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Dr. Daniela Stockenhuber Ausbildungsreferentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur; Akupunktur-Ambulanz im KH Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien
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Allgemeinmedizin 16. Juni 2014

Auf den Punkt gestochen

Die Akupunktur wurde ursprünglich auf Basis einer reinen Erfahrungsheilkunde entwickelt. Mittlerweile sind nerval-reflektorische und humoral-endokrine Wirkungen nachgewiesen.

Die Bezeichnung Akupunktur geht auf den holländischen Arzt Willem Ten Rhyne zurück, der die Wörter Acus (Nadel) und pungere (stechen) verwendete und damit auch die Methode der mehrere tausend Jahre alten Behandlungstechnik beschrieb. Als Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin geht sie von der Lebensenergie des Körpers aus, die auf definierten Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, zirkuliert und einen steuernden Einfluss auf alle Körperfunktionen hat. Bei der Anwendung dieser Behandlungsform stehen dem Therapeuten verschiedene Varianten der Akupunktur zur Verfügung.

Die Akupunktur als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist als eine mehrere tausend Jahre alte Behandlungsmethode in ein philosophisches Konzept eingebettet, welches bei näherer Betrachtung ein komplexes in sich schlüssiges Bild des Menschen und seiner Erkrankungen bietet. Sie ist als konstitutionelle Therapieform zu betrachten, die spezifisch auf jeden Patienten und dessen Beschwerdebild abgestimmt werden muss.

Ursprünglich war die Akupunktur eine reine Erfahrungsheilkunde, die durch Beobachtung wiederkehrender Effekte und Palpation entstanden ist. Nachdem die westliche Welt Anfang der 1970-Jahre mit der Akupunktur-Analgesie bei operativen Eingriffen konfrontiert wurde, ergab sich die Frage nach ihrer Wirkung, sodass eine intensive Forschungstätigkeit begann. Mittlerweile sind nerval-reflektorische und humoral-endokrine Wirkungen nachgewiesen. Ebenso konnten Effekte auf die Durchblutung und den Muskeltonus gezeigt werden (siehe Tabelle).

Die Bezeichnung Akupunktur geht auf den holländischen Arzt Willem Ten Rhyne (17. Jh.) zurück, der die Wörter Acus (Nadel) und pungere (stechen) verwendete und damit auch die Methode beschrieb. Die chinesische Bezeichnung lautet übersetzt etwa „Nadel stechen und Moxakraut brennen“, woraus hervorgeht, dass es auch mehrere Reizsetzungsmöglichkeiten an Akupunkturpunkten gibt.

Körperakupunktur und Microakupunktursysteme

Dem Therapeuten stehen nun generell verschiedene Varianten der Akupunktur wie die Körperakupunktur und Microakupunktursysteme (MAPS) zur Verfügung.

Die klassische Körperakupunktur kennt über 300 Punkte, die auf Leitbahnen (Meridianen) liegen, welche paarweise longitudinal am Körper angeordnet sind. Die Nomenklatur der Punkte erfolgte ursprünglich mit Eigennamen, die oft auf die Wirkweise und Indikation Bezug nahmen wie z. B. „Zusanli“, was übersetzt etwa „Dreimeilenpunkt des Beines“ heißt. Dieser Punkt gibt Kraft, stärkt die untere Extremität und ermöglicht, „drei Meilen weiter zu gehen“. In der modernen Nomenklatur wurden die auf bestimmten Meridianen liegenden Punkte einfach durchnumeriert, sodass dieser auf dem Magenmeridian gelegene Punkt nun Magen 36 heißt. Zusätzlich zu den auf den Hauptmeridianen gelegenen Punkten gibt es noch zahlreiche Extrapunkte, die wegen ihrer lokalen Wirkung oder indikationsspezifisch eingesetzt werden können.

Bei den Microakupunktursystemen oder Somatotopien handelt es sich um die nochmalige Repräsentanz des Gesamtorganismus auf einem begrenzten Teilbereich des Körpers, wobei die Projektion sowohl anatomisch als auch funktionell entsprechend der TCM erfolgt. Diese Punkte oder Zonen sind nur im Falle einer Störung aktiv bzw. nachweisbar und haben somit diagnostische und therapeutische Bedeutung. Von den unzähligen MAPS werden am Häufigsten die Ohrakupunktur, die YNSA (Yamamotos New Scalp Acupunktur) und die Koreanische Handakupunktur eingesetzt. Auch hier werden die für die Therapie benötigten Punkte nach Palpation und Schmerzhaftigkeit gewählt, für das Ohr etwa eignen sich auch Punktsuchgeräte, die durch Messen des elektrischen Hautwiderstandes den benötigten Punkt verifizieren. Die Therapie kann dann über Einmalnadeln oder vor allem bei der Ohrakupunktur über Dauernadeln, die über einen längeren Zeitraum belassen werden können, erfolgen.

Laser für Kinder und besonders Schmerzempfindliche

Als wirkungsvolle und völlig schmerzfreie Alternative zur Nadel steht für Kinder oder sehr schmerzempfindliche Patienten der Laser zur Verfügung. Die sogenannte Softlasertherapie kann wegen ihrer analgetischen und antientzündlichen Effekte sowohl zur Bestrahlung von Akupunkturpunkten als auch zur Flächenbehandlung bei verschiedensten Indikationen herangezogen werden. Bei der Koreanischen Handakupunktur werden in diesem Sinne auch gerne kleine Magnete auf empfindliche Stellen aufgeklebt, die dann von den Patienten selbst zur weiteren Schmerzreduktion immer wieder massiert werden können.

Beispiele für Indikationen

Bewegungsapparat: Die häufigsten Indikationen im Bereich des Bewegungsapparates sind Lumbago bzw. Lumboischialgie, Zervikalsyndrom gefolgt von Gonarthrose. Beschwerden des Bewegungsapparates zeigen generell ein gutes Ansprechen auf Akupunktur. Nach etwa zehn Therapien in wöchentlichen Abständen kann – statistisch belegt – eine Reduktion des VA-Scores um mehr als die Hälfte erzielt werden. Die Vorgehensweise bzw. Behandlungsstrategie im Sinne der Anwendung von Körperakupunktur, Körperakupunktur in Verbindung mit MAPS oder nur MAPS wird individuell entschieden und von der Grunderkrankung und vom Behandlungserfolg oder weiteren Indikationen abhängig sein.

Prinzipiell kann Akupunktur als Monotherapie, aber auch als Additivmethode zu schulmedizinischen Maßnahmen eingesetzt werden. Eine Medikamenteneinnahme wird z. B. nur langsam entsprechend der Verbesserung des Zustandsbildes reduziert. Auch Physiotherapie kann die Behandlung ergänzen. Die Häufigkeit der Behandlung variiert abhängig von der Dauer des Bestehens der Erkrankung – je akuter, desto häufiger wird genadelt, also auch mehrmals pro Woche.

Die einfachste Form der Körperakupunktur ist einen individuellen schmerzhaften „Ah-shi“-Punkt zu stechen. Üblicherweise wird jedoch ein Punkteprogramm gewählt, das von der betroffenen Region bzw. dem betroffenen Meridian abhängt. Außerdem wird auf weitere anamnestische Angaben wie z. B. Wettereinflüsse oder psychische Faktoren sowie Zungen- und Pulsdiagnostik Rücksicht genommen. Auch die Palpation ist beim Erstellen eines Programmes hilfreich, dadurch können Veränderungen der Gewebskonsistenz im Bereich der Haut, der Subcutis und der Muskulatur festgestellt werden und die entsprechenden Akupunkturpunkte in das Therapieprogramm einbezogen werden.

Neurologie: Zu den häufigsten neurologischen Indikationen gehören sowohl Neuralgien wie z. B. Trigeminusneuralgie oder Postzosterneuralgie, also Schmerzindikationen, als auch Vertigo, Schlafstörungen und Paresen, z. B. nach Insulten oder Schädel-Hirn-Trauma (SHT) sowie die periphere Facialisparese. Diese sehr unterschiedlichen Indikationen erfordern differenzierte Behandlungsweisen. Bei den Neuralgien wird z. B. durch eine Kombination von Körperakupunktur und Ohrakupunktur – wobei dann Dauernadeln im Ohr gesetzt werden – versucht, rasch die heftigen Schmerzen zu lindern.

Bei der neurologischen Rehabilitation nach SHT oder Insulten hat sich die YNSA (Yamamoto’s Neue Schädelakupunktur) besonders bewährt, bei der z. B. verschiedene „Brain Points“ zur Behandlung von zerebralen Veränderungen zur Verfügung stehen. Generell werden diese Indikationen deutlich längere Behandlungszeiträume benötigen, die Therapien erstrecken sich hier über viele Monate.

Allgemein gesehen stehen uns in der Akupunktur unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Für den Erfolg der Therapie ist es aber wichtig, die für den jeweiligen Patienten richtige Strategie zu finden.

Literatur bei der Verfasserin

Daniela Stockenhuber, Ärzte Woche 25/2014

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