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© Joachim Angeltun / iStock / Thinkstock
Daten einer australischen Studie stehen im Widerspruch zu aktuellen Diätleitlinien, die einen graduellen Gewichtsabbau empfehlen.
 
Allgemeinmedizin 3. November 2014

Tempo des Abspeckens spielt keine Rolle

Weder schnell noch langsam verlorenes Gewicht hat einen Einfluss auf die erneute rasche Zunahme.

Wer langsam abnimmt, nimmt nicht so schnell wieder zu – diese Auffassung teilen auch viele Mediziner. Dennoch scheint sie falsch zu sein, wie eine australische Studie gezeigt hat.

Ob übergewichtige Menschen schnell oder langsam an Gewicht verlieren – bald darauf haben sie wieder das meiste des ursprünglich vorhandenen Specks auf den Rippen. So in etwa könnte man das Ergebnis einer diätetischen Interventionsstudie zusammenfassen, für die australische Mediziner um Katrina Purcell von der University of Melbourne 204 Teilnehmer mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 45 kg/m2 gewonnen hatten.

Für alle Probanden lautete das Ziel, 15 Prozent an Gewicht abzunehmen. 103 Teilnehmer sollten dies mithilfe einer Energie-reduzierten Diät (Tagesdefizit 400–500 kcal) in 36 Wochen erreichen. Bei 97 Studienteilnehmern war anvisiert, die Vorgabe von minus 15 Prozent Gewicht bereits nach zwölf Wochen zu erfüllen. Dazu mussten sie sich mit einer Formula-Diät begnügen, die ihnen höchstens 800 kcal pro Tag lieferte. Eine Gewichtsabnahme von mindestens 12,5 Prozent erreichten bis zum jeweils angepeilten Zeitpunkt 51 Prozent der Mitglieder der ersten und 78 Prozent der Probanden in der zweiten Gruppe. Rasches Abnehmen führte damit signifikant häufiger zum Ziel.

Nun begann die zweite Studienphase, in der die erfolgreichen Probanden ihr niedrigeres Gewicht über 144 Wochen konstant halten sollten. Dabei wurde ihnen nach Maßgabe einer Leitlinie zum gesunden Essen eine individuelle Diät empfohlen, und auch regelmäßige Diätberatungen gehörten zum Programm.

76,3 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zugenommen

Am Ende der 144 Wochen war die Bilanz mager – im Unterschied zu den meisten Probanden. In der Intention-to-Treat-Analyse (ITT) hatten die Teilnehmer durchschnittlich 76,3 Prozent des verlorenen Gewichts wiedergewonnen, unabhängig davon, ob sie langsam oder schnell abgenommen hatten. Bezog man nur jene Probanden in die Auswertung ein, die bis zum Ende der Studie durchgehalten hatten – das waren etwas mehr als die Hälfte – sahen die Ergebnisse mit 71,2 Prozent (langsame Gruppe) und 71,5 Prozent (schnelle Gruppe) zurückgekehrten Kilos nicht wesentlich besser aus.

„Das Tempo des Gewichtsverlustes beeinflusst nicht, wie viele verlorene Kilos 144 Wochen später wieder auf die Waage gebracht werden“, fassen Purcell und Kollegen in ihrer Arbeit zusammen. Diese Ergebnisse stünden im Widerspruch zu aktuellen Diätleitlinien, die einen graduellen Gewichtsabbau empfehlen – in der Annahme, dass schnelle Abnahme zu rascher Zunahme führt.

 

Originalpublikation: Purcell K et al. The effect of rate of weight loss on long-term weight management: a randomised controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol 2014; doi: 10.1016/S2213-8587(14)70200-1

springermedizin.de, Ärzte Woche 45/2014

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