zur Navigation zum Inhalt
© Schlierner / fotolia.com
 
Allgemeinmedizin 23. August 2014

Medikationssicherheit

Patient – Arzt – Apotheker im Informationsaustausch

„Arzneimittelsicherheit ist das zentrale Thema der Pharmazie“, postulierte Mag. pharm. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, anlässlich der aktuellen Ausgabe des seit 50 Jahren erscheinenden Europäischen Arzneibuches. „Es ist eine Grundfeste in Sicherheit und Qualität und fehlt in keiner Apotheke.“ Für alle Medikamente, die direkt in der Apotheke angefertigt werden, die magistralen Rezepturen, gilt das Europäische Arzneibuch mit seinen hohen Qualitätsstandards als bindend.

Sicherheitsprofile der wichtigsten Arzneimittel

Das Sicherheitsprofil der wichtigsten Arzneimittelgruppen und ihre Interaktionen waren auch Schwerpunktthema eines Intensivkurses für Medikationsmanagement auf der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer Anfang des Jahres in Schladming. „Wenn man von Medikamentensicherheit spricht, muss man vor allem bedenken, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Medikamente reagieren“, betonte Mag. Martina Anditsch, klinische Pharmazeutin im Wiener Donauspital. „Das betrifft sowohl die Wirkung als auch die Nebenwirkungen der Medikamente, aber auch die Wechselwirkung mit verschiedenen Medikamenten, Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Das Risiko steigt mit der Anzahl der eingenommenen Arzneimittel. Es bedarf also einer genauen Einschätzung von Benefit und Nebenwirkung eines Medikaments und eines Informationsaustausches mit dem verschreibenden Arzt.“

Apotheker als Teamworker

Deshalb sollen die pharmakologischen Inhalte der Medikamente den Kollegen an der Tara verfügbar gemacht werden und durch fachliche Informationen die Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt und Apotheker erleichtern. Während im Spital, auf einer Station, die interdisziplinäre pharmazeutische Betreuung an Ort und Stellen, von der Aufnahme, der Teambesprechung bis zur Entlassung leichter ist, ergeben sich im niedergelassenen Bereich unterschiedliche Bedingungen. Hier kann der Apotheker als „Teamworker“ agieren, etwa wenn ihm eine Medikation als problematisch im Hinblick auf die bisherige Therapie eines Patienten auffällt. Dann wird der Patient darauf aufmerksam gemacht und Rücksprache mit dem Arzt gehalten. Arzt und Apotheker müssen die gleiche Sprache sprechen.

Cave Wechselwirkungen

Man unterscheidet zwischen pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Wechselwirkungen. Pharmakodynamische Wechselwirkungen sind immer dann zu erwarten, wenn zwei Wirkstoffe an einem Rezeptor, einem Erfolgsorgan oder in einem Regelkreis synergistisch oder antagonistisch wirken: So besteht die Gefahr der Hyperkaliämie bei Kombination von ACE-Hemmern, Spironolacton, Betablocker, NSAR, die Gefahr einer hypotonen Dysregulation bei Kombination mit alphaadrenolytisch wirkenden Pharmaka (Antihypertensiva, Prostatamittel, Antipsychotika); das Blutungsrisiko steigt unter SSRI über die Beeinflussung thrombozytärer 5-HAT-Rezeptoren (v.a. orale Antikoagulanzien, NSAR). „Vorsicht ist vor allem bei Medikamenten aus der Gruppe der NSAR geboten. So sollte beim Verkauf eines Ibuprofenpräparates immer nach der weiteren Dauermedikation gefragt werden, um zu wissen, ob es verabreicht werden kann“, warnte Anditsch.

Die pharmakokinetischen Interaktionen sind arzneistoffspezifisch und hängen von vielen Faktoren wie Organfunktion, Alter, Geschlecht, genetischen Faktoren und Nahrungsmitteln ab. So können etwa Broccoli, Spinat oder Grapefruit die Wirksamkeit von Medikamenten verändern.

Häufige Medikationsfehler bei der Verschreibung:

• Fehler bei Berechnung der Dosis

• Anpassung der Dosis bei Verschlechterung der Nieren und Leberfunktion

• Allergie auf Arzneimittelstoffe

• falscher Name des Arzneimittelstoffes - des Präparates, Arzneimittelform oder Abkürzung

• falsches Dosierungsintervall

sind häufige Verschreibungsfehler und können an der Tara korrigiert werden.

Beratung bindet den Patienten an den Apotheker

„Wichtig ist bei der Beratung des Patienten, auf seine persönlichen Parameter im Wechselspiel mit seiner Medikation einzugehen“, forderte Apothekerin Ursula Tschorn, DACON Datenbank Consulting GmbH, Bad Vilbel, Deutschland. In enger Kooperation mit der HCI Solution AG in der Schweiz und der Österreichischen Apotheker-Verlagsgesellschaft m.b.H. stellt die ABDATA Teile der CAVE Daten auch für den Schweizer und österreichischen Arzneimittelmarkt zur Verfügung.

Für eine Arzneimittelprüfung relevante Bereiche:

Erkrankungen des Patienten, Allergien, Kreuzallergien, Lebensumstände, z.B. Raucher, Sportler, Alter, Geschlecht, Interaktionen mit Arzneimitteln, Nahrungsmitteln, doppelte Medikation, Abhängigkeitsbildung, Beeinflussung des Reaktionsvermögens.

Für eine Arzneimittelprüfung bedarf es allerdings Informationen, die auch von Experten nicht immer überblickbar sind. „Hier nehmen die ABDA-Datenbank und das CAVE-Modul eine Aufbereitung der Informationen vor, sodass für den spezifischen Fall alle relevanten Informationen auf einen Blick zur Verfügung stehen. Dennoch kann eine Risikoprüfung mit CAVE nur so gut sein, wie der Apotheker informiert ist. Hier ist besonders eine enge Kooperation zwischen Arzt und Apotheker wichtig“, betonte Tschorn.

Fazit für den Alltag in der Praxis von Arzt und Apotheker

Je sicherer eine Arzneimitteltherapie für den Patienten ist und er darüber auch informiert wird, um so bereitwilliger und gewissenhafter wird er seine Medikamente auch einnehmen.

Quelle: Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, Schladming, Februar 2014

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 6/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben