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Allgemeinmedizin 3. Juni 2014

Sommer und Sport

Damit kleinere Verletzungen keine große Beeinträchtigung darstellen

Sommerurlaubszeit ist für viele Menschen eine Möglichkeit, ihren sportlichen Ambitionen intensiver als sonst nachzukommen. Die Begeisterung kann speziell bei Menschen, die üblicherweise weniger körperliche Bewegung gewöhnt sind, schnell in Enttäuschung umschlagen, wenn Überanstrengung und Verletzungen zu Schmerzen und funktionellen Einschränkungen führen.

Die beste Vorbeugung ist rechtzeitige Vorbereitung und gezielte Leistungssteigerung. Doch weder Training noch erhöhte Vorsicht schützen 100-prozentig vor Missgeschicken. Kleinere Verletzungen beim Sport lassen sich dann häufig durchaus in Eigenregie behandeln. Wie dies am besten geht und welche Produkte dabei zur Hand sein sollten, kann die Apotheke ihren sportlichen Kunden und solche, die es werden wollen, im Beratungsgespräch vermitteln.

„Die Muskelverletzung ist in Form der Muskelzerrung die häufigste Sportverletzung“, stellen Mauch et al. fest. Je nach Dauer und Ablauf, werden akute von chronischen bzw. Rezidivverletzungen der Muskeln unterschieden. Meist sind es akute Verletzungen, die durch exzentrische Krafteinwirkungen entstehen, die die konzentrische Krafteinwirkung um das 1,5 bis 1,9 Fache übersteigen.

Bei der Mehrzahl der Muskelverletzungen handelt es sich um indirekte Partialrupturen (Minor), die ohne Narbenbildung ausheilen. Diese Verletzungen rufen ohne direktes Trauma einen nur geringen strukturellen Schaden hervor. Höhergradige Muskelverletzungen durchlaufen zur Heilung einen reparativen Prozess aus Verletzungs-/Entzündungsphase, Reparationsphase und Remodelingphase, wobei sich eine mehr oder weniger stark ausgebildete Narbe bildet.

Milde Formen der Muskelverletzung sind charakterisiert durch nur geringen strukturellen Schaden, geringe Schwellung und wenig Schmerzen, begleitet von geringem Kraftverlust und Bewegungseinschränkung. Moderate Formen weisen bereits einen höheren Schaden auf und gehen mit einem deutlichen Funktionsverlust einher.

Therapie

Da Sportverletzungen im Bereich der Muskeln überwiegend leichterer Natur sind, stellt die konservative Therapie auch die häufigste Therapieoption für die Behandlung dar. In vielen Fällen vor allem im Freizeitsport ist eine konservative Therapie nach dem RICE- oder PECH-Prinzip mit nachfolgender beschwerdeabhängiger zunehmender Belastung ausreichend, um die Rückkehr zum Sport zu ermöglichen. Unabhängig von der Schwere der Verletzung sollte der Betroffene sich aber genügend Zeit nehmen, um die Phasen der Regeneration zu durchlaufen, stellen Mauch et al fest.

Die vier Maßnahmen des RICE - „rest/ice/compression/evaluation“-Konzepts sollten sofort nach der Verletzung eingeleitet und bis zu 24 Stunden nach der Verletzung weitergeführt werden. Die Maßnahmen sollen die Retraktion der Muskelstümpfe und die Einblutung an der verletzten Stelle möglichst gering halten, um eine möglichst kleine Narbenbildung zu erreichen. Die Eisanwendung erfolgt über 15 bis 20 Minuten mit 30 bis 60 Minuten Pause, gefolgt von einer elastokompressiven Wickelung mit Kurzzugbinden. „Die Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) kann“, so Mauch et al. „in der Akutphase sinnvoll sein. Zusätzlich können Tauchbäder für 10 min bei 25°C in dieser Phase angewandt werden. Der hydrostatische Wasserdruck unterstützt hier die RICE-Anwendung.“

Ergänzt werden können diese RICE-Maßnahmen durch passive Anwendungen wie Elektrotherapie, Iontophorese, Lymphdrainage sowie klassische Massage. Sobald die Beschwerden deutlich nachlassen, kann der Übergang in die Regenerationsphase erfolgen und der Betroffene mit leichten Bewegungsübungen unterhalb der Schmerzgrenze, Dehnungsübungen sowie Radfahren und Wasserjoggen beginnen. In der funktionalen Phase schließlich kann die vorsichtige Wiederaufnahme des Trainings bzw der sportlichen Betätigung erfolgen.

Vorbereitung für kleinere Notfälle aus der Apotheke

Um die sportlich aktiven Kunden vor der Urlaubsreise entsprechend auszustatten, stehen eine ganze Reihe von Produktbereichen zur Verfügung. Im Bereich Muskeln sind dies Produkte zur Pflege und Behandlung von Verletzungen mit Einreibungen, Massageölen, pflegenden Produkten (Gele, Sprays, Salben), Kühlendem (Coolpacks, Eis-/Kältesprays), außerdem Analgetika bzw. Antiphlogistika sowie Salben oder Gele mit abschwellender, schmerzstillender sowie entzündungshemmender Wirkung.

Im Bereich Gelenke steht ein Sortiment für den Gelenkschutz und zur Behandlung von Beschwerden mit Bandagen, diversen Binden, Tapes sowie Pflaster/Sprühkleber zur Verfügung; außerdem könnte man an Glucosaminpräparate denken sowie Schmerzmittel und entzündungshemmende Präparate einsetzen.

 

 

Quelle: F. Mauch · R. Best · G. Bauer: Aktuelle Behandlungskonzepte bei Muskelverletzungen, Unfallchirurg 2013 · 116:488-496

Springer-gup.de, Apotheker Plus 5/2014

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