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Allgemeinmedizin 21. Februar 2014

Banale Erkältung: Viele Viren im Spiel

Immunsystem und Wohlbefinden unterstützen

Banale Atemwegsinfekte sind die häufigsten Infektionen des Menschen überhaupt. Kleinkinder sind bis zu 13-mal im Jahr davon betroffen, Erwachsene durchschnittlich zwei- bis dreimal im Jahr. In erster Linie werden diese Infekte von Viren, selten zusätzlich durch Bakterien verursacht.

Laut Untersuchungen haben nur acht Prozent aller akuten Atemwegsinfektionen einen bakteriellen Ursprung. Die Bandbreite der auslösenden Viren ist jedoch groß: Mehr als 200 sehr unterschiedliche Viren aus verschiedenen Virusfamilien sind als Ursachen beschrieben. Die Erreger umgehen die Immunabwehr durch eine besonders schnelle Replikation und mithilfe vieler unterschiedlicher Varianten. Die häufigsten Erkältungsviren zählen zu den Virusgattungen der Rhino-, Entero-, Corona-, Mastadeno- und zur Familie der Paramyxoviren. Bei kleinen Kindern ist mittlerweile das humane Metapneumovirus (HMPV) der zweithäufigste Erreger akuter Atemwegsinfektionen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Die nicht-medikamentöse Behandlung unkomplizierter Atemwegsinfekten stellt eine wichtige Behandlungsoption dar. Sie hilft neben nicht steroidalen Antirheumatika die unangenehmen Begleiterscheinungen zu lindern. Erkrankte sollten sich jedenfalls körperlich schonen und je nach Schweregrad der Symptome und des Vorliegens von Fieber das Bett hüten. Ebenso ist darauf zu achten, genügend zu trinken, allerdings ist bei älteren Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen möglicher Elektrolytschwankungen die Trinkmenge anzupassen, weist Dr. Bernhard Olzowy, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Großhadern, München, hin.

„Bei Rhinosinusitis und allergischer Rhinitis“, so Olzowy, „gibt es Evidenz für die Verwendung hypertoner oder isotoner Kochsalzlösungen. Der Mechanismus einer lokalen Spül- oder Dampfanwendung von Kochsalzlösungen besteht darin, dass durch die Verflüssigung des Nasensekrets die mukoziliäre Clearance verbessert wird. Auch über eine gefäßverengende und somit abschwellende Wirkung wird berichtet.“ Neuerdings steht auch ein Nasenspray mit dem aus Algen gewonnenen Polysaccharid Iota- Carrageen zur Verfügung, das zur Symptomerleichterung beiträgt und antiviral wirksam ist. Bei Rhinitis im Rahmen eines unkomplizierten respiratorischen Infekts gebe es für den Nutzen von Kochsalzlösungen zwar keine eindeutige Evidenz, subjektiv könne sich jedenfalls eine Beschwerdebesserung einstellen..

Wasserdampfinhalationen mit einer Dauer von etwa 20 Minuten bei 43°C Wassertemperatur wurden hinsichtlich einer signifikanten Linderung der Symptome untersucht, wobei sich auch gezeigt hat, dass die Virusvermehrung um mehr als 90 Prozent reduziert werden kann. Grundsätzlich ist eine höhere Luftfeuchte für die Atemluft positiv. Dies lässt sich durch großflächige feuchte Tücher erreichen. Das Rauchen sollten Betroffene und Personen in deren Umgebung einstellen, da Atemwegsinfekte bei Rauchern und Passivrauchern länger dauern, stellt Olzowy fest.

Um den Körper in seiner Abwehr zu unterstützen, sollte Fieber zunächst nicht gesenkt werden, da erhöhte Körpertemperatur und Fieber bei ansonsten nicht gefährdeten Personen eher als günstig zu bewerten sind. Vorsicht ist freilich bei Risikopatienten und sehr hohen Körpertemperaturen (› 39 °C) hinsichtlich möglicher Komplikationen geboten. Vor dem Einsatz einer chemischen Fiebersenung schlägt Olzowy Behandlungsversuche mit Wadenwickeln als anerkannte Maßnahme, allerdings nur bei warmen Extremitäten vor.

Zu Beginn des Atemwegsinfekts kann der Betroffene auch eine Hy-drotherapie mit ansteigendem Fußbad durchführen, wobei beide Füße und Unterschenkel in einem großen Gefäß mit einer ansteigenden Wassertemperatur von etwa 35 °C auf zuletzt 40 °C über etwa zehn Minuten gebadet werden und eine merkliche Überwärmung mit deutlicher Schweißbildung an der Stirn stattfinden soll.

Medikamentöse Behandlung

Analgetika wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen sind zur Linderung der Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen geeignet. Kinder sollten keine Salizylate (z.B. Acetylsalicylsäure) erhalten, da das Risiko eines Reye-Syndroms besteht. Antitussiva sind bei nicht produktivem, quälendem Reizhusten für maximal 14 Tage indiziert, Expektoranzien sollen bei produktivem Husten die Sekretion der Bronchialflüssigkeit fördern oder die Viskosität eines verfestigten Bronchialschleims senken. Mukoaktive Substanzen sind grundsätzlich nur systemisch zu geben.

Abschwellende Nasentropfen und -sprays wirken nur kurzzeitig, wobei die wiederholte Gabe mit der Gefahr einer atrophischen Rhinitis verbunden ist. Insbesondere Allergikern sind Präparate ohne das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid (BKC) zu empfehlen.

Echinacinpräparate haben in mehreren kontrollierten Studien sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der Behandlung von unkomplizierten Atemwegsinfekten einen Vorteil gegenüber Placebopräparaten gezeigt.

Die hoch dosierte Einnahme von Vitamin C (1 g/d oder mehr) scheint einen gewissen Benefit bezüglich der Verminderung der Symptome und der Erkrankungsdauer (Reduktion von ca. 15% der Symptomtage pro Episode) zu haben. Unkomplizierte Infekte der oberen Atemwege können auch klassisch homöopathisch behandelt werden. .

Quelle:
B. Olzowy in MMW - Fortschritte der Medizin 2011; 153 (10): 31-33

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