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Allgemeinmedizin 12. April 2006

Wann ist man(n) ein Mann?

Was ein wirklicher Mann ist, wird zunächst in der Erziehung festgelegt. Für den heranwachsenden Buben ist der Vater die erste Identifikationsfigur. Wie Männer zu sein haben, erfahren wir aber auch aus den Medien und der Werbung, die in diesem Fall als treffliche Spiegel der Gesellschaft fungieren. Männliche Rollenbilder spielen in der geschlechtsspezifischen Medizin mittlerweile eine große Rolle. Typisch "männliche" Eigenschaften sind ein Hindernis bei der Partizipation am Gesundheitssystem, berichteten internationale Experten am WCMH. 

Eine Studie aus den USA (Emory University School of Public Health, Atlanta) hat diesen Zusammenhang näher beleuchtet: Im Rahmen der vorherrschenden Erziehung hätten Männer eine tendenziell stoische Einstellung gegenüber Schmerz und Angst herausgebildet. Auch beruflich würden sie durch körperliche Arbeit zu mehr Belastungstoleranz getrimmt. Solche kulturell verankerten Faktoren führten jedoch zu einer höheren Schwelle bei Schmerz, Verletzung und Angst. Dies sei ein Grund dafür, dass Männer die Einrichtungen des Gesundheitswesens weniger als Frauen in Anspruch nähmen. Hinzu käme, dass hilfesuchende Männer - insbesondere solche aus ethnischen Minderheiten - psychische und sexuelle Probleme oft als stigmatisierend empfänden. 

Gesteigertes Risikoverhalten und zeitweiliges Abweichen vom Normalverhalten wären ebenfalls ein fixer Bestandteil der männlichen Identität. Ohne diese psychosozialen und soziokulturellen Faktoren bliebe etwa das Verständnis des problematischen Alkohol- und Drogengebrauchs bei Männern unvollständig. Der Missbrauch von Rausch-, Sucht- und Genussmitteln wäre nach wie vor eine männliche Domäne - wie die damit einhergehenden akuten und chronischen Schäden. 

Quelle: PK am 2.WCMH

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