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Allgemeinmedizin 6. Oktober 2014

Diarrhoe: Nur lästig oder schon gefährlich?

Nach einer Woche muss etwas geschehen.

Meist klingt akuter Durchfall innerhalb von zwei bis drei Tagen von allein wieder ab. Dauert er aber länger als eine Woche, sollte an diagnostische Maßnahmen gedacht werden — umso eher, wenn es sich um ein „Reisesouvenir“ handelt.

Eine Stuhlfrequenz zwischen dreimal täglich bis einmal in drei Tagen gilt als normal. Eine normale Stuhlkonsistenz schließt eine Diarrhoe aus. Die akute Diarrhoe dauert zwei bis drei Tage, die persistierende zwei bis vier Wochen. Ab der vierten Woche geht man von einer chronischen Diarrhoe aus.

Meist viral bedingt

Die meisten Fälle von hierzulande erworbenen, akuten Diarrhoen sind viraler Genese: Zu ca. 50 Prozent werden sie von Norovirus verursacht, der anderen Hälfte liegt eine Infektion mit Rotaviren, enteralen Adeno- und Astroviren zugrunde. Nur in etwa 5 bis 15 Prozent der Fälle lässt sich eine bakterielle Genese nachweisen. Am häufigsten sind Campylobacter, Salmonellen, Shigellen und E. coli.

Bei welchen Patienten ist eine Stuhlkultur sinnvoll?

Eine Stuhlkultur sollte angelegt werden bei: immunkompromittierten oder multimorbiden Patienten mit hohem Risiko für Komplikationen; schweren, protrahiert-verlaufenden Durchfällen; Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung oder wenn ein hohes Risiko der Weiterverbreitung (Köche, Lebensmittelhändler etc.) besteht.

War der Patient im Ausland?

Reisediarrhoen sind überwiegend bakterielle Infekte; die häufigsten Erreger sind ETEC und enteroaggregative E. coli. Hier reicht meist eine symptomatische Therapie, in schweren Fällen sind Antibiotika nötig. Gelegentlich treten nach Reisen auch chronische Diarrhoen (meist Lamblien) auf.

Um eine Dehydratation bei Diarrhoe-Patienten zu verhindern, sollten sie pro Tag mindestens drei Liter trinken. Zu bevorzugen sind Glucose-Elektrolytlösungen. Bei heftigen Durchfällen kann Loperamid als symptomatisch wirkendes Antidiarrhoikum eingesetzt werden. Bei voluminösen wässrigen, unblutigen Durchfälle lassen sich die enteralen Flüssigkeitsverluste mit Racecadotril vermindern.

Hat der Patient in den letzten sechs Wochen vor dem Durchfall eine Antibiose erhalten — häufig tritt Diarrhoe nach Clindamycin-Anwendung auf, potenziell jedoch bei allen Antibiotika — muss man eine Antibiotika-assoziierte, meist (> 95 %) durch Clostridium difficile ausgelöste pseudomembranöse Colitis denken und das Toxin per dreimaliger Testung frischen Stuhls nachweisen. Therapiert wird in aller Regel mit Metronidazol (3x 400 mg oral über 10 bis 14 Tage). Vancomycin oral (4x 125 bis 4x 500 mg) sollte nur bei schwerem, lebensbedrohlichem Krankheitsverlauf, einer Schwangerschaft und bei Kindern unter zehn Jahren primär eingesetzt werden. Das Probiotikum Saccharomyces boulardii wird vor allem im Rahmen der Behandlung von Rezidiven (10 bis 20 %) empfohlen.

Wann endoskopieren?

Bei chronischer Diarrhoe, anhaltend blutigen Durchfällen, Verdacht auf paradoxe Diarrhoe (Tumorstenose?) und betont rechtsseitigen Unterbauchschmerzen (Morbus Crohn?) ist eine Endoskopie indiziert. Bei Verdacht auf Sprue (oft Eisen-Mangel) muss zusätzlich eine Gastroskopie gemacht werden.

Quelle: Der Hausarzt 2013/14; Urban & Vogel; DOI: 10.1007/s15200-013-0827-0

springermedizin.de, Ärzte Woche 41/2014

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