zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 7. Juli 2005

Zecken tanzen nicht nur Linkswalzer

Zecken sollten, sobald man sie entdeckt hat, aus der Haut entfernt werden. Denn schon wenn eine Zecke gering an Masse zugelegt hat, hat sie Blut gesaugt und Speichel mit eventuell darin enthaltenen Erregern ins Gewebe des Opfers abgegeben.

Die Spinnentiere haben einen Stechapparat - sie beißen nicht! Sie stechen in die Haut und treffen mit hoher Genauigkeit ein kapillares Blutgefäß. Bereits beim Einstich in die Haut geben die Zecken Speichel ab. Dieser anästhesiert die sensiblen Hautnerven, weshalb ein Stich zunächst unbemerkt bleibt. Koagulationshemmende Substanzen im Speichel sorgen zudem dafür, dass das gesaugte Blut im Stechrüssel und im Verdauungskanal der Zecke nicht gerinnt, was für die Zecke fatal wäre.

Wenn eine Zecke mit humanpathogenen Erregern infiziert ist, werden diese im Speichel mit dem Stich in die Haut abgegeben. Die Erreger können ins Gewebe oder über das Blut in weitere Organe gelangen, worauf es nach Vermehrung und entsprechender Inkubationszeit zu Erkrankungen kommen kann.

Der Stech-Saugapparat von Zecken ist mit scharfen Widerhaken besetzt und hat kein Gewinde. Damit sich die Widerhaken an den Saugrüssel anlegen, müssen die Zecken nach links oder rechts gedreht werden. Dann kann versucht werden, den Stechapparat samt Zeckenkörper aus der Haut zu ziehen. Wird lediglich gezogen, ohne zu drehen, dann spreizen sich die Widerhaken und verhaken sich noch mehr. Gibt das Gewebe nicht nach, dann reißt der Kopf (Capitulum) ab und bleibt in der Stichstelle.

Entzündungen, Abszesse

Durch natürliches Scheuern an der Stichstelle wird der herausragende Kopfteil mechanisch abgerieben, und es bleiben lediglich Reste des Kopfes mit dem im Gewebe verankerten Stechapparat übrig. Die Haut kann sich über diesem Fremdkörper schließen. Das Gewebe reagiert auf diesen Fremdkörper und versucht ihn abzustoßen. Das kann einige Zeit dauern, zu Entzündungen und Abszessbildung führen, besonders dann, wenn die Zecke infiziert war. In diesen Fällen muss der Stechapparat samt Kopf operativ entfernt werden. Wie leicht oder wie schwer Zecken zu entfernen sind, hängt von der Beschaffenheit der Haut und des Gewebes an der betreffenden Stelle ab. In weicher Haut - zum Beispiel am Hals, in der Leistenbeuge, im Genitalbereich, am Bauch, in den Kniekehlen - schieben die Zecken den Stechapparat und das Capitulum besonders tief in das Gewebe. Weniger tief, aber nicht minder fest, sitzen die Zecken am Handrücken, an den Außenpartien von Armen und Beinen oder auf der Kopfhaut.

Keinen Nagellack oder Öl auf die Zecke

Es gibt keine optimale, allgemein zu empfehlende Methode, wie Zecken aus der Haut zu entfernen sind. Keinesfalls sollten Uhu, Nagellack, Öl, Alkohol, Vaseline oder Salben auf die Zecken aufgetragen werden. Zecken-Pinzetten oder -Zangen sind vor allem für diejenigen gedacht, die keine Zecke anfassen mögen oder Bedenken haben, die Zecke zu zerdrücken, was jedoch auch mit diesen Instrumenten passieren kann.

Die glatten Zecken lassen sich leicht mit etwas rauhem Toilettenpapier oder einem Papiertaschentuch greifen. Dabei lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass Zecken beim Greifen etwas zerdrückt werden. Dass bei der Prozedur jedoch Speichel von Zecken mit Erregern in das Gewebe oder in die angebohrte Kapillare gedrückt wird, ist aufgrund des Mechanismus und der Funktion des Stechapparates unwahrscheinlich. Bereits bevor eine Zecke entfernt wird und nochmals nach dem Entfernen, sollte die Stichstelle mit Jod desinfiziert werden.
Auch Erfahrenen kann es passieren, dass das Abdomen vom Kopf samt Stechapparat abreißt.

Prof. Dr. GUNTHER WERNSDORFER, Erlangen, war leitender Arzt an der Bundesanstalt für Arbeit und lehrt heute an der Mahidol-University (Faculty of Tropical Medicine) in Bangkok Tropenmedizin, Medizinische Parasitologie und Arbeitsmedizin.

 

Prof. Dr. GUNTHER WERNSDORFER, Ärzte Woche 14/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben