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Allgemeinmedizin 10. März 2014

Höhenkrankheit

Kann man ihr entgehen?

Dr. Michael Jahn, Sie sind sportlich aktiv, versierter Reiseleiter, auch in den Anden. Bitte beschreiben Sie uns das Bild der Höhenkrankheit.

Jahn: Höhenkrank wird man - je nach Konstitution und Kondition - „normalerweise“ erst ab 2.000m, wenn man selten in den Bergen ist. Das beginnt mit (leichtem) Kopfweh, kann bei größerer Höhe in Schwindelgefühle übergehen, danach folgt stechender Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Dann jedenfalls sollte man umdrehen und absteigen, da die nächste Stufe dann Ödeme (Hirn, Lunge) sind.

Waren Sie selbst auch einmal an Höhenkrankheit erkrankt?

Jahn: Ja doch, weil ich einmal zu schnell und letztlich doch ungenügend akklimatisiert in Peru auf einen 6.000er hinauf wollte. Die letzten 100m sollten nicht sein. Es war zweifellos besser, rechtzeitig umzudrehen - wie überhaupt gelten muss: lieber 10x „zu früh“ umdrehen als einmal zu spät.

Welche Maßnahmen stehen uns zur Verfügung, um den Körper auf einen Aufenthalt in höher gelegenen Orten der Welt vorzubereiten?

Jahn: Die richtige Vorbereitung ist die „halbe Miete“, d.h.: entsprechend Tage oder zumindest ein bis zwei Sonntage oder Wochenenden vor einer Tour in höhere Gegenden Bergwanderungen, am besten mit Übernachtung in der Höhe - also z.B.: Ramsau mit Dachstein Wanderung, wenn man Touren über 4.000m plant.

Allgemein gilt: Sich aus tieferen Lagen langsam hocharbeiten, Tagesetappen nicht über 600 bis 800 Höhenmeter. Trinkmenge bewusst auf zwei bis drei Liter pro Tagsetzen, ab 4.500 m noch erhöhen.

Gibt es individuelle Unterschiede im Vertragen großer Höhen?

Jahn: Ja, denn die Aufnahme- bzw. Verwertungskapazitäten der Menschen sind durchaus unterschiedlich, wie sehr und wie rasch sie sich dem verminderten Partialdruck und dem geringeren Sauerstoffgehalt anpassen können. Natürlich spielen auch Erfahrung, wie auch schon mal erfolgreiche Höhenakklimatisationen, eine Rolle, wobei man sagen muss, dass auch die besten Höhenbergsteiger bei längeren Tour-Pausen ebenfalls immer wieder Adaptionen benötigen. Interessant ist auch, dass Frauen häufig schneller adaptieren!

Viele Menschen sind im Alltag sportlich inaktiv. Sie planen dann z.B. eine Reise in die Anden. Was empfehlen Sie diesen?

Jahn: Klarerweise ist jede sportliche Tätigkeit wertvoll, Stichwort: Grundlagenausdauer. Ganz wichtig wäre aber in solchen Fällen doch ein bis zwei Höhenwanderungen vor der Reise, also Rax, Schneeberg zumindest - man kann es dann einfach mehr genießen.

Wie viel Zeit braucht der menschliche Organismus, um sich an größere Höhen anzupassen?

Jahn: Das kommt auf die Wunsch- Höhe an. Ganz grob gesagt sind alle 2000hm kritische Schwellen, dh für 4000 vielleicht eine Woche, für 6.000 zwei Wochen, für 8.000 drei Wochen.

Ist es ratsam, bei einem Aufstieg in größere Höhe Sauerstoff mitzunehmen, und von welchen Höhen sprechen wir hier?

Jahn: Bei den guten Bergsteigern ist Sauerstoff vielleicht ab 7.000m ein Thema, Spitzenleute schaffen auch die hohen 8.000er ohne. Für den eher ungeübten und untrainierten Touristen gibt es auch in Cuzco und La Paz in den Hotels Sauerstoff für den Notfall - ansonsten reicht Cocatee.

Grundsätzlich gilt aber bei Touren in die 6000er-Region abseits der Touristik: es sollten Sauerstoffnotflaschen (+Masken ) und ein Certecbag dabei sein. (Certecbag ist ein Kunststoffsack, der aufgepumpt einen Partialdruck von ca 2.500m Höhe simuliert - und damit einen Notabtransport ermöglicht).

Gibt es Vorerkrankungen oder akute Erkrankungen, die einen Aufstieg in größere Höhen als kontraindiziert erscheinen lassen würden?

Jahn: Ein ernsthafter Gesundheitscheck beim Internisten ist jedenfalls sinnvoll, wenn man noch nie über 2.000m war. Herz, Lunge wie auch Blutdruck sollten gecheckt werden, auch Diabetiker werden sinnvollerweise Rücksprache mit ihrem Arzt halten! Fieber und Entzündungskrankheiten sollten ausgeheilt sein.

Schreckt die Höhenkrankheit viele Interessierte ab?

Jahn: Ich hoffe nicht, denn die Erlebnisse, gerade in den angesprochenen Anden, sind überwältigend und vermitteln Bilder, die man lange Zeit, ein Leben lang beglückend mitnimmt!

Kann man der Höhenkrankheit entgehen?

Jahn: Im Prinzip ja:

  1. Gesundheitscheck,
  2. Vorbereitung durch Höhenwanderungen,
  3. vor Ort dann entsprechend langsames Bewegen, nichts Schweres heben, keine plötzlichen Leistungen, wie Laufen, schnell Stiegen steigen,
  4. Rauchen vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren - dann wird die Reise ein Erfolg.

Das Gespräch führte R. Höhl.

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