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Der Kalorienbedarf sinkt beim Älterwerden nicht grundsätzlich. Allzu strenge Diäten sollten im Alter nicht mehr verordnet werden.
 
Allgemeinmedizin 14. Mai 2014

Im höheren Alter lieber ein wenig mehr Gewicht

Vorsicht mit Diäten bei älteren Menschen.

Hausärzte sollten bei älteren Menschen jährlich den Ernährungszustand kontrollieren, raten Geriater auf dem DGIM-Kongress. Doch Achtung: Diäten können für Menschen ab einem Alter von 65 Jahren schnell zum Sargnagel werden.

Ebenso selbstverständlich wie die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks sollte die Kontrolle des Ernährungszustands sein. Das hat Prof. Dr. Cornel Sieber beim Internistenkongress in Wiesbaden, Deutschland, gefordert. Mindestens einmal pro Jahr sollte dies bei Älteren geschehen. Sieber, Geriater aus Regensburg und Direktor des Instituts für Biomedizin an der Universität Nürnberg, schlägt vor, dies anhand eines Fragebogens zu machen. Bei der Bewertung des Ernährungszustands sei bei älteren Menschen unbedingt zu berücksichtigen, dass der Body-Mass-Index (BMI) eingeschränkte Aussagekraft haben kann, erinnerte Sieber. Nach bisherigen Daten ist für über 65-Jährige ein BMI von etwa 27 optimal, also ein BMI, bei dem sonst von „moderatem Übergewicht“ gesprochen wird. Sieber wies auf eine Studie bei über 65-Jährigen hin, in der ein BMI unter 20 mit deutlich erhöhter Mortalität einherging: Bei einem BMI unter 20 waren nach einem Jahr 45 Prozent der Studienteilnehmer gestorben, bei einem BMI über 35 lebten alle noch.

„Vorsicht mit Diäten bei über 65-Jährigen!“, lautete deshalb eine weitere Botschaft Siebers. „Die Patienten verlieren nur Muskulatur; das ist ein Sargnagel!“ Sarkopenie plus Übergewicht sei eine „ungute Kombination“, das Sturzrisiko dieser Patienten sei um den Faktor Drei erhöht.

Wenn überhaupt, dann sollte eine Gewichtsreduktion parallel zu verstärkter körperlicher Aktivität stattfinden. Unabhängig davon – und das Ausmaß der möglichen körperlichen Aktivität ist bei Älteren ja oft limitiert – sei eine quantitativ und qualitativ adäquate Ernährung nötig.

Ceiling-Effekt setzt früher ein

Wichtig ist dabei für Sieber: Mit dem Älterwerden sinkt nicht per se auch der Kalorienbedarf. Und: Auch Ältere können mit proteinreicher Kost Muskelmasse aufbauen. Zu beachten sei dabei, dass bei Älteren relativ früh ein so genannter Ceiling-Effekt eintritt: Pro Mahlzeit können immer nur 20 bis 30 Gramm Proteine in den Aufbau von Muskulatur verstoffwechselt werden. Bei einem Tagesbedarf von mindestens ein bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht bei älteren, gebrechlichen Personen müsste also jeweils ein Drittel zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen verzehrt werden.

Zum Frühstück reiche also ein Butterbrot mit Marmelade nicht aus,, es müssten zum Beispiel Milchprodukte auf den Tisch. Decken Ältere ihren Bedarf an Eiweiß nicht durch die drei Hauptmahlzeiten, helfen proteinreiche Supplemente zwischen den Mahlzeiten.

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