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Die Verteilung der Spektralanteile kann nicht mit freiem Auge beurteilt werden. Nur eine vom Fachmann ausgewertete Spektralmessung gibt Aufschluss über die Lichtqualität.

Erstklassige LED mit niedriger Blauspitze und dennoch hoher Farbwiedergabe.

© (3)Österr. Inst. f. Licht und Farbe

LED mit ungünstigem Lichtspektrum: Spitze bei 458 nm.

 
Allgemeinmedizin 10. November 2014

Gesundheitsgefahr im Kunstlicht?

Der moderne Mensch verbringt den größten Teil seiner Zeit in geschlossenen Räumen. Da sollte zumindest das Licht optimal sein.

Lichtqualität beruht nach heutigen Erkenntnissen vor allem auf der Spektralqualität. Je sonnenähnlicher die Zusammensetzung, desto hochwertiger ist das Licht. Nicht alle Leuchtmittel werden diesen Anforderungen gerecht.

Nahezu allen Lebewesen dient Licht als Grundlage ihrer Lebensprozesse. Trotzdem sind wir uns selten bewusst, dass das richtige Licht genauso essenziell für unser Überleben ist wie sauberes Trinkwasser oder reine Luft. Deren Mangel bedroht unsere Existenz sofort und unmittelbar. Zu wenig oder zu schlechtes Licht wirkt sich dagegen schleichend, meist über lange Zeit unbemerkt, auf unsere Gesundheit aus. Die Folgen sind jedoch genauso schwerwiegend und reichen von einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems bis zu spezifischen Erkrankungen wie altersbedingte Makuladegeneration mit der Gefahr der Erblindung.

Ein Leben gegen die Natur

Der moderne Durchschnittseuropäer verbringt 80 bis 90 Prozent seines Lebens in geschlossenen Räumen, fernab des Tageslichtes. Dies entspricht nicht der Natur des Menschen: Wir sind für ein Leben unter freiem Himmel konzipiert. „In der Evolution der Menschheit ist es ein vergleichsweise neues Phänomen, dass wir uns mit so viel Kleidung bedecken und hauptsächlich in Gebäuden aufhalten. Davor haben die Menschen nicht an Vitamin D-Mangel gelitten…“, gibt auch die Anthropologin Nina Jablonski bei der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbands AAAS 2013 in Boston zu bedenken.

Vom Lagerfeuer zum Kunstlicht

Jahrtausende lang spendete neben der Sonne nur das Feuer dem Menschen Licht, bis 1897 Thomas Edison den Lichtsektor revolutionierte: Seine Glühbirne vertrieb das Feuer aus unseren modernen Höhlen. Heute ist künstliches Licht eine Selbstverständlichkeit, Lichtqualität ist aber alles andere als selbstverständlich. Lichtqualität beruht nach heutigen Erkenntnissen vor allem auf der Spektralqualität. Je sonnenähnlicher die Zusammensetzung, desto hochwertiger ist Licht. Gutes Licht zeigt, wie das Tageslicht, eine gleichmäßige, komplette Kurve, in der alle Farbtöne vertreten sind. Diese einzelnen Farbstrahlen wirken gebündelt in unserem Auge weiß. Solches Licht hat Heilkraft, wirkt gegen Depressionen, kann Netzhautschäden ausgleichen und sorgt für seelisches Gleichgewicht. Nicht alle Leuchtmittel werden diesen Anforderungen gerecht.

Die unsichtbare Gefahr

Während die mittlerweile leider verbannte Glühlampe ein nahezu sonnenidentes Spektrum aufweist, unterscheiden sich modernere Lichtquellen oft gravierend vom Naturlicht. Immer mehr entdeckt man ihre gesundheits- und umweltschädlichen Seiten: Vor allem hohe, unnatürliche Zacken im Blaubereich können unsere Gesundheit stark belasten. Wissenschaftler heben hervor, dass ein erhöhter Blauanteil viele Krankheiten wie altersbedingten Makuladegeneration, Krebs und diverse andere Krankheiten begünstigen könne.

Krebsgefahr besteht nach Prof. Dr. Eva Schernhammer, wenn die Beleuchtung falsch gemanagt wird: „Einfluss auf Dickdarmkrebs […] Wer demnach über fünfzehn oder mehr Jahre hinweg mindestens dreimal pro Woche nachts arbeitet, weist ein um 35 Prozent erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko auf. Ursache dafür könnte die unterdrückte Melatonin-Produktion sein …“ (aus: sciencev1.orf.at). Und schon 2009 liest man bei Dan Roberts (Licht und Gesundheit): „ … Forschungsergebnisse zeigen, dass hohe Niveaus an blauem Licht auf die Retina des Menschen toxisch wirken können. Die von der Industrie aufgestellten Normen schützen vor übermäßig heller Beleuchtung (Blendung) und UV-Einstrahlung, aber keine Norm geht auf die Gefahren des blauen Lichts ein für Leute, die Probleme mit der Retina haben“.

Inzwischen erklärte Dr. Kitz von der AUVA auf dem Kongress „Licht Farbe Gesundheit“ 2013, dass neue Normen längst darauf eingehen, dass es bei UV und bei blauem Licht eine photochemische Wirkung bzw. Schädigung gebe. Die Bewertungskurve für BLS (Blue Light Hazard) beginne etwa bei 380 nm namhaft anzusteigen und erreiche bei etwa 445 nm den Gipfel. Entscheidend sei die Strahlendichte und es gebe bereits Blaulicht-Schutzbrillen (Berichte über den Kongress bei www.lichtundfarbe.at ).

Noch deutlicher spricht der Arzt und Lichtbiologe Alexander Wunsch (Heidelberg): Durch den höheren Blauanteil von Lichtquellen „kann dieses Licht einen größeren Einfluss auf unser Hormonsystem haben als das Licht aus Glühlampen und so die Krebsentstehung begünstigen. Helles und besonders blauhaltiges Licht aus Energiesparlampen unterdrückt am Abend und in der Nacht die Melatoninbildung, am Tag hingegen wird die Bildung von Stresshormonen gefördert. Wie weit dieser Einfluss geht und welche Menschen davon besonders betroffen sind, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt“ (aus Wunsch, Lichtbiologie).

Blaulicht und AMD

Und vor allem die Erkenntnisse des Zellbiologen und Netzhautforschers Prof. Dr. med. Richard Funk, TU Dresden, beschreiben deutlich die Blaulicht-Gefahr: AMD ist eine chronische, progressive Augenkrankheit, die vorwiegend nach dem 50. Lebensjahr auftritt. Durch die Zerstörung von Zellen im Bereich der Macula lutea geht die Sehfähigkeit im Zentrum des Gesichtsfeldes nach und nach verloren. AMD ist der häufigste Grund für Erblindung weltweit, in Industrieländern sogar der führende. Als ein möglicher Auslöser gilt nach Funk das Blaulicht im Bereich von etwa 450 nm Wellenlänge in Verbindung mit dem Alterspigment Lipofuscin. Generell lässt sich sagen: Je höher der Blauanteil, desto wahrscheinlicher die Störung unserer Netzhaut.

Die Verteilung der Spektralanteile kann nicht mit freiem Auge beurteilt werden – nur eine vom Fachmann ausgewertete Spektralmessung gibt Aufschluss über die Lichtqualität. Um etwaige Folgeschäden durch minderwertige Fehlbeleuchtung zu vermeiden und die gesundheitlichen Vorteile des Vollspektrallichtes zu nutzen, ist es daher besonders wichtig, sich kompetent beraten zu lassen. Das Österreichische Institut für Licht und Farbe bietet exakte Messungen der spektralen Farbanteile in Nanometern an vorgelegten Lampen und Lichtsystemen und interpretiert und beurteilt diese aus der Sicht modernster Lichtbiologie (www.lichtundfarbe.at ). Und wir kennen aus unserem lichttechnischen Netzwerk neue LEDs, die einen sehr niedrigen Anteil an Blau haben und dennoch eine Farbwiedergabe, die über 90 Prozent liegt (siehe Bilder).

Rhythmus und Hormone

Nur etwa 25 Prozent des Lichtes, das wir aufnehmen, dient zum Sehen. Die restlichen 75 Prozent wirken über das vegetative Nervensystem, den energetischen Anteil der Sehbahn, auf den gesamten Organismus. Licht unterstützt so die biologischen Prozesse und synchronisiert unseren Körper mit unserer Umwelt.

Trotz moderner Beleuchtungstechniken wird unser Alltagsleben auch heute noch durch den zeitlichen Rhythmus des natürlichen Sonnenlichtes bestimmt. Die Steuerung der Hormone, insbesondere die Produktion von Serotonin, Cortisol und Melatonin, hängt vom täglichen Lichteinfluss ab. Da oft ausreichendes Sonnenlicht fehlt, kommt es zu einem Mangel an Tageslicht. Die biologische Uhr des Körpers wird desynchronisiert und unser Körper aktiviert oder deaktiviert zum falschen Augenblick bestimmte Körperstoffe und Hormone, wie beispielsweise Melatonin, das Schlafhormon. So wird Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Trübseligkeit hervorgerufen – man schläft lange, und ist dennoch nicht erholt. Darüber wird am 19. Februar 2015 (Modul 1 des Diplomlehrgangs des Inst. f. Licht u. Farbe) einer der besten Fachleute Österreichs sprechen: Prof. Dr. med. Wolfgang Marktl. Moderne Beleuchtungskonzepte helfen durch qualitativ hochwertiges Kunstlicht und vor allem durch Lichtsteuerung (Tagesnachführung) den Mangel an Tageslicht zu regulieren, um so den menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.

Licht gegen Depression und Burnout

Bereits in der Antike empfahl der griechisch-römische Arzt Galenus seinen saisonal depressiv verstimmten Patienten, im Winter in den Süden zu reisen. Immer häufiger wird auch heutzutage Licht zur Behandlung von depressiven Verstimmungen und Burnout-Syndrom eingesetzt. Auch hier gilt: Je sonnenähnlicher, desto besser. Am geeignetsten ist daher ein Temperaturstrahler wie die Halogenglühlampe. Dann – mit Abstand – folgen die LEDs, aber nur jene mit einem nicht zu hohen Blauzackenanteil und bester Farbwiedergabe. Wenig geeignet aufgrund ihres zerklüfteten Spektrums und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken sind Energiesparlampen. Fachleute wie Wunsch bezweifeln übrigens die Notwendigkeit extrem hoher Lichtstärken und erzielen gute Effekte mit Nahinfrarot.

Das Märchen von der umweltschonenden Energieeffizienz

Niedriger Stromverbrauch bei höherer Lichtausbeute und längerer Lebensdauer. Was in der Theorie zu gut klingt, um wahr zu sein, hat oftmals einen Haken. Gerne verschwiegen werden die Nachteile vieler moderner Leuchtmittel: Neben den Belastungen durch Lichtflimmern, qualitativ minderwertige Lichtspektren und Elektrosmog werden auch umwelttechnische Risiken wie die ökologisch bedenkliche Herstellung, das giftige Quecksilber, die kritische, kostenintensive Entsorgung als Sondermüll (so sie überhaupt wirksam erfolgt) und der höhere Anschaffungspreis gerne verschwiegen.

Natürlich verbrauchen Energiesparlampen weniger Strom als die Glühbirne. Bei der Berechnung der Energieeffizienz wird allerdings immer nur der Stromverbrauch während der Betriebsdauer in Rechnung gestellt. Hier schneidet die Glühlampe als Wärmestrahler naturgemäß schlechter ab als die Energiesparlampe. Doch was zeigt sich, wenn die gesamte Energiebilanz ins Auge gefasst wird – von der Herstellung bis zur umweltgerechten Entsorgung? Obwohl sich die Hersteller bedeckt halten, gibt es Schätzungen, dass die Energiebilanz ins Gegenteil kippen könnte. Die Entsorgung von Energiesparlampen stellt ein ökotoxologisches Problem dar. Während die herkömmliche Glühbirne problemlos im Hausmüll entsorgt werden konnte, sind Energiesparlampen aufgrund des Quecksilbers und der Leuchtstoffe Sondermüll. Beim Bruch einer Lampe stellen nicht nur die Scherben das Hauptgesundheitsrisiko dar, sondern das giftige Quecksilber – im Einzelfall wenig, bei Millionen Stückzahlen Tonnen von Quecksilber. Die neue Alternative des LED-Lichtes muss genau geprüft werden – hier gibt es sehr gutes, aber auch sehr minderwertiges Licht. Das Institut für Licht und Farbe recherchiert laufend und lädt einen der besten LED-Spezialisten nach Wien: Prof. DI Dr. Günther Leising von der Technischen Universität Graz (siehe Infokasten Workshop).

Karl Albert Fischer, ehem. Univ. Lekt. Prof. Mag. art., Member of AHC, ist Leiter des Österreichischen Instituts für Licht und Farbe.

 

Licht und Farbe: Workshops

Farbpsychologie-Workshop

Jeder Mensch hat eine individuelle und über Jahre gleich bleibende Palette von Vorzugs- und Ablehnungsfarben. Beim Workshop „Die Innere Farbenskala“ können Sie sie entdecken.

Mit dem Farbtest nach Dr. Heinrich Frieling liegt in knapp 20 Minuten eine farbige Persönlichkeitskurve vor. Sie gibt einen interessanten Einblick in das Naturell und die Verhaltensweisen eines Menschen und hilft, die richtigen Farben zu finden. Ein unentbehrliches Werkzeug für die individuelle Praxiseinrichtung oder für den therapeutischen Behandlungsraum, aber auch für den eigenen Privatbereich.

Termin: 21.–22. November 2014

Ort: Stadlauerstraße 39a, 1220 Wien bei TPal

Workshop Gesundheits-Licht oder Blaulicht-Gefahr?

Beim Workshop „Die Inneren Geheimnisse des Lichtes - Komfortlicht oder Lichtgefahren“ dreht sich alles um die Lichtgesundheit. Das Institut für Licht und Farbe zeigt, worauf es bei Lichtqualität ankommt. Die Schwerpunkte:

-Wie erkennt man die Lichtqualität modernerLampen?

-Bringen LEDs die ersehnte Lösung desLicht- und Energieproblems?

-Was ist wissenschaftlich exakteLichtmessung?

-Welches Licht hat positiven Einfluss auf dieGesundheit?

-Welches Licht kann schädlich sein – undwenn ja,in welchem Ausmaß?

-Welche Leuchtmittel sind nachweislichumweltschonend?

Gemessen und beurteilt werden auch Leuchtmittel und Lichtanlagen, die die Teilnehmer selbst vorlegen. Mit einem Bericht vom 4. Internationalen LED-Professional-Symposium (Bregenz, Oktober 2014).

Termin: 28. – 29. November 2014

Ort: Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien

Nähere Information und Anmeldung: www.lichtundfarbe.at oder +43 664 2011895

Karl A. Fischer und Judith Bräuer, Ärzte Woche 46/2014

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