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Allgemeinmedizin 25. November 2013

Auf die Mischung kommt es an

Nicht alle ungesättigten Fettsäuren haben den gleichen Effekt.

Lebensmittel mit möglichst viel ungesättigten Fettsäuren sind gesund. Sie können den Cholesterinspiegel senken und damit dem Risiko für Herzkrankheiten vorbeugen. Soweit die Theorie, mit der gerne geworben wird. Doch mittlerweile werden Zweifel an der Allgemeingültigkeit dieser Aussage laut. Denn einige Kandidaten scheinen aus der Reihe zu tanzen.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren stehen in dem Ruf, der Gesundheit zu dienen. So haben kanadische Gesundheitsbehörden der Industrie gestattet, mit den gesundheitlichen Vorteilen ihrer Produkte werben zu dürfen, wenn gesättigte Fettsäuren aus Lebensmitteln verbannt und durch ungesättigte ersetzt wurden. Grundlage dieser positiven Einschätzung war eine Metaanalyse aus dem Jahr 2003, die zeigte, dass durch den Ersatz gesättigter Fettsäuren durch pflanzliche Öle, die reich an vielfach ungesättigten Fettsäuren waren, der Gesamt- und der LDL-Cholesterinwert bei den Verbrauchern sank. In einer Metaanalyse aus dem Jahr 2010 wurde zudem beschrieben, dass die Verwendung solcher Öle vorteilhaft im Hinblick auf die Verkalkung der Herzarterien sei. Man führte diesen Effekt zum Teil auf die Linolsäure zurück.

Bei näherer Betrachtung kamen allerdings Zweifel auf, ob die beobachteten positiven Effekte tatsächlich der Linolsäure zuzuschreiben seien. Durch den Konsum linolsäurereicher Öle konnte weder die Zahl der KHK-Todesfälle noch die kardiovaskuläre Todesrate gesenkt werden. Ein eher negativer Effekt trat insbesondere bei Rauchern, Alkoholkonsumenten und Personen mit erhöhtem oxidativem Stress auf.

Verhältnis der Fettsäuren

Allgemein wird ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren von unter 5:1 empfohlen. Durch den häufigen Verbrauch von Raps-, Lein-, oder Walnussöl ist eine noch günstigere Verteilung erreichbar. Doch in einigen Ölen und anderen Lebensmitteln ist der Anteil von Omega-6-Fettsäuren sehr hoch. Dies führt offenbar dazu, dass die schützende Wirkung der unterrepräsentierten Omega-3-Fettsäuren unter den Tisch fällt.

Eine Studienanalyse von Richard P. Bazinet und Kollegen von der University of Toronto ergab: Die Omega-6-Fettsäure Linolsäure zeigt einen Nutzen bei der Cholesterinsenkung. Die Studienlage lässt aber nicht die Aussage zu, dass damit auch das KHK-Risiko gesenkt werden kann. Wurden allerdings die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure und Linolsäure in Kombination konsumiert, konnte über eine Cholesterinsenkung hinaus auch eine geringere Verkalkung der Koronargefäße beobachtet werden.

In Kanada macht das Rapsöl 55 Prozent und das Sojaöl 25 Prozent des Speiseölverbrauchs aus. Beide Öle enthalten ein günstiges Verhältnis von Linol- zu Alpha-Linolensäure. Eine viel schlechtere Bilanz hat beispielsweise das viel gepriesene Olivenöl.

Zunehmend mehr Ölsäure haltige Speiseöle

Nicht nur in Kanada werden derzeit die traditionellen Öle zuneh- mend von solchen verdrängt, die viel Ölsäure (einfach ungesättigte Omega-9-Fettsäuren) enthalten. Mit dieser Komponente sinkt zwar das Oxidationsrisiko bei Hitzebehandlung, aber der Austausch geht auf Kosten von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Künftige Studien müssen klären, so die Autoren, wie sich diese Veränderungen auf das KHKRisiko auswirken.

Erhöhter Rapsölkonsum

Noch vor rund zehn Jahren verteilten sich, laut Angaben der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V. zufolge, die Käufer von Speiseölen in Deutschland zu zirka 35 Prozent auf Sonnenblumenöl, zirka 30 Prozent auf Pflanzen-/Tafelöl und zu je etwa 10 Prozent auf Distel-, Oliven- und Maiskeimöl. Mittlerweile hat sich bei steigendem Speiseölverbrauch das Rapsöl auf den vorderen Platz vorgearbeitet. Zahlen der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. aus dem Jahr 2010 zeigen, dass Rapsöl in deutschen Haushalten inzwischen am häufigsten verwendet wird, dicht gefolgt von Sonnenblumenöl. Deutlich abgeschlagen sind Olivenöl und als Pflanzenöle deklarierte Speiseöle. Dies entspricht beispielsweise den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie gibt in einem Positionspapier von 2011 an, dass „ein erhöhter Verzehr von langkettigen mehrfach ungesättigten n-3-Fettsäuren mit einem risikosenkenden Potenzial hinsichtlich koronarer Herzkrankheit und eventuell weiteren Krankheiten verbunden ist“, und dass „ein Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte n-6- und n-3-Fettsäuren das Risiko für koronare Herzkrankheiten senkt“. Unter dem Eindruck der aktuellen Studiendaten müssen diese Aussagen möglicherweise noch einmal überprüft bzw. differenziert werden.

 

Originalpublikation: Bazinet RP, Chu MWA. Omega-6 polyunsaturated fatty acids: Is a broad cholesterol-lowering health claim appropriate? CMAJ 2013, online 11. November

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 48/2013

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