschlafstörungen berichteten. Frauen sind laut diesen Ergebnissen offenbar häufiger von Einschlafstörungen, Männer eher von Durchschlafstörungen von potenzieller klinischer Relevanz betroffen.

Ein Zusammenhang zwischen Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten scheint nun wissenschaftlich zunehmend begründet zu werden. Diskutiert wird die Rolle von Makronährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Tryptophan als Vorläufersubstanz von Niacin und Ausgangsstoff für die Synthese des Neurotransmitters Serotonin bzw. des „Schlafhormons“ Melatonin spielt für die Verfügbarkeit der beiden Stoffe eine wesentliche Rolle. Vitamin B6 wiederum spielt bei der Synthese von Serotonin aus Tryptophan eine Schlüsselrolle, und damit in der Folge ebenfalls in der Bereitstellung von Melatonin, als weiterem Stoffwechselprodukt von Serotonin. In diesem Prozess scheinen auch Omega-3-Fettsäuren und Magnesium bedeutsam sein. So zeigte etwa eine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Personen, die älter als 65 Jahre waren, dass mit einer täglichen Gabe von 500 mg Magnesium täglich Schlafdauer, Schlafeffizienz und Serumkonzentrationen für Renin und Melatonin signifikant anstiegen.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Stress den normalen zirkadianen Rhythmus beeinflussen und zu Schlafproblemen führen kann, und eine ausreichende Mikronährstoffversorgung insbesondere in Phasen hoher Stressbelastung wichtig ist, wird der Einsatz bestimmter Vitamine, Mineralstoffe sowie bestimmter Fettsäuren und Aminosäuren zur Unterstützung bei nicht erholsamem Schlaf diskutiert. Grundlage ist die zentrale Bedeutung bestimmter Nährstoffe im Nerven- und Energiestoffwechsel.

L-Theanin, das in grünem und schwarzem Tee enthalten ist, stimuliert die Alpha-Wellen-Aktivität im Gehirn und induziert dadurch subjektiv empfundene Entspannung. Hopfen wird oft bei Angststörungen, Nervosität und Insomnie eingesetzt. Übrigens ist auch insbesondere aufgrund des Hopfenanteils alkoholfreies Bier mit einem förderlichen Effekt auf die Nachtruhe verbunden. Melisse ist in In-vitro-Studien als Inhibitor der GABA-Transaminase, eines für den Abbau von GABA (Gamma-Aminobuttersäure) verantwortlichen Enzyms, identifiziert worden. An der GABA-Synthese ist dazu Vitamin B6 als Cofaktor beteiligt. GABA spielt als inhibitorischer Neurotransmitter eine wichtige Rolle bei der Entspannung.

Glycin als nicht essenzielle Aminosäure, die als Neurotransmitter wichtige Funktionen im Nervensystem hat, kann Untersuchungen zufolge, die Schlafqualität von Personen mit Schlafproblemen verbessern. So besserte die Gabe von Glycin vor dem Zubettgehen die subjektive Schlafqualität, was sich auch in objektiv messbaren Parametern spiegelte. Ein möglicher Wirkmechanismus könnte die im Tiermodell beobachtete Absenkung der Körperkerntemperatur sein, denn die zirkadiane Schlaf-Wach-Regulation steht auch mit der Körpertemperatur in Zusammenhang.

Die vollständige Literaturliste finden Sie auf www.springermedizin.at

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