zur Navigation zum Inhalt
© photos.com
Hohe Natriumspiegel lassen das Risiko für Bluthochdruck steigen.
 
Allgemeinmedizin 25. Dezember 2013

Brausetabletten bringen den Blutdruck in Wallung

Die Einnahme von Präparaten mit hohem Natriumgehalt beeinflusst stark die kardiovaskuläre Gesundheit.

Wasserlösliche Medikamente in Form von Brausetabletten können das Schlaganfallrisiko erhöhen; davor haben britische Forscher gewarnt. Schuld sind offenbar die hohen Natriumkonzentrationen, die den Blutdruck in die Höhe treiben.

Weltweit sind Gesundheitsorganisationen seit Jahren bemüht, die Bevölkerung zu einem restriktiven Umgang mit Kochsalz anzuhalten – aus gutem Grund: Hohe Natriumspiegel lassen das Risiko für Bluthochdruck nachweislich steigen; dies hat beispielsweise die INTERSALT-Studie mit über 10.000 Patienten im Alter zwischen 20 und 60 Jahren gezeigt.

Die Gefahr kommt allerdings nicht nur aus salzigen Lebensmitteln wie Pommes, Burgern oder Fertigpizza. Schottische Forscher warnen, dass auch viele Medikamente ihren Teil zur Überversorgung mit Natrium beitragen. Vor allem wasserlösliche Paracetamol- oder Aspirinpräparate, z. B. in Form von Brausetabletten, enthalten oft relativ hohe Natriumkonzentrationen in Form von Natriumhydrogencarbonat. Dieses löst sich im wässrig-sauren Medium relativ rasch unter Abspaltung von CO2; das Gas bringt das Wasser zum Sprudeln. Die Tablette löst sich dadurch schneller auf.

Tagesbedarf weit überschritten

In einer 500-mg-Tablette Paracetamol sind 18,6 mmol oder rund 428 mg Natrium enthalten. Wer täglich mehrere Tabletten (bis zu acht sind erlaubt) schluckt, kommt allein damit leicht über die von der WHO empfohlenen Menge von 2 g pro Tag (entspricht 4 g Kochsalz oder Natriumchlorid).

Dies hat offenbar nicht nur Auswirkungen auf den Blutdruck, sondern auch auf das Schlaganfallrisiko und die Mortalität. Die aktuelle Studie beruht auf Daten von rund 1,3 Millionen Patienten aus rund 500 Praxen der Primärversorgung in Großbritannien. Die Wissenschaftler hatten zwei gleich große Gruppen gebildet: Die einen hatten zwischen Jänner 1987 und Dezember 2010 vom Arzt mindestens zwei natriumhaltige Präparate (z.B. Brausetabletten) verschrieben bekommen. Die Patienten der Vergleichsgruppe hatten im selben Zeitraum die entsprechende Substanz in nicht löslicher Form erhalten.

Wie Jacob George und sein Team vom Ninewells Hospital in Dundee berichten, war es innerhalb von rund vier Jahren zu 61.072 kardiovaskulären Ereignissen gekommen (im primären Endpunkt waren nichttödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle sowie vaskulär bedingte Todesfälle zusammengefasst). Nach Einnahme von salzhaltigen Präparaten war die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses um den Faktor 1,16 erhöht. Der Risikoanstieg beruhte vor allem auf der erhöhten Zahl der (nichttödlichen) Schlaganfälle (OR 1,22).

Eindeutige Assoziation mit dem Blutdruck

Bei der Analyse der sekundären Endpunkte stach vor allem der Bluthochdruck heraus: Nach Bereinigung um Einflussfaktoren wie Rauchen und Übergewicht lag die Odds Ratio (OR) bei 7,18 für Hypertonie, bei 1,28 für die Gesamtmortalität. Im Gegensatz dazu war das Risiko für (nichttödliche) Herzinfarkte in der Natrium-Gruppe nicht erhöht (OR 0,94).

Aus den Studiendaten lässt sich bedauerlicherweise nicht herauslesen, wie oft und wie lange die Patienten die vom Arzt verschriebenen Tabletten angewendet hatten. Unklar bleibt auch, wie viel Natrium über die Nahrung aufgenommen wurde und ob die Patienten zusätzlich natriumhaltige OTC-Präparate konsumiert hatten; dies sind klare Limitationen der Studie, die im „British Medical Journal“ erschienen ist.

„Unsere Ergebnisse stützen die Hypothese, dass Medikamente mit hohem Natriumgehalt zu Bluthochdruck führen können“, resümieren George und Kollegen. Die erhöhte Schlaganfallhäufigkeit in der Kohorte sei möglicherweise eine Folge davon.

Deklarierungspflicht gefordert

Während Lebensmittelhersteller den Natriumgehalt ihrer Produkte ausweisen müssen, ist die Pharmaindustrie hier nicht in der Pflicht. Für die Forscher ist das ein klares Versäumnis. Sie fordern nicht nur, den Natriumgehalt im Beipackzettel von Medikamenten ausdrücklich zu deklarieren, sondern auch, vor den entsprechenden Gesundheitsrisiken zu warnen. Dem Praktiker raten George et al. grundsätzlich eher wasserunlösliche Formulierungen zu verschreiben und die Brausetabletten nur dann einzusetzen, wenn der zu erwartende Nutzen das Risiko übersteigt.

Originalpublikation: George J et al. Association between cardiovascular events and sodium-containing effervescent, dispersible, and soluble drugs. BMJ 2013; 347: f6954; doi: 10.1136/bmj.f6954

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 50/52/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben