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Allgemeinmedizin 26. Jänner 2015

„Ich dachte, du machst das“

Ungewollt schwanger: Was kann der Mann dafür?

Besonders in instabilen Partnerschaften überlassen die Männer das Verhüten oft der Frau. Dies und Fehler bei der Verhütung sind die häufigsten Gründe für ungewollte Schwangerschaften.

Ein internationales Team befragte 2.997 Männer, die an der französischen FECOND-Studie teilgenommen hatten. 664 hatten in den letzten fünf Jahren eine oder mehrere Schwangerschaften bei ihrer (Ex-)Partnerin erlebt. Von insgesamt 893 Schwangerschaften waren 176 unbeabsichtigt. In 46 Prozent dieser Fälle war das Kind abgetrieben worden ( Kågesten A et al.: Hum Reprod 2015 ).

Wie das Team berichtet, spielten auf männlicher Seite vor allem jugendliches Alter und Geldprobleme eine Rolle: 68,7 Prozent der betroffenen Männer waren Studenten, 42,5 Prozent arbeitslos, 28,5 Prozent steckten in „sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen“. Bei Letzteren war das relative Risiko einer ungeplanten Schwangerschaft doppelt so hoch wie bei Geschlechtsgenossen ohne Geldsorgen.

Eine Risikoerhöhung um den Faktor 2,6 fand man in Fällen, bei denen der Vater angab, sich in einer „instabilen“ Beziehung zu befinden. In der Einstellung zur Schwangerschaft waren sich die Paare allerdings überwiegend einig: Nur in 9,4 Prozent der aus väterlicher Sicht ungewollten Schwangerschaften hatte sich die Partnerin ein Baby gewünscht.

In 72 Prozent der Fälle war es trotz Verhütung zur Empfängnis gekommen. Bei einem Drittel hatte die Partnerin die Pille genommen, 23 Prozent der Männer gaben an, mit Kondom zu verhüten; dieses war in der Hälfte der Fälle entweder geplatzt oder abgerutscht. Ein Drittel der Kondomnutzer hatte zum fraglichen Zeitpunkt gar kein Gummi getragen. Die Hälfte derjenigen, die irgendein Verhütungsmittel angewendet hatten, gab zu, dass dabei etwas schief gelaufen war. Entweder sei die Methode falsch angewendet oder vergessen worden. 39 Prozent gaben die Schuld der Verhütungsmethode selbst.

48 „Väter wider Willen“ hatten gar nicht verhütet. Dabei war die Hälfte davon ausgegangen, dass ihre Partnerin sich darum kümmern würde – was nicht der Fall war. Bei den Männern in instabilen Beziehungen lag der Anteil derjenigen, die die Verantwortung auf die Frau abschoben, bei nahezu 90 Prozent. Jeder Vierte hatte sich mit Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft nicht abgegeben.

Interessanterweise hatten viele Befragte aus der Situation nichts gelernt: 68 Prozent der Schwangerschaften, die auf eine unbeabsichtigte folgten, waren ihrerseits nicht geplant.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2015

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