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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Katastrophe auf einer Wellenlänge

Kommunikation kann Leben retten, wenn Ärzte, Sanitäter, Feuerwehr und andere Helfer bei einer Katastrophe, fachsprachlich Großschadenereignis, rasch und unkompliziert miteinander Verbindung aufnehmen können. Was so selbstverständlich erscheint, war und ist in der Realität ein ernstes Problem, denn die diversen Blaulichtorganisationen funken auf unterschiedlichen Frequenzen. Als Folge davon müssen Einsatzleiter bei derartigen Ereignissen gleich mehrere Funkgeräte bedienen, was Zeit und Nerven kostet und Verunfallten mitunter das Leben.

Neues Sicherheits-Funknetz

Neue technische Voraussetzungen geben Anlass zur Hoffnung. Das war eine der Botschaften, die der Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA) bei der diesjährigen Katastrophenübung am 25. Mai in Kärnten vermittelte. Mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort und insgesamt 350 in der Gesamtorganisa-tion prüften regional das neue Sicherheits-Funknetz TETRA.
Samstag Nachmittag, 16 Uhr, in der Nähe von St. Veit an der Glan: Ein voll besetzter Schulbus fährt auf einen Holztransporter auf und kippt um. Durch in den Bus eingedrungene Holzstämme erleiden zahlreiche Kinder schwere Verletzungen, gut ein Dutzend wird aus dem Fahrzeug geschleudert. Ein nachfolgender Bus - ebenfalls voll besetzt mit Kindern - kann rechtzeitig bremsen, doch die Insassen sind von dem, was sich vor ihren Augen abspielt, schwer geschockt.
Kaum 10 Minuten nach Alarmierung sind die lokalen Feuerwehren am Ort des Geschehens. Rettungsautos der Malteser und des Roten Kreuzes sowie die Gendarmerie treffen kurz danach ein. Auch Psychologen zur Betreuung der Verletzten und Geschockten sowie ein Seelsorger werden angefordert.
Während die Feuerwehr die Unfallstelle absichert, verschafft sich Einsatzleiter Mario Spanyi einen ersten Überblick der Situation, um den Ablauf der Aktivitäten zu koordinieren. Der Leitende Notarzt, Dr. Rudolf Kramer, kann wenig später mit der Triage beginnen.
Seit der Katastrophe von Kaprun oder dem September-Inferno vergangenes Jahr in New York wird auch der psychologischen Betreuung sowohl von Betroffenen als auch von Helfern bei und nach einem derartigen Ereignis mehr Augenmerk geschenkt. Deshalb haben die Malteser diesmal ganz bewusst auch Krisenpsychologen vor Ort eingesetzt. "Professionelle Hilfe zur Verarbeitung der psychisch belastenden Eindrücke ist notwendig und wertvoll", betonte Notarzt Kramer im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. "Die Zusammenarbeit mit Psychologen wird im Realeinsatz immer wichtiger", erklärt der Katastrophenhilfebeauftragte des MDHA die Einbindung dieser Berufsgruppe in die Übung.

Gut eingespielte Versorgung 

Weiter am Ort des Geschehens: In der Zwischenzeit sind zwei Zelte zur Versorgung der Verletzten errichtet, Sanitäter und die Männer der Feuerwehr beginnen mit der Bergung der Verunglückten. Die schwer geschockten Kinder aus den zweiten Bus dürfen aussteigen, die panischen Fluchtversuche einzelner können nur mit Mühe von den Helfern verhindert werden. Der Leitende Notarzt teilt die Verletzten in drei Kategorien, eine Helferin registriert jeden Einzelnen, um den weiteren Verlauf der Versorgung jederzeit überprüfen zu können.
Priorität hat der Abtransport der Schwerverletzten. Zwei in der Nähe stationierte Hubschrauber des Bundesheeres werden angefordert, um die in Lebensgefahr Schwebenden als erste ins Spital zu fliegen; laufend verlassen Rettungsautos den Unfallort.
Bilanz knapp eine Stunde nach Eintreffen der ersten Helfer: 23 von 29 Schwerverletzten sind abtransportiert, vor Ort bemühen sich mehrere Ärzte und Psychologen um die Versorgung der übrigen Opfer, der Seelsorger betreut Sterbende.
Zwei Stunden nach dem Unfall zogen die Vertreter der beteiligten Blaulichtorganisationen Bilanz. Betont wurde die volle Zufriedenheit mit dem zum ersten Mal bei einem Großschaden getesteten TETRA-Bündelfunk. "Eine rasche, präzise und effiziente Kommunikation sei beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Organisationen unabdingbar", betont Sturzeis. Auch das Zusammenspiel zwischen Sanitätern und psychologischen Teams habe sich als entscheidendes Element in der Katastrophenhilfe erwiesen und sollte fixer Bestandteil bei derartigen Übungen werden. 

Herbert Hauser, Ärzte Woche 23/2002

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