zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 24. Jänner 2014

Polypharmazie: Per se nicht schädlich

Der Vorwurf, jede Polypharmazie sei grundsätzlich riskant, greife zu kurz, meinen britische Ärzte. Wer viele Krankheiten hat, braucht auch viele Medikamente.

Wer als Arzt mehrere Präparate gleichzeitig verschreibt, muss auf Nebenwirkungen und Interaktionen achten. Zweifelsohne erhalten gerade ältere Menschen oft zu viele Medikamente, und der Hausarzt tut gut daran, den Inhalt der Pillendöschen regelmäßig zu überprüfen und bisweilen auszumisten. Zu beachten ist aber noch ein anderer Aspekt: Dr. Rupert A. Payne et al. warnen vor „Underprescribing“. In ihrer Studie mit 180.000 chronisch Kranken war eine Polypharmazie zwar eindeutig mit der Häufigkeit ungeplanter Klinikeinweisungen verknüpft. Diese Wahrscheinlichkeit war bei Einnahme von 4 bis 6 Medikamenten (gegenüber 1 bis 3) um den Faktor 1,25 erhöht, ab zehn Medikamenten gar um den Faktor 3,42. Diese Verhältnisse galten allerdings nur für Patienten mit nur einer Erkrankung. Wer dagegen an besonders vielen Malaisen (≥6) litt und deswegen 4 bis 6 unterschiedliche Pillen täglich einnahm, hatte kein höheres Risiko, wegen eines akuten Zustands ins Spital eingeliefert zu werden, im Vergleich zu Patienten, die nur 1 bis 3 Medikamente einnahmen. Selbst die Einnahme von 10 oder mehr Präparaten hatte nur ein eineinhalbfach erhöhtes Risiko einer akuten Einweisung zur Folge (gegenüber Patienten, die 1 bis 3 Medikamente schluckten).

Dass der kausale Zusammenhang der Einweisungen mit der Verschreibung von Medikamenten nicht belegt werden konnte, ist sicher ein Manko der Studie. Allerdings führten Sensitivitätsanalysen, in denen der Einfluss des Patientenalters und der Erkrankung selbst herausgerechnet wurde, zu ähnlichen Ergebnissen.

Payne RA et al.: Br J Clin Pharmacol 2014; Jan 16

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 5/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben