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Allgemeinmedizin 4. Dezember 2013

Der Patient spürt, was ihm gut tut

Orthomolekulare Medizin als sinnvolle Ergänzung bei stress- und krankheitsbedingten Nährstoffdefiziten.

„Laboranalysen von Blut und Harn sind die Grundlage der orthomolekularen Medizin als Prävention und Therapie. Nur dann kann eine sinnvolle und gesundheitsfördernde Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen werden“, fasste Dr. Peter H. Lauda, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, die Ergebnisse des 1. Internationalen Symposiums Orthomolekulare Medizin in der Gesellschaft der Ärzte Wien Ende Oktober zusammen.

Es gehe, so Lauda, der Organisator des Symposiums, um eine Ergänzung von bewährten schulmedizinischen Behandlungsmethoden, insbesondere um das Management von Nebenwirkungen, wie etwa bei Chemotherapien und Strahlentherapien. Schwerpunktthemen waren orthomolekulare Diagnostik und Therapie in der Onkologie, Geriatrie und Pädiatrie, einige spezielle Themen wie Nitrosativer Stress und Mitochondriopathie sowie Laboranalytik.

Vitamine, Mineralstoffe, Hormone, Enzyme, Fettsäuren, Aminosäuren sind lebenswichtige Turbo-Substanzen. Um ein reibungsloses Funktionieren des Organismus zu garantieren müssen eine bestimmte Bioverfügbarkeit und ausreichende Dosierung vorhanden sein. Defizite, die etwa bei einer Erkrankung entstehen, können ausgeglichen werden - aber wie? „Es geht um ortho, richtig, aus diesem Blickwinke ist die Orthomolekulare Medizin zu verstehen, mit gesichertem medizinischen Wissen, als sinnvolle Ergänzung schulmedizinischer Behandlungsmethoden, praxisbezogen und patientenorientiert“, postuliert Komplementärmediziner Lauda.

Das Angebot in unserer Ernährung

Wir essen und trinken zu viele industriell verarbeitete Nahrungs- und Genussmittel, die zwar Energie liefern, meist aber arm an Nährstoffen, wie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und Fettsäuren sind. Auf Grund dieser individuellen Ernährungsfehler oder bei einer Erkrankung kann es sinnvoll sein, Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren. Ein Beispiel: Bei über 1000 Vit D Blutspiegelmessungen zeigte sich bei 85 Prozent der Probanden ein Vit D Mangel.

Die Diskussion ist vielfältig: So stellen Kritiker fest, dass etwa eine zu hohe Dosis von Vit D Tropfen für die Haut schädlich sei, zu Appetitlosigkeit und sogar zu Erbrechen führen könne. Auch eine Überdosis von Eisenpräparaten könne negative Nebenwirkungen auslösen, besonders hinsichtlich einer erhöhten Infektionsgefahr. Vor jeder Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte daher zunächst festgestellt werden, ob ein Mangel besteht, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und ob diese Defizite mit einem gesunden Lebensstil ausgeglichen werden können.

Vitaminschlucker Chemotherapie

Ganz anders ist die Situation bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie erhalten. Hier kommt es zu einem markanten Defizit von Vitaminen und Mineralien, meist trägt dazu auch die Appetitlosigkeit bei. Im Journal of Cancer wurde bereits 1956 die wirksame Begleittherapie von Vitamin C i.V. bei Tumorpatienten beschrieben.

Dr. Peter Holzhauer, Chefarzt für Innere Medizin und Onkologie, Klinik Bad Trissl, bestätigt diese Wirkung bei seinen Patienten. „Dasselbe gilt für L-Carnitin, einem Aminosäure-Derivat, dessen Speicherung gering ist und das schnell aufgebraucht wird. Meist essen die Patienten auch zu wenig Fleisch. L-Carnitin trägt zur Funktion des Fettsäuremetabolismus bei und verbessert u.a. auch die Leistung des Herzmuskels. In Interaktion mit den Zytostatika kann es die Nebenwirkungen senken.“

Man sei bemüht, Synergien aufzubauen. „Auch der Vitamin D-Spiegel“, so Holzhauer, „muss im Rahmen einer Chemotherapie überwacht werden. Dasselbe gilt für den Selenspiegel. Bei Brustkrebspatientinnen sinkt der Selenspiegel rapid. Durch eine Supplementierung zeigt eine Follow up-Studie über zehn Jahre eine signifikant höhere Überlebensrate an. Selen trägt u.a. zur Zellreparatur bei und wirkt entgiftend. Gerade im Rahmen einer Chemotherapie ist es wichtig, die Laborwerte immer wieder zu kontrollieren und Defizite auszugleichen.“

Ergänzend und vorbeugend können auch Grüner Tee oder Grapefruitsaft zum Wohlfühlen beitragen. Bei Herz-Kreislaufbeschwerden spielt Magnesiummangel häufig eine Rolle. Eine bedarfsgerechte Substitution kann bei Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz aber auch bei Diabetes mellitus eine klinische Besserung bewirken.

Sicherheit von Vitaminen

„Nobody dies from vitamines“, ist das zentrale Argument für deren Einsatz, das Univ. Prof. Dr. Keith Block in einem Satellitenprogramm eindringlich vertrat. Block ist Direktor des Block-Centre for Integrative Cancer Treatment, College of Medicine, Chicago. Viele Falschmeldungen über die Gefährlichkeit von zusätzlichen Vitaminen seien in Umlauf. Die Statistiken würden das Gegenteil beweisen. So habe es etwa in den vergangenen 29 Jahren keinen einzigen Todesfall infolge von Vit C Substitution gegeben. „Vitamin C greift die Tumorzellen an, aber nicht die gesunden Zellen.“ Bei Mineralien als Ergänzungspräparate hingegen müsse man vorsichtig sein, eine Überdosis könnte zu gesundheitlichen Schäden führen. Die Wirkung von ergänzenden Anti-Oxidantien als Begleitung bei einer Chemotherapie sei hingegen als positiv ausgewiesen. Damit wird die körpereigene Abwehr gegen freie Radikale unterstützt. Folgt man den von Block engagiert vorgetragenen Argumenten, „so ist die Sicherheit gesichert.“

Der Patient hat ein Recht auf Komplementärmedizin

„Der Patient hat selbst viele Möglichkeiten, mit seiner Krankheit umzugehen und zu einem normalen Leben zu finden“, stellte Onkologe Univ.-Prof. Dr. Gerd Nagel, Stiftung Patientenkompetenz, Uerikon, Schweiz, fest. Das schließe auch ein Recht auf eine komplementärmedizinische Behandlung ein. Bei allem Respekt gegenüber dem Arzt müsse sich der Mensch selbst die Frage stellen, was er für seine Gesundheit tun kann, seine Kompetenz sei gefragt. Die Suche nach den eigenen Fähigkeiten vergleicht der Komplementär-Mediziner mit den Fähigkeiten eines „Trüffelschweines“. Fündig geworden ist die Orthomolekulare Medizin jedenfalls. Fazit von Pro und Kontra: Die orthomolekulare Medizin hat einen fixen Stellenwert als ergänzende Behandlung im Rahmen der Schulmedizin, insbesondere bei der Versorgung von Krebspatienten.

Quelle: 1. Internationales Wiener Symposium Orthomolekulare Medizin, 23.-25. Oktober, Gesellschaft der Ärzte, Wien

G. Niebauer, Apotheker Plus 10/2013

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