zur Navigation zum Inhalt
© fred goldstein / fotolia.com
 
Allgemeinmedizin 28. April 2014

Gegen alle Empfehlungen

Bei Kopfschmerzen raten Experten von einer routinemäßigen bildgebenden Diagnostik ab – offenbar mit wenig Erfolg, wie eine US-Studie zeigt.

Die Furcht, hinter häufigen Kopfschmerzen könne doch etwas Ernstes wie etwa ein Hirntumor stecken, führt nicht selten dazu, dass ein bildgebendes Verfahren zur Klärung bemüht wird. Doch nur bei ein bis drei Prozent der Betroffenen mit chronischen Kopfschmerzen wird im CT oder MRT tatsächlich eine Auffälligkeit entdeckt – ebenso häufig wie bei beschwerdefreien Menschen. Aus diesem Grund sprechen sich US-Leitlinien schon seit dem Jahr 2000 gegen die routinemäßige Bildgebung aus. Auch das American College of Radiology hat in seine Top-5-Liste der Choose-Wisely-Kampagne den Punkt aufgenommen, bei der Diagnostik unkomplizierter Kopfschmerzen keine bildgebenden Verfahren anzuwenden.

Wie häufig in solchen Fällen in den USA dennoch CT und MRT in der diagnostischen Findungsphase bei Erwachsenen eingesetzt werden, haben Brian Callaghan et al. analysiert: 12,4 Prozent aller Kopfschmerz- und 9,8 Prozent aller Migränepatienten erhielten eine bildgebende Untersuchung. Waren die Beschwerden als Primärdiagnose aufgeführt, wurde sogar noch häufiger ein CT oder MRT angeordnet (15,9 bzw. 11,7 Prozent). Dabei war ein zunehmender Trend über die Jahre erkennbar: Von 1995 bis 2010 stieg der jährliche Anteil der Kopfschmerzpatienten mit bildgebender Diagnostik von 5,1 Prozent auf 14,7 Prozent.

Die Neurologen fordern, die Patienten besser über den tatsächlichen Nutzen solcher Untersuchungen aufzuklären. Mitchell H. Katz, Los Angeles, wies zudem in einer „Editor’s Note“ auf die Strahlenbelastung für die Patienten sowie die Problematik möglicher Zufallsbefunde hin .

Callaghan BC et al.: JAMA Intern Med 2014; online 17. März

springermedizin.de, Ärzte Woche 18/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben