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Allgemeinmedizin 1. April 2014

Supplementierung zur Prävention

Kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs: Empfehlungen einer Experten-Gruppe fallen unentschieden bis negativ zu Vitaminen aus.

Zur präventiven Wirkung von Vitamin- und Mineraliensupplementen hat sich die US-Preventive Services Task Force (USPSTF) geäußert. Sie empfiehlt, zumindest vorerst, nichts zu empfehlen oder sogar abzuraten.

Bei der USPSTF handelt es sich um eine 1984 ins Leben gerufene Gruppe unabhängiger Experten in Präventions- und evidenzbasierter Medizin. Die USPSTF-Mitglieder sichten systematisch die vorhandenen Daten zu präventionsmedizinischen Themen und geben anschließend Empfehlungen heraus. Eine solche liegt nun auch für den Einsatz von einzelnen Vitaminen, Mineral- und Multivitaminpräparaten in der Prophylaxe von kardiovaskulären und Krebserkrankungen vor. Die Bilanz fällt unentschieden bis negativ aus.

Zu beachten ist jedoch, dass sich die Ratschläge an gesunde Personen ohne spezielle Ernährungsbedürfnisse richten. Sie gelten nicht für Kinder, Schwangere und chronisch Kranke bzw. Menschen mit Nahrungsdefiziten.

Ratschläge der USPSTF

Im Einzelnen spricht sich die USPSTF folgendermaßen aus:

• Hinsichtlich der Prävention von kardiovaskulären Krankheiten oder Krebs reichen die Daten nicht aus, um Nutzen und Schaden von Multivitaminen gegeneinander abzuwägen.

• Ebenso wenig lässt sich eine solche Abwägung für einzelne Nahrungszusätze oder paarweise Kombinationen davon (etwa Vitamine plus Mineralien, z. B. Vitamin D plus Kalzium) vornehmen. Hiervon gibt es allerdings zwei Ausnahmen: Zu Betakarotin- und Vitamin-E-Supplementen wird explizit nicht geraten. Es liegen laut USPSTF ausreichende Belege dafür vor, dass Betakarotin das Lungenkrebsrisiko von gefährdeten Personen (wie Rauchern oder Asbestexponierten) erhöht. Die Datenlage für Vitamin E erachten die US-Experten für gefestigt genug, um einen Schutzeffekt gegen Herz- und Gefäßerkrankungen sowie gegen Malignome ausschließen zu können. „Nicht empfehlenswert“, lautet ihr Fazit.

Potenzielle Nachteile

Erwähnt werden auch geringere potenzielle Nachteile durch die Vitamineinnahme. Dazu zählen die Hyperkarotinämie oder Gelbfärbung der Haut durch Multivitamine und Betakarotin, Hautausschläge durch Multivitamine, kleinere Blutungen ebenfalls durch Multivitamine sowie gastrointestinale Symptome, hervorgerufen von Kalzium und Selen. Ernsterer Natur sind Hüftfrakturen unter Vitamin A, Prostatakrebs unter Folsäure und Nierensteine durch Vitamin D und Kalzium.

Das Abschlussurteil mündet in die Empfehlung, auf Betakarotin und Vitamin E zu verzichten. Um Nutzen und Schaden sonstiger einzelner oder kombinierter Vitamine bzw. Mineralien im Kampf gegen kardiovaskuläre Leiden und Krebs abzuschätzen, sind laut USPSTF nicht genügend Daten vorhanden.

 

Originalpublikation: Moyer VA et al. Vitamin, Mineral, and Multivitamin Supplements for the Primary Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer: U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement. Ann Intern Med 2014, online 25. Februar; doi: 10.7326/M14-0198

springermedizin.de, Ärzte Woche 14/2014

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