zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Häufiger Sex durch Antihypertensiva?

Die erektile Dysfunktion ist nicht nur als Begleitsymptom einer Hypertonie zu verstehen, sondern stellt auch bei der antihypertensiven Therapie bei vielen Patienten ein Problem dar, das die Compliance stark reduziert.

US-Studie: Zwölfwöchige Therapie mit Losartan

Nun machte eine amerikanische Studie auf sich aufmerksam, die sogar von einer Verbesserung der erektilen Dysfunktion bei Angiotensin II-Rezeptorenblockern berichtet. Anlässlich der 73. Tagung der American Heart Association in New Orleans im US-Staat Louisiana wurde die Studie präsentiert.

Prof. Dr. Carlos M. Ferrario von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, USA, und sein Team beobachteten 82 Männer mit Hypertonie und erektiler Dysfunktion, sowie 82 Männer ohne Störung der sexuellen Funktion während einer zwölfwöchigen Therapie mit dem A-II-Rezeptorenblocker Losartan (Cosaar®). Alle Patienten hatten bisher andere Antihypertensiva eingenommen. Die meisten Patienten in der Untersuchung mit Losartan konnten über eine Verbesserung der erektilen Dysfunktion berichten. Auch in der Kontrollgruppe ohne sexuelle Funktionsstörung hatte die Gabe von Losartan keinen negativen Einfluss auf Erektionsfähigkeit, sexuelle Zufriedenheit und Häufigkeit der sexuellen Aktivität.
"Diese Effekte dürften sich aber lediglich auf die Therapie mit A-II-Antagonisten limitieren. Bei ACE-Hemmern oder Kalziumkanalblockern konnten diese Beobachtungen in unserer Untersuchung nicht gemacht werden", erklärt Ferrario.

Hypertonie als Ursache der sexuellen Störung

"Diese Erkenntnis hilft uns auch, den Mythos zu beseitigen, dass alle Antihypertensiva an sich zu erektiler Dysfunktion führen. Vielmehr ist sie Teil der Hochdruckerkrankung." Sie kann, so der Kardiologe, als frühes Warnsymptom einer Gefäßerkrankung gelten und als Marker zur Bewertung der Effektivität einer antihypertensiven Therapie herangezogen werden. Eine gezielte Fragestellung in diese Richtung wäre daher angebracht. Umso mehr sollte dann nicht unbedingt von Medikamenten Gebrauch gemacht werden, die diesen Zustand möglicherweise noch verschlimmern.

Wirkmechanismus noch nicht genau bekannt

Ferrario: "Schließlich ist die medikamenteninduzierte Impotenz eine der Hauptgründe für die Beendigung der Therapie durch den Patienten." Bereits vor einigen Jahren war man zu der Auffassung gekommen, dass verschiedene Faktoren im Rahmen der Hypertonie zu erektiler Dysfunktion führen können. Oftmals liegen die sexuellen Störungen bereits vor Therapiebeginn vor, werden vom Betroffenen jedoch erst durch die medizinische Intervention oder die Medikamentengabe bewusst wahrgenommen. Ein Absetzen oder "Switchen" der Substanzen löst dieses Problem daher nicht in allen Fällen. Die sexuelle Dysfunktion scheint oft ein großes  nicht immer zur Sprache gebrachtes  Bedenken der Patienten im Hinblick auf eine antihypertensive Therapie zu sein.

Es sollten daher primär Medikamente zum Einsatz kommen, welche die sexuelle Funktion nicht beeinflussen. Gerade Substanzen, die in das Renin-Angiotensin-System eingreifen, scheinen hierfür geeignet. Betablocker oder Alpha-Adrenorezeptren Agonisten könnten unter anderem einen suppressiven Effekt auf den freien Testosteron-Plasmaspiegel haben.

Generell kann eine effektive Behandlung der Hypertonie die Störungen in diesem Bereich aufheben, ist Ferrario überzeugt. Gründe für die Verbesserung einer erektilen Dysfunktion könnten in der Normalisierung der Insuffizienz der Gefäße bei Hypertonikern sein. Der genaue Wirkungsmechanismus ist jedoch noch nicht bekannt. Bei der Therapie mit Losartan bildet sich die veränderte Struktur der Gefäße wieder zurück und die endotheliale Funktion wird wiederhergestellt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben