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Allgemeinmedizin 12. April 2006

Prostata: Last der Männer

Die allgemein gestiegene Lebenserwartung und besonders die von Männern wird dazu führen, dass die Zahl der an einem BPH-Syndrom (benigne Prostatahyperplasie) leidenden Männer weiter zunehmen wird. "Schon jetzt zählt das BPH-Syndrom zu den häufigsten Erkrankungen von Männern jenseits der sechsten Lebensdekade", so Professor J. Curtis Nickel aus Kingston/ Kanada auf einem Symposium von GlaxoSmithKline während der 97. Tagung der American Urological Association (AUA) Ende Mai in Orlando, Florida. Experten schätzen, dass die Zahl der Männer mit BPH-Syndrom in den nächsten zehn Jahren um 45 Prozent steigen wird.

Reduzierte Lebensqualität

Wenngleich das BPH-Syndrom per se keine lebensbedrohliche Erkrankung ist, können die mit der Erkrankung einhergehenden Symptome sehr lästig sein und die Lebensqualität deutlich reduzieren. So zeigt eine in Schottland durchgeführte Studie, dass 51Prozent der Männer mit BPH-Syndrom unter deutlichen Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens leiden (Garraway WM et al. Br J Gen Pract 1993; 44: 825-831). Zum Vergleich: Nur 28% der Männer ohne BPH-Syndrom bejahten diese Frage.

Progredienter Verlauf

Das BPH-Syndrom verläuft nahezu in jedem Fall progredient. Hierauf wies Professor Michael M. Lieber aus Rochester/USA hin. Auch dies belegen epidemiologische Studien wie die Olmsted County Community Study, an der 2.115 Männer im Alter zwischen 40 und 79 Jahren teilgenommen hatten. Während des zwölfjährigen Beobachtungszeitraums verschlechterten sich der Symptomen-Score und der maximale Harnfluss. Die Größe der Prostata nahm zu. "Mit der Zunahme des Prostatavolumens stieg auch das Risiko schwerwiegender Komplikationen, etwa eines akuten Harnverhalts oder eines chirurgischen Eingriffs", betonte Lieber.

Das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) nimmt eine Schlüsselfunktion bei der Progression des BPH-Syndroms ein. Das Enzym 5-Alpha-Reduktase spielt eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von Testosteron in seine aktive Form DHT. "Die 5-alpha-Reduktase kommt in zwei unterschiedlichen Isoformen vor", erläuterte Professor Claus G. Roehrborn aus Dallas/USA. Mit Dutasterid wird demnächst eine neue Substanz zur Behandlung des BPH-Syndroms zur Verfügung stehen. Dutasterid inhibiert beide Isoenzyme der 5-Alpha-Reduktase und führt damit zu einer wünschenswerten Reduktion des Serum-DHT-Spiegels um bis zu 90 Prozent.

Die Senkung der DHT-Konzentration wiederum hat mehrere Effekte: Nicht nur die Symptome bessern sich im Lauf einer zwölfmonatigen Therapie nachhaltig, und zwar um 3,8 Punkte auf dem AUA-Symptom Index (AUA-SI), sondern auch der maximale Harnfluss steigt um 1,7 ml/s.

Effektive Therapie

Schließlich, dies ist aus klinischer Sicht von enormer Bedeutung, verkleinert sich die Prostata im Verlauf der zwölfmonatigen Therapie um durchschnittlich 25,9 Prozent. Wie Roehrborn betonte, stehe mit Dutasterid künftig eine hoch effektive, gleichwohl gut verträgliche Substanz zur Therapie des BPH-Syndroms zur Verfügung, die nicht nur die Symptome lindert, sondern auch kausal in das BPH-Geschehen eingreift.

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