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© Sergiy Tryapitsyn/iStock/ThinkStock
Erkältungsviren lieben kalte Temperaturen und die Schleimhäute sind empfindlicher.
 
Allgemeinmedizin 15. Dezember 2014

Husten-Hochsaison

Er ist tagsüber quälend und nachts schlafraubend: Husten macht besonders in der kalten Jahreszeit vielen Menschen zu schaffen.

Die kalte Jahreszeit setzt den Atemwegen zu. Denn mit der Temperatur nimmt auch die Durchblutung der Atemwegsschleimhaut ab. Zudem entziehen die trockene Heizungsluft (und oft auch die trockene, kalte Luft draußen) der Schleimhaut Feuchtigkeit.

Unter diesen Umständen haben Erkältungsviren leichtes Spiel. Sie dringen in die Epithelzellen der oberen Atemwege ein. Dort rufen sie eine Entzündung der Atemwegsschleimhaut hervor, was die typischen Symptome eines grippalen Infekts verursacht. Eine akute Bronchitis entsteht, wenn sich die Schleimhautentzündung ausbreitet und auf die unteren Atemwege übergreift.

Krankheitsbild

In 90 Prozent der Fälle wird die akute Bronchitis durch Viren hervorgerufen, die durch Schmier- oder Tröpfcheninfektionen übertragen werden. In seltenen Fällen sind auch Infektionen durch Bakterien, Pilze oder chemische Reize möglich.

Symptome. Charakteristisch ist ein starker Husten, bei dem oft der Brustkorb schmerzt. Dieser wird von Betroffenen nachts als besonders belastend empfunden, da er den Schlaf stört. Zu Beginn der Infektion ist das Geschehen trocken. Im weiteren Krankheitsverlauf nimmt die Schleimproduktion zu, wodurch der Husten produktiv wird. Weitere mögliche Symptome sind Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsweh, Atemgeräusche und Fieber.

Dauer. Die akute Bronchitis ist oft langwierig und dauert durchschnittlich vier Wochen. Hält sie sich mit Husten und Auswurf wenigstens drei Monate in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren, liegt eine chronische Bronchitis vor. Diese ist meist eine Folge des Rauchens. Denn die ständige Konfrontation mit Schadstoffen schädigt die Atemwegsschleimhäute, sodass sie anfälliger für Krankheitserreger werden.

Selbstmedikation

Verschiedene rezeptfreie Wirkstoffe können Hustenbeschwerden lindern. Dadurch wird am Tag die Lebensqualität und in der Nacht die Nachtruhe verbessert.

Expektoranzien: Sie unterstützen den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege (mukoziliäre Clear- ance), wodurch das Abhusten von Sekret erleichtert wird. Expektoranzien sind ausschließlich bei verschleimtem Husten indiziert. Beispiele für Wirkstoffe sind Ambroxol und N-Acetylcystein. Ambroxol erleichtert den Abtransport des Schleims in Richtung Rachen, indem es die Flimmerhärchen stimuliert. Zudem erhöht der Wirkstoff die Gleitfähigkeit des Bronchialschleims und verstärkt die bronchiale Sekretion von dünnflüssigem Schleim. N-Acetylcystein löst Disulfidbrücken im Schleim, wodurch die langen Molekülketten in kürzere Bruchstücke zerfallen und die Zähigkeit des Schleims abnimmt.

Antitussiva. Diese unterdrücken partiell den Hustenreiz. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Dextrome-thorphan und Pentoxyverin, die die Reizschwelle im zentralen Hustenzentrum erhöhen. Pentoxyverin hat zudem leicht bronchienerweiternde Effekte. Antitussiva werden bei Reizhusten am Beginn einer akuten Bronchitis und zur Nacht auch bei verschleimtem Husten eingesetzt.

Phytopharmaka. Auch mit pflanzlichen Wirkstoffen können bei Husten sehr gute Therapieerfolge erzielt werden. Bei ihnen ist nicht immer eine genaue Trennung zwischen Expektoranzien und Antitussiva möglich. Eine Thymian/Efeu- beziehungsweise Thymian/Primelkombination wird aufgrund gut belegter antientzündlicher, schleimverflüssigender und bronchienentkrampfender Effekte in der aktuellen AWMF-Leitlinie „Husten“ als starke Empfehlung aufgeführt.

Weitere Beispiele sind ein Mischdestillat aus vier ätherischen Ölen sowie Pelargonienwurzelextrakt, die dafür sorgen, dass das Sekret besser aus den Bronchien abgehustet werden kann. Beide fördern zudem die Bewegung der Flimmerhärchen, und Pelargonienwurzelextrakt verfügt über immunmodulierende und bakteriostatische Eigenschaften.

Antibiotika bei Husten

Die Verordnung eines Antibiotikums ist bei einer akuten Bronchitis in aller Regel nicht indiziert, da die Infektion fast immer durch Viren hervorgerufen wird. Studien zeigen, dass sich der Krankheitsverlauf einer Bronchitis mit Hilfe einer antibiotischen Therapie lediglich um etwa einen halben Tag verkürzt. Demgegenüber führt ein unkritischer Einsatz von Antibiotika zu überflüssigen Nebenwirkungen, einer Zunahme von Antibiotikaresistenzen und unnötigen Kosten im Gesundheitswesen.

Das Beratungsgespräch

Bei der Symptomerfassung ist unbedingt zu klären, ob es sich um einen trockenen oder einen produktiven Husten handelt. Denn in der Praxis zeigt sich immer wieder, dass viele Apothekenkunden Expektoranzien fälschlicherweise bei Reizhusten einsetzen, weil ihnen der Unterschied zu Antitussiva nicht bekannt ist. Auch Eigendiagnosen sind in diesem Zusammenhang zu hinterfragen. Zudem sollte abgeklärt werden, ob der Husten länger als drei Wochen besteht. In diesem Fall sollte der Kunde an den Arzt verwiesen werden. Das ist auch der Fall, wenn Atemnot auftritt, der Auswurf gelblich-grün oder blutig ist oder sich der Husten trotz Behandlung nicht innerhalb von zehn Tagen bessert. Bei chronischem Husten sollte nachgefragt werden, ob der Kunde ACEHemmer einnimmt. Denn diese verursachen in bis zu 30 Prozent der Fälle einen trockenen Reizhusten.

Anwender. Geklärt werden muss, ob das Arzneimittel in einer besonderen Patientengruppe (Kinder, Schwangere, Diabetiker) eingesetzt werden soll. Dies ist vor allem bei Antitussiva wichtig. Denn hier treten verschiedene wirkstoffspezifische Nebenwirkungen (etwa Sedierung und Erhöhung der Krampfschwelle), Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie Anwendungsbeschränkungen auf. Zudem sollte ermittelt werden, welche Darreichungsform am besten für den Patienten geeignet ist. Es stehen unter anderem Tabletten, Brausetabletten, Tropfen oder Saft zur Auswahl.

Zusatzhinweise. Bei Husten und Erkältungen wird empfohlen, ausreichend (zwei bis drei Liter am Tag) zu trinken. Wasserschalen auf der Heizung oder feuchte Tücher können für erhöhte Luftfeuchtigkeit sorgen. Auch Hustenbonbons helfen, die Atemwege feucht zu halten. Rauchen ist wie bei allen Atemwegsinfekten schädlich und sollte daher weitgehend vermieden werden. Zudem ist körperliche Schonung – bei Fieber Bettruhe – sinnvoll. Neben Verhaltenstipps für den Genesungsprozess können dem Kunden auch Ratschläge gegeben werden, die das Ansteckungsrisiko verringern. So ist es wichtig, in den Ärmel (nicht in die Hand!) zu husten. Zudem sollte beim Husten ein größtmöglicher Abstand zu anderen eingehalten werden. Häufiges Händewaschen beugt Schmierinfektionen vor.

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