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Allgemeinmedizin 14. November 2014

Wenn sich Eltern irren

Falsche Dosis, falsche Zeit, falsches Präparat.

Alle acht Minuten erhält in den USA ein Kind versehentlich ein falsches Medikament oder eine fehlerhafte Dosierung, meist von den Eltern. Am häufigsten passieren solche Fehler mit Schmerzmitteln und Fiebersenkern.

Zu Behandlungsfehlern im Klinikbetrieb gibt es mittlerweile eine Reihe von Untersuchungen. Was allerdings außerhalb medizinischer Einrichtungen bei der medikamentösen Versorgung alles schief läuft, darüber ist bislang verhältnismäßig wenig bekannt. Anhand der Daten des National Poison Database Systems (NPDS) analysierten Maxwell Smith vom Nationwide Children’s Hospital in Columbus und Kollegen Medikationsfehler bei ambulanten Patienten unter sechs Jahren. Das NPDS sammelt die Daten aller regionalen Giftnotrufstellen in den USA, an die sich Personen im Falle einer möglicherweise schädlichen Exposition wenden.

In den Jahren 2002 bis 2012 wurden jährlich bei durchschnittlich 63.358 Kindern Medikationsfehler registriert. Zu 97 Prozent ereigneten sich diese zu Hause. Die meisten Pannen (82 %) geschahen mit flüssigen Formulierungen. Dabei waren die Jüngsten am häufigsten betroffen, mit zunehmendem Alter verbesserte sich die Situation. 25,2 Prozent der falsch behandelten Kinder waren jünger als ein Jahr.

Während die Zahl pharmazeutischer Fehlgriffe bei Husten- und Erkältungspräparaten allerdings in den elf Studienjahren um über 60 Prozent gesunken war, hatte sie bei allen anderen Medikamenten signifikant um rund 43 Prozent zugelegt.

Häufige Pannen

Die häufigsten Fehler ereigneten sich mit Analgetika (25,2 %), gefolgt von Husten- und Erkältungspräparaten (24,6 %), Antihistaminika (15 %) und Antibiotika (11,8 %). In 27 Prozent der Fälle wurde das Medikament versehentlich ein zweites Mal gegeben. Bei 8,2 Prozent der Kinder bestand elterliche Verwirrung über die Dosierung, 7,8 Prozent erhielten ein falsches Medikament.

Medizinische Hilfe benötigten allerdings nur 4,4 Prozent der falsch behandelten Kinder, 0,4 Prozent wurden stationär auf eine allgemeine Station, 0,3 Prozent auf eine Intensivstation aufgenommen. 25 Kinder verstarben, wofür zu 40 Prozent Analgetika verantwortlich waren. Auffallend war, dass der Anteil der Verstorbenen oder auf einer Intensivstation Behandelten unter einem Jahr mehr als doppelt so hoch war als der älterer Kinder.

Die Abnahme der Medikationsfehler bei Erkältungs- und Hustenpräparaten geht mit der Empfehlung einher, diese Medikamente wegen fehlender Wirksamkeit und der Gefahr von Nebenwirkungen bei kleinen Kindern nicht mehr routinemäßig einzusetzen, meinen Smith und Kollegen. Ihrer Ansicht nach setzten allerdings immer noch zu viele Eltern analgetische und fiebersenkende Präparate ein, wo diese nicht erforderlich wären. Fände man auch hier ein vernünftiges Maß, so die Autoren, würde zwangsläufig auch die hohe Zahl der Fehlmedikationen mit Analgetika sinken.

Die Autoren schätzen, dass die Dunkelziffer solcher Fehler allerdings noch höher liegt, da ja nur die Fehler in die Statistik eingehen, die bei den Giftnotrufzentralen erfasst werden. Mit der Initiative PROTECT soll sich diese Lage in den USA jetzt verbessern. Zu den Bemühungen der Initiative gehören Aufklärungskampagnen sowie verbesserte Dosierungshinweise, verständlichere Packungsbeilagen und Beschriftungen.

 

Originalpublikation: Smith, M. D. et al. Pediatrics 2014; online 20. Oktober 2014 (10.1542/peds.2014-0309)

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2014

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