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Allgemeinmedizin 18. Juli 2005

Das sagt das Gesetz

Aktive indirekte Sterbehilfe: Wenn in der "Endphase einer unheilbaren Erkrankung" die Medikation von Analgetika so gewählt wird, dass als nicht angestrebte, aber vorhersehbare Nebenfolge der Eintritt des Todes beschleunigt wird (straffrei).

Passive Sterbehilfe: Unterlassen lebenserhaltender Maßnahmen, die den unausweichlichen Todeszeitpunkt hinauszögern - insbesodere auf Wunsch des Patienten (straffrei).

Das sagt die Medizin-Ethik

Dr. Günter Virt (siehe oben) zur Autonomie des Menschen: "Niemand darf gegen seinen Willen behandelt bzw. weiterbehandelt werden. Ärzte müssen das Sterben auch zulassen können woraus folgt:

  • Der Mensch stirbt an der Krankheit und nicht durch Fremdintervention;

  • dem Sterbenden wird Respekt entgegengebracht, indem er Raum und Zeit für seinen Tod bekommt;

  • der Mensch wird als Ganzes begriffen; niemand versucht, seiner Seele zu helfen, indem er den Leib tötet.

  • Virt fordert unter anderem die universitäre Etablierung der Palliativmedizin und deren konsequente Umsetzung in die Praxis.

Das sagt der Vatikan

Um die Gefahr der "Ansteckung" durch die Niederlande abzuwehren ("L'Osservatore Romano"), müssten die Staaten der EU einen gemeinsamen Block zur Verteidigung des Lebens in seiner Endphase bilden. Die "Beihilfe zum Selbstmord" bleibe trotz der Zustimmung des Staates ein Verbrechen, eine Bankrotterklärung der Medizin und eine juristische Verirrung - so der Franziskanerpater und Moraltheologe Gino Concetti. Zwar sei die Euthanasie in der Praxis Realität, aber der Staat dürfe sich dem Verhalten einiger seiner Bürger nicht einfach anpassen, wenn diese die Grundrechte verletzen.

Das sagt die Politik

"Das Gesetz (...) in Holland (...) widerspricht eindeutig der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)", erklärte Edeltraud Gatterer (ÖVP), Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. "Artikel 2 der EMRK besagt, dass das Recht auf Leben eines jeden unter gesetzlichen Schutz stehen und niemand vorsätzlich seines Lebens beraubt werden soll", erklärte Gatterer
Im Regierungsprogramm heißt es: "Jeder Schritt in Richtung Sterbehilfe wird entschieden abgelehnt. Vielmehr soll ein Plan für den Ausbau des Hospizwesens und der Palliativmedizin entwickelt werden."

Das sagt die Ärztekammer

Der Präsident der ÖÄK, Dr. Otto Pjeta, wandte sich entschieden gegen die durch das niederländische Parlament beschlossene "Tötung auf Verlangen". Für die Entgegennahme und Exekution von Tötungsaufträgen dürfen Ärzte keinesfalls zur Verfügung stehen, sagte Pjeta. Gleichzeitig warnte er vor "einer beschönigenden Verwirrung von Begriffen". Worte wie "aktive Sterbehilfe" oder "Euthanasie - der gute Tod" führen zu einer Emotionalisierung, die von ethischen Grundsätzen ablenken. Auch komplexes Entscheidungsverfahren ändern nichts an der Tatsache, dass ein Patient durch einen Arzt getötet wird.

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