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Allgemeinmedizin 12. Juli 2005

Krank durch Sex: Wenn die Lust zur Sucht wird

Etwa sechs Prozent der Bevölkerung leiden an Sexsucht – Auch für diese Krankheit ist der Hausarzt oft die erste Anlaufstelle

Wie bei anderen Suchtkrankheiten auch, wird die Sexsucht oft sehr spät erkannt und vom Betroffenen und seinen Angehörigen lange Zeit verdrängt und meist totgeschwiegen.

Frauen, die Sexualität offen ausleben, werden oft als „Nymphomaninnen“ klassifiziert. Bemerkungen dazu sind häufig von einer Mischung aus Belustigung und Abwertung begleitet. Handelt es sich beim Betroffenen um einen Mann, ist vom „Don-Juan-Komplex“ die Rede, und die Reaktionen fallen eher wohlwollend aus. Seriöse Zahlen darüber, wie viele Personen von Sexsucht betroffen sind, gibt es kaum. Schätzungen gehen von ein bis sechs Prozent der Gesamtbevölkerung aus, wobei davon zumindest zwei Drittel Männer sind. Viele Betroffene waren als Kinder Opfer von Missbrauch, entweder in emotio-naler, sexueller oder körperlicher Hinsicht. In den Herkunftsfamilien wurde Sexualität meist tabuisiert und Zärtlichkeiten abgelehnt. Ein Risikofaktor kann auch das Aufwachsen in einer Familie mit Suchtproblemen darstellen. So ist Sexsucht teils mit Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit, Essstörungen oder Depressionen verbunden.„Sexsucht ist eine Krankheit, und ein erster wichtiger Schritt ist das offene Ansprechen sowie die Suche nach Unterstützung“, betont der St. Pöltner Psychotherapeut DSA Anton Stelzhammer. Alles im Leben kreist bei dieser Suchtkrankheit nur mehr um Sex.„Die sozialen Beziehungen, die Arbeit – alles kommt zunehmend zu kurz“, erklärt Stelzhammer, auch der Schutz beim Geschlechtsverkehr.

Sex befriedigt nicht mehr

Die negativen Folgen des eigenen Handelns und die zunehmende Isolierung werden ignoriert. Dazu kommt ein immer stärkerer Selbstwertverlust: Auch wenn Sex konsumiert wird, ergibt sich keine Befriedigung. Trotzdem bleibt die starke, treibende Hoffnung, beim „nächsten Mal“ Nähe und Zuneigung zu erleben. Es entsteht ein Teufelskreis. Wie bei anderen Suchtkrankheiten, ist aus Stelzhammers Sicht auch hier „der Hausarzt einer der Ersten, dem das auffallen kann oder wo das Problem und seine zunehmend stärker spürbaren Auswirkungen auf Alltag und Gesundheit angesprochen werden“. Zunächst wäre es wichtig, die Aussagen ernst zu nehmen, „eben weil hier viel verharmlost wird“, so Stelzhammer. Auch die Information, dass Sexsucht eine behandelbare Krankheit und kein Schicksal ist, sollte Betroffenen vermittelt werden. Beim Umgang mit Sexsucht ist Begleitung und Betreuung durch Experten besonders wichtig. Unter der Telefonnummer 0676/38-735-61 können Kontaktadressen und Anlaufstellen für Sexsucht erfragt werden.

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