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Allgemeinmedizin 4. Juli 2005

"Die Stufen zurück ins Leben"

"Die Schwere der körperlichen Nikotin-Abhängigkeit kann mit dem Fagerström-Test gemessen werden. Die wichtigste Frage des Tests: Wann rauchen Sie Ihre erste Zigarette? Der Smokelyzer-Test (= Test auf CO in der endexpiratorischen Luft in ppm - parts per million - angegeben) zeigt, wie schwer die "Raucher-Schädigung" tatsächlich ist" (siehe Abb.), berichtete Prof. Dr. Christian Leithner, Vorstand der I. Medizinischen Abteilung KFJ, Wien, bei einem interaktiven Satellitensymposiums am 25. Mai in Graz zum Thema "Der rauchende Patient".

Bei einem geringen Abhängigkeitsverhalten kann eine Raucherentwöhnung alleine mit Nikotinersatzpräparaten erfolgen. Leithner: "Wenn solche Entwöhnungsversuche wiederholt erfolglos waren oder eine starke körperliche Abhängigkeit vorliegt, sollte eine medikamentöse Rauchertherapie mit Bupropion (Zyban®) durchgeführt werden (siehe Abb.)."

Craving reduziert

Durch Zyban® werden die Entzugserscheinungen und das so genannte Craving (Belohnungseffekte) reduziert. Die Erfahrung zeigt aber, dass Zyban®-Patienten, die sehr stark abhängig sind, manchmal nicht alleine damit auskommen. Obwohl es keine statistischen Unterschiede zwischen einer Therapie mit Zyban® alleine oder in Kombination mit Nikotinersatzmedikamenten gibt, sollte in solchen Fällen eine Kombination der beiden Entzugsmethoden angewendet werden.

Übereinstimmug gab es bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Anti-Raucher-Therapie. Ein Patient, der sozial gut integriert ist und daher auch gute Erfolgschancen hat, muss behandelt werden. Aber auch sozioökonomisch schlechter gestellte Patienten mit zusätzlichen Suchterkrankungen, bei denen die Erfahrung zeigt, dass diese eine nur sehr geringe Chance haben, langfristig von ihrer Sucht befreit zu werden, sollten diese bekommen. Leithner: "Zyban® ist ein Medikament, das eine genaue Führung des Patienten verlangt. Das Präparat darf nicht leichtfertig verschrieben und Kontraindikationen müssen genau beachtet werden. Der Patient hat aber mit Zyban® wesentlich höhere Chancen vom Rauchen wegzukommen."

Interaktionen beachten

Wesentlichste Nebenwirkung ist das erhöhte potenzielle Risiko, einen Grand-Mal-Anfall zu erleiden. Kontraindikationen einer Zyban®-Therapie stellen unter anderen die schwere Leberzirrhose, eine Bulimie oder Anorexis nervosa und die manisch-depressive Psychose dar (siehe Kasten). Ein erhöhtes Grand-mal-Risiko besteht auch bei St.p. Schädel-Hirn-Trauma.

"Beim polymorbiden Patienten ist auch auf Interaktionen mit anderen Medikamenten zu achten", so Leithner.

Interaktionen können aufgrund einer Hemmung von Enzymsystemen durch Zyban® direkt und dadurch verzögerte Metabolisierung von Zyban® selbst oder anderen Medikamenten entstehen. Entsprechend sollte daher eine geringere Arzneimitteldosis der betroffenen Substanzen verwendet werden. Als "tödliche Kombination" stuft Leithner das kombinierte Vorliegen eines Diabetes mellitus und Nikotinabusus ein.

Instabile Diabetiker

Leithner: " Es handelt sich um eine besonders gefährliche Situation, da sich das kardiovaskuläre Risiko potenziert und die Mortalität verdoppelt. Auch das Risiko, eine diabetische Nephropathie zu entwickeln, ist erhöht. Bei metabolischer Entgleisung ist das Anfallsrisiko stark erhöht. Vorsicht ist vor allem beim instabilen und unzuverlässigen Patienten geboten, hingegen hat der gut eingestellte Diabetiker ein minimales Risiko. Die Risk-Benefit-Überlegung spricht aber auch hier eindeutig für die Gabe von Zyban®, am besten mit gleichzeitigem Nikotinersatz."

Zyban® beeinflusst zwar die Stoffwechsellage von insulinpflichtigen Diabetikern nicht, zu beachten ist jedoch, dass es nach dem Rauchstopp zu einer verstärkten Insulinwirkung kommt. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis eventuell reduziert werden.

Die Pharmakokinetik und -dynamik von Zyban® wird zwar durch Alkohol nicht beeinflusst, bei der Anwendung bei Alkoholikern ist jedoch große Vorsicht geboten, da Alkoholmissbrauch sowie das plötzliche Absetzen von Alkohol Situationen darstellen, die mit erhöhtem Anfallsrisiko verbunden sind. Leithner: "Ganz wesentlich ist es, die Patienten in ein Entwöhnungsprogramm zu integrieren und einem engen Setting-Programm mit regelmäßigen Kontrollen in der Ordination zu unterwerfen. Das gilt vor allem für den multimorbiden Patienten. Man muss die Patienten auch darauf hinweisen, dass es zu einer Änderung ihres gesamten Lebensstils mit Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und Erhöhung der körperlichen Aktivität kommen muss."

Quelle: Interaktives Satellitensymposium der Firma GlaxoSmithKline am 25.Mai in Graz. Das Auditorium konnte durch TED-Abstimmung in Form einer Doppelconference an der Diskussion teilnehmen. Informationen auch unter: www.jetztaufhoeren.at.

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