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Das Planschen im Schwimmbad kann Pilzinfektionen zur Folge haben.
 
Allgemeinmedizin 15. Dezember 2014

Nicht nur ein kosmetisches Problem

Fuß- und Nagelpilzerkrankungen begünstigen Infektionen und ernsthafte Komplikationen

Ein Pilzbefall von Haut oder Nägeln kann sich am eigenen Körper ausbreiten, andere Menschen anstecken und dient als Eintrittspforte für weitere Krankheitserreger. Darüber hinaus können pilzbefallene Fußnägel zu schmerzhaften Gehproblemen führen. Das sind gute Gründe für eine rasche Intervention.

Bei Pilzerkrankungen von Haut- und Nägeln handelt es sich in den meisten Fällen um Dermatophytosen, also Infektionen mit einem Fadenpilz. Aus den drei Gattungen Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton ist es vor allem der Fadenpilz Trichophyton rubrum, auf dessen Konto die Infektionen gehen. Aber auch eher zoophile Microsporumarten können nach Tierkontakt auf Menschen übergehen.

Fußpilz

Die Kleidermotte (lat.: Tinea) ist Namenspatin für einen Dermatophytenbefall der Haut, denn die oberflächlichen Entzündungsherde mit dem entzündlich roten Außenring erinnern an Mottenfraß. Meist wird das Freizeitverhalten mit Schwimmbad- oder Saunabesuch für einen Fußpilzbefall verantwortlich gemacht. Begünstigend wirkt auch das Klima in geschlossenem, nicht atmungsaktivem Schuhwerk, insbesondere, wenn die Schuhe täglich getragen werden.

Gefährdet. Für eine Infektion braucht es aber zusätzliche Wegbereiter wie kleinere Risse oder Hautverletzungen, die das Eindringen erleichtern, sowie eine gestörte Abwehrlage, die der Infektion nicht im Wege steht. Dies ist der Fall bei Durchblutungsstörungen und Druckstellen. Zu enges Schuhwerk, sportliche Belastung oder Fußfehlstellungen tragen ebenso dazu bei wie Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, HIV/Aids, eine medikamentöse Immunsuppression und starkes Rauchen.

Tinea interdigitalis. Meist beginnt das Übel in der aufgestauten Feuchtigkeit zwischen den Zehen (lat.: digitus = Zehe), wo es besonders eng ist. Die Haut ist gerötet und juckt. Es bilden sich weißliche, aufgequollene Hyperkeratosen aus, an denen die Haut leicht einreißt.

Andere Formen. Eine weitere Ausbreitung des Pilzbefalls auf die Fußsohle (Mokassinmykose) ist möglich. Gelegentlich bilden sich an den Zehenballen juckende Bläschen. In diesem Fall handelt es sich um eine vesikulös-dishydrotische Variante.

Nagelpilz

Eine Pilzerkrankung des Nagels (Onychomykose) wird oft von einer vorangehenden Fußpilzinfektion mit Trychophyton rubrum angebahnt. Seltener sind Hefen wie Candida albicans oder Schimmelpilze der Art Scopulariopsis brevicaulis die Auslöser. Meist dringen die Erreger über den vorderen Rand der Nagelplatte ein und breiten sich über deren Unterseite in Richtung Nagelmatrix aus. Dabei setzen sie Toxine frei, die eine gelblich-braune Hyperkeratose verursachen. Dadurch verdickt sich die Nagelplatte, wird bröselig und hebt vom Untergrund ab. Langfristig kann der Prozess eine Zerstörung der Nagelplatte bewirken und Folgeerkrankungen begünstigen. Besonders gefürchtet ist in diesem Rahmen eine Sekundärinfektion mit Streptococcus pyogenes, die zu einem Erysipel (Wundrose) des Unterschenkels führt.

Eine Fußpilzbehandlung mit topischen Antimykotika ist immer dann für die Selbstmedikation geeignet, wenn die Symptome typisch vom Zehenzwischenraum ausgehen. Alle anderen Varianten sollten ebenso wie eine Nagelpilzinfektion vor der Eigentherapie zumindest ärztlich abgeklärt werden. Sind die Symptome nicht eindeutig, oder spricht ein Therapieversuch nicht an, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser kann gegebenenfalls systemische Antimykotika verordnen.

Fußpilzbehandlung

Die verwendeten Wirkstoffe greifen auf verschiedene Weise in die Synthese des Ergosterols ein, einem wichtigen Membranbestandteil der Pilzzellen. Je nach Wirkstoff und Darreichungsform muss unterschiedlich häufig und lange behandelt werden. Dieser Hinweis aus der Packungsbeilage muss unbedingt befolgt werden. Denn selbst wenn Rötung und Juckreiz bereits verschwunden sind, können sich noch immer vermehrungsfähige Pilzzellen in der Epidermis befinden. Ein vorzeitiger Therapieabbruch bahnt lediglich ein späteres Wiederaufflammen der Infektion an.

Nagelpilzbehandlung

Für die Selbstmedikation einer Onychomykose darf die Nagelplatte höchstens bis zur Hälfte geschädigt und die Nagelmatrix noch nicht befallen sein. Bei größeren oder sich über mehrere Nägel ausbreitenden Erkrankungsherden ist oft eine rezeptpflichtige systemische Therapie nötig. Die Lokalbehandlung erfordert viel Geduld, denn die geschädigten Bereiche der Nagelplatte bieten den Pilzsporen Unterschlupfmöglichkeiten und damit die Basis für Rezidive. Dementsprechend gründlich sollte vor der Behandlung infiziertes Nagelmaterial soweit wie möglich abgetragen werden. Dies kann ein medizinischer Fußpfleger übernehmen oder mittels 40-prozentiger Harnstoffzubereitung in Eigenregie erfolgen.

Lacke. Zur lokalen Therapie gibt es Lacke mit den pilz- und sporentötenden Wirkstoffen Amorolphin und Ciclopirox. Bei wasserunlöslichen, depotbildenden Lacken wird der Nagel mindestens einmal in der Woche mit einem Alkoholtupfer von Lackresten befreit und mit einer Einwegfeile dünn gefeilt. Dieser Schritt entfällt bei wasserlöslichen Lacken, die aber häufiger aufgetragen werden müssen. Die Angaben in der jeweiligen Packungsbeilage sind genau zu befolgen.

Salbe. Eine andere Variante arbeitet mit Salbe (mit 40 % Harnstoff und 1 % Bifonazol) und Okklusionspflaster. In der ersten, zweiwöchigen Behandlungsphase werden infizierte Nagelbereiche abgelöst. Eine vierwöchige Anschlussphase sorgt mit täglicher Bifonazol-Behandlung für eine nachhaltige Elimination des Erregers.

Springer-gup.de

Wichtigste Fragen für die Beratung

• Seit wann besteht das Beschwerdebild?

• Gingen die Beschwerden von den Zehenzwischenräumen aus?

• In welchem Ausmaß sind die Nägel betroffen?

• Hat ein Arzt die Diagnose Fuß- oder Nagelpilz gestellt?

• Haben Sie bereits Therapieversuche durchgeführt?

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