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© Grösel-Grafik
Der Nerv, der die Schweißdrüsen anregt, wird an zwei Stellen mit feinen Titanclips blockiert.
 
Allgemeinmedizin 10. November 2014

Mini-Clip gegen das Schwitzen

Sympathikusblockade wirkt nachhaltig bei übermäßigem Achselschweiß und schwitzenden Händen.

Die Ergebnisse einer Zehn-Jahres-Studie zeigen eine hohe Erfolgsrate für die endoskopisch thorakale Sympathikusblockade.

Ob Sommer oder Winter – rund zwei Prozent der Bevölkerung leiden an übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose), und das 365 Tage im Jahr. Die Überaktivität der Schweißdrüsen fokussiert sich dabei zumeist auf bestimmte Körperregionen wie Hände, Füße und Achseln. Für viele Betroffene eine Qual, denn wer sichtbar schwitzt, gilt als nervös und unsicher.

Was also tun, wenn übermäßiges Schwitzen das (gesellschaftliche) Leben erschwert? Zunächst sollten organische Leiden wie etwa eine Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankung als Ursache ausgeschlossen werden, raten Internisten und Endokrinologen. Ist der Patient gesund und haben lokale Behandlungen versagt, löst ein kurzer, operativer Eingriff bei neun von zehn Patienten das Problem. „Mit einer einfachen Blockade an einer Stelle des Sympathikus-Nervs lässt sich übermäßiges Schwitzen in Handflächen und Achselhöhlen auf viel schonendere, nebenwirkungsärmere Weise als bisher eindämmen“, erklärt Doz. Dr. Georg Bischof vom Evangelischen Krankenhaus-Wien. Bisher musste der Nerv an drei Stellen, wo Nervenfasern zu Achselhöhle und Hand wegführen, durchtrennt werden. Durch die stark verbesserte Technik (endoskopisch thorakale Sympathikusblockade) wird der Sympathikus Nerv nur mehr an einem einzigen Ganglion mit einem speziellen Titanclip abgeklemmt. Durch die Erhaltung des Nervs ist der Eingriff auch potenziell reversibel.

Langzeitbeobachtungen zufolge, die Bischof mit Kollegen von der MedUni Wien durchgeführt hat, berichten 90 bis 95 Prozent der Patienten, die zuvor unter Achsel- oder/und Handschweiß gelitten hatten, von einem sehr zufriedenstellenden, anhaltenden Ergebnis ( Panhofer P et al.: Br J Surg 2013; 100 (11):1471–77 ).

Für viele Menschen mit stets feucht-nassen Händen ist dieser Eingriff ein Meilenstein zur Verbesserung der Lebensqualität. Denn im Gegensatz zur Achselhöhle gab es für die schweißnasse Handfläche bisher keine wirklich nachhaltige Lösung. Bischof: „Wie das Ergebnis der Studie zeigt, konnten wir durch diese Eingriffstechnik auch mögliche Nebenwirkungen, insbesondere kompensatorisches Schwitzen an anderen Körperstellen, auf ein Minimum reduzieren.

Was tun gegen übermäßiges Schwitzen?

Lokale Anwendungen

Aluminiumhaltige Salben: helfen in leichteren/mittelschweren Fällen; Schwitzen kommt zurück, wenn Anwendung unterbrochen wird; permanenter Hautkontakt mit Aluminium wurde als problematisch eingestuft.

Iontophorese-Bäder: Die Wirkung der Schwachstrombehandlung ist wissenschaftlich nicht erwiesen, zeigt aber bei manchen Patienten gute Erfolge. Nachteile sind der hohe Zeitaufwand für die tägliche Anwendung sowie die Kosten eines Geräts für Zuhause.

Botox-Injektionen: Botulinumtoxin verhindert die Übertragung des Nervenimpulses, wodurch die Schweißdrüsen kein Signal zur Schweißproduktion mehr erhalten. Die Wirksamkeit von Botulinumtoxin ist bei Hyperhidrose wissenschaftlich bestätigt. Nachteil ist, dass die Wirkung nur sechs bis acht Monate anhält (an den Handflächen zumeist noch kürzer) und sehr schmerzhaft sein kann.

Anti-Schwitz-Laser: Neue und schonende, ambulante Methode zur Stilllegung überaktiver Schweißdrüsen. Drei-Jahres-Ergebnisse zeigen eine sehr hohe, anhaltende Wirksamkeit. Nachteil: Die Methode gibt es derzeit nur für Achselhöhlen.

Operative Eingriffe

Saugkürettage: Das Gewebe wird unter der Lederhaut mit den darin enthaltenen Schweißdrüsen oberflächlich abgesaugt; es kann zu Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühlen oder zum Nachwachsen der Schweißdrüsen kommen.

Sympathikusblockade: Der Sympathikus-Nerv wird mit einem Titanclip abgeklemmt; potenziell reversibel; sehr geringe Rate an Nebenwirkungen.

Sympathektomie: Durchtrennung oder punktuelle Zerstörung der für das Handschwitzen zuständigen Sympathikus-Nervenstränge; nicht reversibel.

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