zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 7. Juli 2005

FSME-Impfung 2002: Neues für Kinder

FSME-Impfung 2002: Neues für Kinder

Weiterentwickelter Impfstoff für Kinder und Erwachsene lässt bessere Verträglichkeit der Zecken-Impfung erwarten

In Österreich ist eine im internationalen Vergleich hohe Durchimpfungsrate und damit verbunden ein drastischer Rückgang der FSME-Erkrankungsfälle während der letzten 20 Jahre zu beobachten. 

Wahrscheinlichkeit der FSME-Infektion - 1:10.000

Trotzdem bleibt das Risiko einer Infektion für nicht oder nicht ausreichend geschützte Personen hoch. Anlässlich der Vorstellung eines neuen Impfstoffes nannte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin am Institut für Pathophysiologie der Universität Wien, folgende Zahl: "Die Wahrscheinlichkeit, in den Sommermonaten während eines vierwöchigen Aufenthalts in der Steiermark eine FSME-Infektion zu bekommen, liegt für Ungeimpfte bei etwa 1:10.000." 

Durchaus relevante Bedrohung

In Anbetracht der potenziellen Gefahren der Erkrankung handelt es sich also um eine durchaus relevante Bedrohung. Kollaritsch rief bei dieser Gelegenheit in Erinnerung, dass die FSME in drei unterschiedlichen klinischen Verlaufsformen auftritt. Je nach Ausdehnung auf das Zentralnervensystem kann es zu einer Meningitis, zu einer Meningoenzephalitis oder zu einer Meningoenzephalomyelitis kommen. Besonders die beiden letzteren, die rund die Hälfte der Fälle darstellen, sind mit einer hohen Rate von Langzeitkomplikationen vergesellschaftet.

Im Kindesalter verläuft die FSME überwiegend günstiger und führt im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich seltener zu Langzeitfolgen. Trotzdem liegen auch für Kinder Berichte über schwere Erkrankungsformen und bleibende neurologische Schäden vor, wie Prof. Dr. Karl Zwiauer, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Krankenhaus St. Pölten, ausführte. Häufig tritt bei Kindern im Anschluss an eine FSME ein postvirales neurasthenisches Syndrom auf. Zwiauer: "Dieses Zustandsbild ist durch Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stressintoleranz, psychomotorische Verlangsamung und Kopfschmerzen charakterisiert und dauert bis zu mehreren Wochen." 

Auf Fremdproteine als Stabilisatoren verzichtet

Er rät daher auch im Kindesalter unbedingt zur Schutzimpfung. In diesem Zusammenhang wird für die FSME-Impfsaison 2002 ein neuer Impfstoff zur Verfügung stehen, der auch in einer für Kinder geeigneten Dosierung erhältlich sein wird.  Es handelt sich dabei um die Weiterentwicklung eines bereits länger unter dem Namen Encepur® am Markt befindlichen Produkts, erklärte Dr. Michael Bröker von der Herstellerfirma Chiron Behring, der selbst an der Entwicklung des Impfstoffes beteiligt war. 
"Die entscheidende Verbesserung ist, dass bei der Produktion auf Fremdproteine als Stabilisatoren verzichtet wird. Dadurch sind eine potenzielle Kontamination aus Zusätzen humanen oder tierischen Ursprungs sowie das Risiko allergischer Reaktionen drastisch reduziert." 

Impfnebenwirkungen weitgehend vermieden

Vor allem die in der Vergangenheit bei Kindern aufgetretenen Impfnebenwirkungen sollen damit weitgehend vermieden werden. Im klinischen Prüfprogramm an etwa 6.600 Probanden, darunter mehr als die Hälfte Kinder im Alter zwischen einem und elf Jahren, zeigte sich eine sehr gute Verträglichkeit. Fieberreaktionen von mehr als 39 Grad traten nur gelegentlich auf. Die beiden Impfstoffe* werden ab Mitte Februar in Österreich abgegeben. Neben dem normalen Schema zur Grundimmunisierung (erste Impfung am Tag 0, zweite Impfung nach 1-3 Monaten, dritte Impfung nach 9-12 Monaten) besteht mit dem Impfstoff auch die Möglichkeit zu einer rascheren Immunisierung: Die zweite Teilimpfung kann eventuell bereits am Tag 7 und die dritte Impfung am Tag 21 verabreicht werden. 

*) Encepur® 0,25 ml für Kinder 
(ab dem vollendeten 1. bis zum Ende des 12. Lebensjahres) und Encepur® 0,5 ml 
(ab dem vollendeten 12. Lebensjahr)

Quelle: Pressekonferenz der Firma Grünenthal, FSME-Impfstoff für Kinder, 22. Jänner 2002 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben