zur Navigation zum Inhalt
© Olaf M./panthermedia.net
 
Allgemeinmedizin 21. August 2014

Zuckerersatz aus Stroh

TU Wien entwickelt kostensparende und einfache Herstellungsmethode.

Wie viele andere Zuckeraustauschstoffe ist der Süßstoff Erythritol kalorienfrei und nicht diabetogen. Allerdings hat er gegenüber anderen Zuckeralkoholen keine laxative Wirkung, was zu einer höheren Verträglichkeit beiträgt. Bis jetzt ist die Herstellung aufwändig und teuer. An der TU Wien wurde nun eine einfache Methode entwickelt, die mithilfe eines Pilzes den Süßstoff aus Stroh erzeugen kann.

Erythritol wird zu 90 Prozent über den Magen und Zwölffingerdarm aufgenommen und über die Niere ausgeschieden. Dadurch wird eine besonders hohe digestive Toleranz erreicht und die sonst für Zuckeralkohole (Sorbit, Maltit, Lactit und Isomalt) üblichen Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall werden stark vermindert. In Asien ist der Süßstoff sehr beliebt und gewinnt auch in Europa an Bedeutung. Bisher konnte er nur mithilfe bestimmter Hefestämme in hochkonzentrierten Zuckerlösungen hergestellt werden.

Stroh – Zucker – Erythritol

Eine weitaus einfachere Methode hat nun die TU Wien entwickelt, die mithilfe eines Schimmelpilzes Erythritol aus Stroh gewinnt. Dabei wird gewöhnliches Stroh fein zerhäckselt und „voraufgeschlossen“: Zellwände werden mithilfe von Lösungsmitteln aufgebrochen, das Lignin wird herausgelöst, weiterverwendet werden Xylane und Zellulose. Normalerweise würden nun teure Enzyme zum Einsatz kommen, die das Stroh weiter aufschließen und in Zucker zerlegen, oder Zucker enzymatisch aus Stärke gewinnen. Spezielle Hefestämme stellen dann im weiteren Produktionsschritt aus einer hoch konzentrierten Zuckerlösung das gewünschte Erythritol her.

Ohne Zwischenschritt zum Ziel

Die Enzyme, mit denen das Stroh aufgeschlossen wird, lassen sich aber auch aus dem Schimmelpilz Trichoderma reesei gewinnen. Allerdings wurde der Pilz an der TU Wien genetisch so verändert, dass sich zwei entscheidende Vorteile ergeben: Erstens müssen die Enzyme nicht mehr mühsam aus der Pilzkultur gewonnen und chemisch gereinigt werden, sondern der verbesserte Pilz-Stamm kann direkt auf das voraufgeschlossene Stroh aufgebracht werden. Zweitens erzeugt der Pilz direkt aus dem Stroh das gewünschte Erythritol. Der Zwischenschritt über die Produktion von Zuckerlösung ist nun nicht mehr nötig und auf die Verwendung von Hefe kann auch ganz verzichtet werden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben