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Allgemeinmedizin 4. Dezember 2013

Männer leiden anders

Depressionen bleiben daher oft unerkannt

Männer erkranken genauso häufig an Depressionen wie Frauen, jedoch äußern sich bei ihnen andere Symptome. Eine aktuelle Studie widerlegt damit das vorherrschende Bild, dass Frauen anfälliger für die psychische Erkrankung seien.

Nicht nur Traurigkeit oder vermehrtes Weinen zeichnen die Depression beim Mann aus. Viel mehr berichten Männer auch über Aggressionen und gesteigerte Risikobereitschaft.

Frauen sind zwar doppelt so häufig wie Männer aufgrund von Depressionen in psychischer Behandlung. Das bedeutet jedoch nicht, dass Männer in geringerem Maße von Depressionen betroffen sind. Das liegt an der Kombination der traditionellen Diagnosekriterien mit der häufig vorliegenden Scheu von Männern darüber mit jemandem und eben auch dem Arzt zu sprechen. Antriebs- und Schlaflosigkeit, aber vor allem Trauer und Weinen sind Symptome, die in unserer Gesellschaft als unmännlich gelten, meint Prof. Dr. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm. Bereits der Männergesundheitsbericht 2013 habe gezeigt, dass seelische Leiden bei Männern zunehmen. Es liegen also Defizite in der Diagnostik und Versorgung psychischer Erkrankungen vor.

Reizbarkeit, Wutanfälle und gesteigerte Risikobereitschaft

Ziel der „National Comorbidity Survey Replication“ zur psychischen Gesundheit war, Gründe für die bisher beobachtete unterschiedliche Häufigkeit der Depression bei Männern und Frauen zu finden. Forscher von der Universität von Michigan werteten dafür die Daten einer landesweiten Umfrage an etwa 5700 Probanden aus. Das Ergebnis der aktuellen Studie zeigt: Männer erleben die Symptome einer Depression häufig anders als Frauen und berichten von Reizbarkeit, Wutanfällen, Drogengebrauch und gesteigerter Risikobereitschaft. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben die Forscher einen Kriterien-Katalog zusammengestellt, der sowohl traditionelle als auch typisch männliche Symptome der Depression auflistet.

Angewendet auf die Studienteilnehmer, durchlitten nach den neuen Kriterien 30,6 Prozent der Männer und 33,3 Prozent der Frauen eine Depression. Somit besteht zwischen den Geschlechtern diesbezüglich kaum ein Unterschied. Nach den bisher üblichen Diagnosekriterien litten 25 Prozent der Frauen und nur zwölf Prozent der Männer unter Depressionen. Bisher ging die Forschung davon aus, dass Frauen stärker auf Stress reagieren und diesem auch schlechter begegnen können. „Die Studie verdeutlicht, wie weit Depressionen tatsächlich verbreitet sind und legt nahe, dass wir die Symptome geschlechtsspezifisch betrachten müssen,“ betont Gündel.

Quelle: Presseaussendung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)

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